Rekordtief SPD stürzt ab - nur noch 20 Prozent

Debakel nach Linksflirt und Hessenchaos: Die SPD ist binnen kürzester Zeit in der Wählergunst abgestürzt. Der neuen Forsa-Umfrage zufolge sinkt die Partei im Wochenschnitt auf den Minusrekord von 23 Prozent - zum Ende der vergangenen Woche stürzten die Werte sogar noch weiter ab.


Hamburg - Noch vor drei Wochen sah es halbwegs rosig aus für die SPD: In der Woche vom 11. bis 15. Februar hätten 29 Prozent der Deutschen laut einer Forsa-Umfrage für die Zeitschrift "Stern" die Partei wählen mögen. Nun, knapp einen Monat und diverse Querelen später, sind die Werte auf einen bitteren Tiefpunkt gesunken. Demnach lag die Zustimmung in der vergangenen Woche im Durchschnitt nur noch bei 23 Prozent - ein historisch niedriger Stand, ein Punkt unter dem der Vorwoche.

Parteichef Beck: Zustimmung auf Rekordtief
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Parteichef Beck: Zustimmung auf Rekordtief

Dass die SPD ein Problem hat, zeigt sich laut "Stern" vor allem beim Vergleich der Tageswerte. Im Verlauf seien ihre Werte von Tag zu Tag gesunken, ergibt die Einzelauswertung (bei täglich je 500 Befragten). Am Freitag kam die Partei demnach nur noch auf 20 Prozent. Es war der Tag, an dem Andrea Ypsilanti ihre Pläne, sich mit Hilfe der Linken zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen, aufgeben musste - wegen des Widerstandes der Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger.

Der erste Knick in der Kurve lässt sich in der Woche nach der Hamburger Bürgerschaftswahl verzeichnen: Am 25. Februar hatte die SPD auf Initiative des Parteichefs Kurt Beck entschieden, Bündnisse mit der Linkspartei auch in den westlichen Bundesländern nicht mehr auszuschließen.

Zu den Gründen des Absturzes zitiert der "Stern" Forsa-Chef und Beck-Kritiker Manfred Güllner. "Die Leute reagieren sehr sensibel auf das, was in der SPD derzeit passiert, die spüren: Da stimmt was nicht", sagte er.

"Beck ist ratlos"

Güllner hatte schon gestern der "Wetzlarer Neuen Zeitung" gesagt, die Krise der SPD sei nur mit einem Rückzug des Parteivorsitzenden Kurt Beck lösbar. Dessen Berliner Auftritt am Montag sei kein Befreiungsschlag gewesen, zitierte ihn die Zeitung. "Er sieht nicht ein, dass er ratlos ist. Und dass er nicht weiß, wie er die Partei aus der Krise führen kann."

Drei Viertel der SPD-Anhänger seien gegen Beck als Kanzlerkandidat im Jahr 2009, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts. Außenminister und SPD-Vizechef Frank-Walter Steinmeier sei der bessere Kandidat, davon sei auch die Mehrheit der SPD-Wähler überzeugt. "Beck ist der Garant dafür, dass die SPD die Bundestagswahl 2009 verliert." Die Partei stecke in einer tiefen Vertrauenskrise, aus der sie nur herauskomme, wenn sie sich von wahltaktischen Aspekten löse, sagte Güllner.

Neuwahlen in Hessen würden nach Überzeugung des Forsa-Chefs derzeit vor allem Ministerpräsident Roland Koch und seiner CDU nützen, da sie ihre Anhänger mobilisieren könnten. Die SPD-Anhänger würden hingegen zu Hause bleiben und den ohnehin schon hohen Nichtwähleranteil erhöhen.

ffr/dpa



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