Von Christoph Ruf
Nur so viel. Ihn störe es ungemein, dass "Werte" so häufig mit "christlichen Werten" gleichgesetzt würden. Als ob jeder Buddhist, Jude oder Atheist raubend und brandschatzend durch die Fußgängerzone renne. Auch die Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese habe sich gegen den Verband ausgesprochen mit der Behauptung, der Laizismus widerspreche Teilen des SPD-Programms. Lösch findet das eine Unverschämtheit. Die Werte der SPD sind ihm heilig. Heiliger jedenfalls als die einer Religion, an die er nicht glaubt: "Leute wie Kerstin Griese oder auch Andrea Nahles fordern immer Pluralismus: Bei Frauenrechten, bei Homosexualität - und das natürlich zurecht. Aber bei der Frage, die wir aufs Tableau bringen, geht bei ihnen die Mauer hoch. Aber ob man den Kampf für eine gerechtere Gesellschaft religiös oder humanistisch begründet, sollte doch zweitrangig sein."
Steuerprivilegien der Kirche
Lösch und seine Mitstreiter glauben, dass sie in bester Übereinstimmung mit den Werten der Partei liegen. Und dass sie einen Weg aufzeigen, mit dem der Staat Geld sparen kann, das andernorts fehlt. Immer wieder hat er in den vergangenen Jahren gehört, dass Sinnvolles nicht finanzierbar sei, vor allem im sozialen Bereich. "Wie kann es da sein, dass sich ein Staat zu unbefristeten Zahlungen an eine private Organisation verpflichten kann?" fragt er.
500 Millionen Euro jährlich erhielten die Kirchen allein an Staatsleistungen und Donationen. "Bischof Mixas Pension wird vom Staat bezahlt: Ja, wer will das denn?" Überhaupt werde die Kirche privilegiert. "Die Kirchen zahlen keine Gewerbesteuer, keine Grundsteuer, keine Kapitalsertragssteuer, sie bekommen kostenlose Sendezeiten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Staat treibt ihnen die Steuern ein, stellt die Infrastruktur für den konfessionellen Religionsunterricht."
Lösch kann es nicht fassen. Irgendwo hat er gelesen, dass der gesamte Etat der katholischen Kirche Frankreichs so hoch sei wie der des Bistums Speyer. Auf etwa 19 Milliarden Euro belaufen sich insgesamt die direkten und indirekten staatlichen Subventionen für die Kirche, sagt er. Und es solle bloß keiner damit kommen, die Kirche tue damit doch so viel Gutes: Nur acht Prozent des Kirchensteueraufkommens werde für soziale Zwecke ausgegeben, sagt Lösch.
"In einer multikulturellen Gesellschaft muss es verbindliche Regeln geben"
Wenn er aus dem Fenster schaut, sieht er eine sehr hohe Mauer, darüber den Glockenturm. Löschs Eltern wohnen direkt gegenüber der Kirche in Ramberg, einem 1000-Einwohner Dorf im Süden der Pfalz. "950 von 1000 Einwohnern sind hier katholisch", sagt er, "40 Protestanten gibt es, und vielleicht zehn Leute wie mich, die gesagt haben, nein danke, ich trete jetzt aus. Man kennt es nicht anders. Und die Oma wäre sauer, wenn man die Kirche verlässt."
Aber jetzt ist Schwung in die Sache gekommen, findet Oliver Lösch: "Die Proteste gegen Stuttgart 21 haben gezeigt, dass die Leute immer selbständiger denken, sich von den vermeintlichen Autoritäten nichts mehr vorschreiben lassen wollen."
Konfliktfrei verliefen die Diskussionen bei den Landauer Jusos übrigens trotz des gemeinsamen Anliegens nur selten. Lösch möchte, dass in den Schulen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gilt - und kein religiöses Gebot. Kein biblisches. Und auch nicht der Koran. Deswegen ist er gegen Home-Schooling und gegen Bibelschulen, die nach US-Vorbild verbreiten, dass die Erde erst ein paar tausend Jahre alt sei. Darauf konnten sich alle Landauer Jusos verständigen.
Lösch findet aber auch, dass muslimische Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen sollten - da wurde ihm von manchem jungen Genossen Intoleranz vorgeworfen. Lösch ist da kategorisch. "In einer multikulturellen Gesellschaft muss es verbindliche Regeln für alle geben, sonst haben wir wirklich den Kulturkampf. Wir leben in einer Republik. Deren Gesetze gelten. Und sonst keine."
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