Von Björn Hengst
Vorbei scheint die Krise, in der Greenpeace in den neunziger Jahren steckte. In einer Titelgeschichte berichtete der SPIEGEL im September 1991 unter anderem über harte Konkurrenzkämpfe, autoritäre Leitungsstrukturen und Verunsicherung bei den Regenbogenkämpfern. Damals tobte auch ein Kampf um die Frage, ob die Organisation allein auf ihre Protesthaltung setzen oder auch konkrete Vorschläge für ein umweltschonenderes Leben entwickeln soll. Wegen fehlender Konzepte bunkerte allein Greenpeace Deutschland damals 60 Millionen Mark auf Festgeldkonten. Langfristige Konzepte seien "nicht mal angedacht", kritisierte damals der Umweltwissenschaftler Wolfgang Zängl. Er hatte seinen Job als Bereichsleiter für Energie und Atmosphäre bei Greenpeace Deutschland nach nur sechs Monaten hingeworfen.
Zängl war damals auch frustriert über die "schonungslose Filterung von Informationen, die nach außen gehen". So hält es die Organisation bis heute. Dem Besucher werden gern bunte Broschüren mit den Greenpeace-Erfolgen der vergangenen Jahre mit auf den Weg gegeben - aber wenn Journalisten nach einem Termin im Hamburger Deutschland-Büro fragen, bittet Greenpeace bereits vor dem Treffen um eine schriftliche Bestätigung, dass mögliche Zitate zur Autorisierung vorgelegt werden.
Später bot Greenpeace Lösungsmodelle an, teilweise in Zusammenarbeit mit der Industrie. So entwickelten die Umweltschützer 1992 einen Kühlschrank, der auf ozonschädliches FCKW und klimaschädliches FKW verzichtete, gebaut wurde er von einer sächsischen Firma. 1996 folgte der "Smile", ein serienreifes 3-Liter-Automobil. Seit Anfang 2000 bietet Greenpeace Energy in Deutschland Ökostrom an und beliefert damit inzwischen 95.000 Kunden.
"Jeder kann die Welt verändern"
Misserfolge? Die Vokabel gehört nicht zum offiziellen Vokabular der Umweltschützer, bestenfalls "Enttäuschungen" räumt man ein. Die Auseinandersetzung mit dem Energiekonzern Shell um die Öltank- und Verladeplattform "Brent Spar" im Jahr 1995 feiern die Umweltschützer in Broschüren als "Ausnahme-Aktion" - schreiben aber kein Wort dazu, dass sie damals mit falschen Angaben zu Ölmengen und Schadstoffen ihrer eigenen Glaubwürdigkeit schadeten. Greenpeace hatte damals erfolgreich gegen die Pläne von Shell protestiert, die "Brent Spar" im Meer zu versenken, Shell entschied sich für eine Entsorgung an Land.
Auch die Kopenhagener Klimakonferenz Ende 2009 dürfte zu den Enttäuschungen gehören. Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International, hatte ein "faires, ehrgeiziges und bindendes Abkommen" gefordert, aber der Gipfel geriet zur Farce.
Überhaupt hat Greenpeace offenbar Schwierigkeiten, sich auf dem Feld des Klimaschutzes zu profilieren. Al Gore sorgte mit seinem Film "Eine unbequeme Wahrheit", einer Dokumentation zum Klimawandel, weltweit für Aufsehen. Greenpeace tut sich dagegen schwer: Die "Wirtschaftswoche" veröffentlichte im April 2009 eine Umfrage, wonach nur ein Prozent der Deutschen die Ökokämpfer spontan mit dem Klimaschutz verbinden - obwohl es eines ihrer Kernthemen ist.
Das Thema sei "schwierig zu vermitteln", sagt Jörg Feddern, Biologe bei Greenpeace. Künftig wollen die Ökokämpfer beim Klimaschutz wieder in die Offensive kommen. Für eine stärkere Breitenwirkung wolle man "den Otto-Normalverbraucher erreichen", sagt Kommunikationschef Pauli.
Möglicher Slogan für die Kampagne: "Jeder kann die Welt verändern".
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