Flüchtlingskrise Regierung rechnet mit 68.000 neuen Kita-Kindern

Mit den Flüchtlingsfamilien aus Syrien, dem Irak und Afghanistan kommen auch immer mehr Kleinkinder nach Deutschland. Für Zehntausende werden laut Familienministerium neue Kita-Plätze benötigt.

Flüchtlingsfamilien erreichen München: Kita-Plätze für 68.000 Kinder benötigt
DPA

Flüchtlingsfamilien erreichen München: Kita-Plätze für 68.000 Kinder benötigt


Das Familienministerium rechnet offenbar durch die Flüchtlingskrise mit einem kurzfristigen Bedarf an Kita-Plätzen, 68.000 Kinder müssten untergebracht werden. Laut einem Bericht der Zeitung "Die Welt" bedeute das für die Kommunen zusätzliche Betriebskosten von rund 550 Millionen Euro. "Der Bedarf für Kitas ist groß und wird auch weiter steigen", sagte Familienministerin Manuela Schwesig. Der Bund müsse hier seiner Verantwortung nachkommen, so die SPD-Politikerin: "Wir brauchen für alle Kinder, Flüchtlingskinder und in Deutschland geborene Kinder, Plätze in Schulen und Kitas."

Da der Bedarf an Unterbringungsplätzen auch generell steige, erwartet das Ministerium laut dem Bericht bei den Gesamtkosten für das kommende Jahr eine Steigerung um 2,4 Milliarden Euro für Länder und Kommunen. Im Jahr 2017 sollen die Kosten dann um 3,7 Milliarden Euro und im Jahr 2018 um 4,9 Milliarden Euro steigen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus, forderte ein "umfassendes und langfristiges" Engagement von Bund und Ländern. Den Städten sei es wichtig, den Flüchtlingskindern zügig Angebote der Kinderbetreuung zu machen, "denn das fördert die Integration ungemein". Familien sollten untereinander bei der Suche nach einem freien Kita-Platz nicht konkurrieren müssen.

Unterstützt wird er mit seiner Forderung vom Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds: Gerd Landsberg sagte der Zeitung, wegen der Flüchtlinge müsse für eine "sehr große Zahl" an Kindern zwischen einem Jahr und sechs Jahren Plätze geschaffen werden. Er forderte zusätzliche finanzielle Mittel für die Kommunen, "welche die vollständigen Ausgaben für Investitionen und den Betrieb der Einrichtungen umfassen".

"So sicher wie das Amen in der Kirche"

Doch woher soll das Geld für die neuen Kita-Plätze kommen? Schwesig wiederholte ihren Vorschlag, die Mittel "aus dem frei werdenden Betreuungsgeld" zu nehmen. Unterstützung erhält sie dabei indirekt von den Grünen. Sie wollen den Bundestag am Donnerstag über einen entsprechenden Antrag abstimmen lassen. Die familienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Franziska Brantner, sagte: "Dass wir mehr Kita-Plätze brauchen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Es sei zu erwarten, dass im kommenden Jahr mehr Kita-Plätze und Mittel für Sprachförderung benötigt würden.

Das Bundesverfassungsgericht hatte das Betreuungsgeld, das Mütter oder Väter erhalten, wenn sie ihre Kinder zu Hause betreuen, im Juli gekippt. Über die Frage, was mit dem frei werdenden Geld passieren soll, soll am Donnerstag im Plenum debattiert werden. Finanzminister Wolfgang Schäuble sträubt sich gegen eine Verwendung innerhalb der Familienpolitik.

vek/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 75 Beiträge
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Atheist_Crusader 23.09.2015
1.
Praktisch betrachtet: Solange die Eltern nicht arbeiten, braucht es auch keinen KiTa-Platz. Aber natürlich hat Herr Articus Recht wenn er sagt, dass das die Integration ungemein fördert. Aber das ist auch wieder so ein Thema wo man sich fragt: Das Problem gab es schon länger - warum wird es erst jetzt für die Flüchtlinge angesprochen?
roby 23.09.2015
2.
Egal, wie gebildet oder ungebildet die Elten sind. Wenn wir die Kinder nicht bilden, ist es ganz allein unsere Schuld, wenn sie nicht ins Sozialsystem hineinwachsen. Wenn sich auch drüber diskutieren lässt, ob die Flüchtlinge nun eine Bereicherung für den demoskopischen Faktor sind oder nicht... .die Kinder sind es auf jeden Fall.
peterpahn 23.09.2015
3. Die Hoffnung auf gelingende Integration kann ...
Die Hoffnung auf gelingende Integration kann sich m.E. realistischerweise (leider, fast nur) auf die kleinen Kinder der Einwanderer richten, wenn wir bedenken, wie schwer sich Erwachsene oder selbst Jugendliche tun, eine neue Sprache zu lernen.
schlipsmuffel 23.09.2015
4. Irgendwie
verstehe ich das alles nicht mehr! Als im Sommer die KiTa-Angestellten für mehr Lohn und Anerkennung streikten, gab es keine Möglichkeiten der Anerkennung, angeblich weil die finanzielle Belastung zu gross gewesen wäre. Und jetzt spielt das alles keine Rolle mehr? Klar, es geht ja nicht mehr um "unsere" Kinder sondern um Migrantenkinder, da gehts dann plötzlich? Und wo kommt dann plötzlich das ganze Personal her, und wird das dann besser bezahlt als bisher? Fragen über Fragen!
euronote 23.09.2015
5. warum wird es erst jetzt für die Flüchtlinge angesprochen?
Zitat von Atheist_CrusaderPraktisch betrachtet: Solange die Eltern nicht arbeiten, braucht es auch keinen KiTa-Platz. Aber natürlich hat Herr Articus Recht wenn er sagt, dass das die Integration ungemein fördert. Aber das ist auch wieder so ein Thema wo man sich fragt: Das Problem gab es schon länger - warum wird es erst jetzt für die Flüchtlinge angesprochen?
weil es bei der einheimischen Bevölkerung scheißegal ist,ob die Eltern einen Kita-Platz bekommen,da kann man klagen und verliert vor Gericht,man muss schon Prioritäten setzen,für die Willkommenskultur ist Geld in Hülle und Fülle da.Hätte ich Kinder würde ich mich total verarscht vorkommen,gut das ich keine habe.
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