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07. Juli 2010, 13:14 Uhr

Regierungsbericht zu Migranten

Deutsches Märchen Integration

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Deutschland jubelt über seine Multikulti-Mannschaft - aber viele Migranten brechen die Schule ab, sind häufiger krank und brauchen ewig, um einen Job zu finden. Der Regierungsbericht zur "Lage von Ausländern" offenbart die Mängel der Integrationspolitik. Nur wenige Ergebnisse machen Mut.

Berlin - Mesut Özil, Sami Khedira, Jérôme Boateng sind Beispiele gelungener Integration. Sie sind Sinnbild für ein neues Deutschland. Sie gelten als "vorbildlich für die Gesellschaft", der deutsche Fußball sei ein "Integrationsmotor", heißt es.

Aber die Wahrheit sieht anders aus: In Deutschland ist die Lage von Migranten oft noch immer katastrophal.

Das zeigt der achte Bericht der Bundesregierung zur Lage der "Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland", den die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer (CDU), am Mittwoch in Berlin vorstellte. Wie leben Migranten in Deutschland? Welche Berufe üben sie aus, welche Schulabschlüsse haben sie? Sind sie in Sportvereinen aktiv? Wie lange dauert es für sie, einen Beruf zu finden?

Darauf will der Bericht eine Antwort geben - auf über 600 Seiten werden die faktischen Lebensbedingungen von Deutschlands Einwanderern dokumentiert. Von der Krippe bis zum Altenheim.

Das Papier offenbart das Versagen von Eltern, Schulen - aber auch der Integrationspolitik: So sind Migranten nicht häufiger kriminell als Deutsche, wenn sie einen sicheren Aufenthaltsstatus haben. Aber die Bundesregierung hat beim Bleiberecht noch keine langfristige Regelung gefunden. Und vor allem im Bildungsbereich ist die Lage von Einwanderern in Deutschland nach wie vor erschreckend. Die Zahl der Schulabbrecher ist unter Migranten noch gestiegen, sie sind fast doppelt so oft arbeitslos. Andere Ergebnisse machen Mut - immer seltener sind Einwanderer kriminell. Immer öfter werden sie beruflich selbst aktiv und gründen Unternehmen.

"Deutschland muss sich zum Land der Aufsteiger entwickeln - in allen gesellschaftlichen Bereichen", sagte Staatsministerin Böhmer bei der Vorstellung des Berichts. Aber: "Wir können längst nicht zufrieden sein." Noch könne von Chancengleichheit der Migranten keine Rede sein.

SPIEGEL ONLINE dokumentiert die wichtigsten Ergebnisse des Regierungspapiers.

Immer seltener werden Migranten kriminell

Was sind die Lehren der Bundesregierung aus den Ergebnisse? Vor allem bei der Bildung und der Sprachförderung sieht Staatsministerin Böhmer Handlungsbedarf: Es müsse an Schulen mehr Sozialarbeiter geben, mehr Lehrer, die selbst aus Einwandererfamilien kommen. Außerdem müsse das letzte Kindergartenjahr verpflichtend werden, damit Migrantenkinder besser Deutsch lernen, forderte die CDU-Politikerin.

Integrationskurse, in denen Einwanderer seit dem Jahr 2007 verpflichtend Deutsch sowie die Grundlagen der deutschen Politik und Gesellschaft lernen, seien ein "großes Erfolgsmodell". Dafür soll es noch mehr Geld geben: Böhmer kündigte zusätzliche 15 Millionen an.

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