Religionsstreit: Drewermann kritisiert Islamgipfel beim Papst

Der Kirchenkritiker Eugen Drewermann hat schwere Vorwürfe gegen den Papst erhoben. Auch nach dem Treffen von Benedikt XVI. mit Vertretern muslimischer Länder gebe es keinen Wandel im Dialog mit dem Islam. Die Audienz sei nur ein diplomatischer Trick gewesen.

Münster - "Der Papst setzt sich hin und liest ein Papier vor - das ist doch kein Dialog", sagte Drewermann heute der Nachrichtenagentur dpa. Bislang gebe es von Seiten des Vatikans nichts als diplomatische Gesten und Tricks. "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Papst als einer unter gleichen zwischen Muslimen gesessen hat, um zuzuhören."

Drewermanns Vorwurf: "Nichts als Gesten und Tricks"
AP

Drewermanns Vorwurf: "Nichts als Gesten und Tricks"

Drewermann warf Benedikt XVI. vor, das umstrittene Zitat seiner Rede in Regensburg mit Bedacht gewählt zu haben. "Mohammed wollte nie etwas Neues bringen", sagte Drewermann. Vielmehr sei der Islam ein "Reformangebot an die dogmatischen Verknöcherungen der Kirche".

Viel zu oft werde nach Ansicht Drewermanns den Muslimen - auch hier in Deutschland - mit erhobenem Zeigefinger begegnet und erklärt, was sie zu tun und zu lassen hätten. "Diese Arroganz macht mich wütend", sagte er. Der Islam sei in den vergangenen Jahren vor allem von den USA als "Ersatzattrappe für das Sowjet-Imperium" aufgebaut worden. "Man will den Kulturkampf", sagte Drewermann. So wertete er den Libanon-Krieg als eine "Testreihe" dafür, ob es möglich sei mit Bombardements auch Iran zu besiegen. "Gott sei Dank ist das schief gegangen", sagte der Theologe.

Der Pontifex hatte einen byzantinischen Kaiser mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert habe verbreiten lassen wollen. Nach Protesten in der islamischen Welt hatte Benedikt XVI. mehrmals bedauert, dass seine Äußerungen missverstanden worden seien.

ler/dpa

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