Reisehinweise Briten sehen erhöhte Terrorgefahr in Deutschland

In Deutschland wächst das Risiko von Terroranschlägen - so zumindest schätzen es die amerikanischen und britischen Sicherheitsbehörden ein. Washington und London mahnen ihre Bürger bei Reisen daher zu besonderer Vorsicht.

Latente Anschlagsgefahr: Scharfschützen der Polizei sichern in Bremen die Einheitsfeier
dpa

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Berlin/Washington/London - Das britische Außenministerium hat am Sonntag unter dem Eindruck terroristischer Drohungen seine Hinweise für Reisen nach Deutschland und Frankreich verschärft. Statt einer allgemeinen bestehe nun eine "hohe Bedrohung", teilte das Außenministerium in London mit. Zuvor hatte Innenministerin Theresa May sich hinter Reisehinweise Washingtons gestellt, die US-Bürger zu erhöhter Wachsamkeit bei Reisen nach Europa mahnen. Die Sicht der US-Behörden decke sich mit der britischen Sichtweise, sagte May.

May rief die britische Bevölkerung dazu auf, alle verdächtigen Aktivitäten den Behörden zu melden. "Die vornehmste und wichtigste Aufgabe dieser Regierung ist der Schutz und die Sicherheit der Briten und der Besucher Großbritanniens", sagte die Ministerin. Großbritannien selbst sei einer "wirklichen und ernsthaften Terrorgefahr" ausgesetzt, fügte sie hinzu. Die Terrorwarnstufe bleibe auf der Stufe "ernst" - das bedeutet, dass ein Terrorangriff hochwahrscheinlich ist. "Wir arbeiten mit unseren internationalen Partnern eng bei der Terrorabwehr zusammen", sagte May.

Wenige Stunden vor der britischen Neubewertung des Terrorrisikos hatte das Außenministerium in Washington einen sogenannten "Travel Alert" für ganz Europa herausgegeben. "Das Außenministerium warnt US-Bürger vor der Möglichkeit von Terroranschlägen in Europa", hieß es darin. Öffentliche Verkehrsmittel und andere Orte, die von Touristen häufig besucht werden, könnten Ziele sein. Aktuelle Informationen deuteten darauf hin, dass die Extremistenorganisation al-Qaida und verbündete Gruppen Anschläge planten. Eine Aufforderung, öffentliche Plätze zu meiden, gab es jedoch nicht.

Wie die Nachrichtenagentur dapd unter Berufung auf europäische Regierungskreise berichtet, hatten die USA zunächst eine weiterreichende Reisewarnung geplant, sich dann aber für die abgeschwächte Form des Reisehinweises entschieden. Dieser gilt bis zum 11. Januar 2011. In Europa halten sich Hunderttausende Amerikaner auf, darunter Touristen, Studenten und Geschäftsleute. Aus versicherungstechnischen Gründen schicken viele amerikanische Universitäten keine Austauschstudenten in Länder, für die eine Reisewarnung gilt.

Deutsche Behörden sehen keine neue Gefahrenlage

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass westliche Geheimdienste möglicherweise eine Reihe von Anschlägen auf Großstädte in Europa verhindert haben. Sie gingen nach SPIEGEL-Informationen von der Nummer drei der Qaida, Scheich Younis al-Mauretani, aus. Dies hat der aus Hamburg stammende deutsche Islamist Ahmad Sidiqi ausgesagt, der seit Wochen von amerikanischen Ermittlern im US-Militärgefängnis Bagram in Afghanistan verhört wird.

Sidiqui hatte ausgesagt, er habe Scheich al-Mauretani im Frühsommer dieses Jahres unter konspirativen Umständen in der pakistanischen Stadt Mir Ali getroffen, gab der Deutsche an. Dabei habe der Scheich über mögliche Anschläge in mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich und Großbritannien, gesprochen. Der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, Osama Bin Laden, habe die Pläne persönlich gebilligt und einen Teil des dafür nötigen Geldes zur Verfügung gestellt.

Unklar ist, wie seriös Sidiqis Aussagen sind. Die US-Behörden halten ihn für glaubhaft, deutsche Ermittler sind bislang zurückhaltend. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, konnte ein deutscher Diplomat am Sonntag erstmals mit dem Terrorverdächtigen in Bagram sprechen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes bestätigte, dass ein Ministeriumsmitarbeiter "Zugang zu einem deutschen Staatsangehörigen hatte, der sich derzeit in Afghanistan in US-Gewahrsam befindet".

Das Bundesinnenministerium reagierte verhalten auf die verschärften Reisehinweise für die Bundesrepublik. Die Bundesregierung sei über das Vorhaben des US-Außenministeriums vorab informiert worden, hieß es in Berlin. Die deutschen Sicherheitsbehörden gingen "allen vorliegenden Hinweisen mit der höchster Intensität nach und überprüfen ständig die gebotenen Sicherheitsmaßnahmen".

Es gebe aber weiterhin keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge in Deutschland, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Derzeit gebe es keinen Anlass für eine Veränderung der Gefährdungsbewertung. Der Reisehinweis des US-Außenministeriums für ganz Europa sei "vor dem Hintergrund der bereits in der vergangenen Woche in den Medien bekanntgewordenen Gefährdungshinweise zu betrachten".

Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin sagte am Sonntag: "Die terroristische Bedrohung existiert und könnte uns jeden Moment treffen." Die Tageszeitung "Le Parisien" zitierte ihn mit den Worten: "Auf der ganzen Welt werden ständig Netzwerke aufgelöst, die sich organisieren, um Anschläge vorzubereiten. Es ist gut für die Franzosen, das zu wissen."

phw/dpa/dapd/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 190 Beiträge
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Seite 1
Barath 03.10.2010
1. Angst!
Habt ihr verstanden? Ihr müsst jetzt alle ganz viel *Angst* haben!
ryul 03.10.2010
2. Los geht's
Es geht los. False Flag wird es jetzt auch wieder tagtäglich in Deutschland geben, hauptsache wir leben in Angst und Schrecken.
stanis laus 03.10.2010
3. Angst- und Panikmache
Garantiert kommt demnächst die Aufforderung der interessierten Seiten, sich intensiver am Kampf gegen den als international eingeschätzten Terrorimus zu beteiligen. Weil der Iran überfallen werden soll.
Berta, 03.10.2010
4. Nu
Zitat von sysopIn Deutschland*wächst das Risiko von Terroranschlägen*- so zumindest schätzen es die amerikanischen und britischen Sicherheitsbehörden ein.*Die Washington und London mahnen ihre Bürger bei Reisen daher zu besonderer Vorsicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720984,00.html
lenkt man nicht wieder ab. Euer Terror geht einem langsam aufm Sack. Das kann man sowieso nicht verhindern. Der Terror durch die Oberkaste ist viel schlimmer.
Awospezi 03.10.2010
5. Na prima....
beide Besatzer des Deutschen Reichs sind sich wieder einig. Na da werden wir auch was erleben. Geschichtsfälscher Nummer 1 unter einem Hut. Arme BRG GMBH. Großstädte meiden!
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