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Rent a Rüttgers: Neue Sponsoring-Details belasten Parteitag der NRW-CDU

Bei ihrem Parteitag will die NRW-CDU neue Kräfte für den Wahlkampfendspurt sammeln. Doch erneut rückt die umstrittene Sponsoring-Praxis in den Blickpunkt. Bis zuletzt lockte die Partei nach SPIEGEL-Informationen Unternehmen mit Ministerfotos - und verkaufte Anzeigen für hohe Summen.

Ministerpräsident Rüttgers: Schöne Grüße an die Kunden Zur Großansicht
ddp

Ministerpräsident Rüttgers: Schöne Grüße an die Kunden

Berlin - Die Kanzlerin ist da, ein Programm wird verabschiedet, und ein neuer Generalsekretär installiert - es geht feierlich zu beim Landesparteitag der nordrhein-westfälischen CDU an diesem Samstag in Münster. Es gilt, Kräfte zu sammeln für die letzten Wahlkampfwochen. Denn die Macht an Rhein und Ruhr steht auf der Kippe, seit die Affäre um verkaufte Gespräche Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in Bedrängnis brachte.

Doch ausgerechnet zum wichtigen Parteitag rückt die umstrittene Sponsoring-Praxis abermals in den Blickpunkt. Grund ist ein SPIEGEL-Bericht, wonach Nordrhein-Westfalens CDU in der Vergangenheit Einladungen an potentielle Sponsoren ihres Parteitags verschickte, in denen die Unternehmen ankreuzen konnten, mit welchem CDU-Regierungsmitglied sie sich am Firmenstand fotografieren lassen möchten.

Unter der Überschrift "Fotowunsch am Präsentationsstand" konnten die umworbenen Firmen ihr Kreuzchen hinter den Namen von mehreren Landesministern der CDU machen. Ganz oben auf der Liste stand "Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers MdL" zur Auswahl. Des Weiteren konnten Fotowünsche mit den Ministern Armin Laschet, Christa Thoben, Eckhard Uhlenberg sowie den damaligen Ministern Andreas Krautscheid und Oliver Wittke beantragt werden. Auf deren Funktion als Minister im Landeskabinett wurde jeweils ausdrücklich hingewiesen. Unter der Liste erfolgte der Hinweis: "Das im Mietvertrag vereinbarte Entgelt ist auch dann zu zahlen, wenn ein Fototermin kurzfristig abgesagt werden muss bzw. nicht zustande kommt." Inzwischen hat die Partei die Ankreuz-Option aus ihrem Anschreiben entfernt.

Trotzdem dürften die Details neue Fragen aufwerfen. Dabei war in der NRW-CDU gerade erst wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt. Die SPIEGEL-Enthüllung vor vier Wochen, dass die Christdemokraten in Düsseldorf ihren Parteitagssponsoren "Einzelgespräche" mit Ministerpräsident Rüttgers gegen einen Aufpreis angeboten hatte, richtete schweren Schaden an. Um beim Wähler wieder zu punkten, entschieden sich die Parteistrategen dazu, in den verbleibenden Wochen bis zur Landtagswahl am 9. Mai ein wenig auf Distanz zur Bundesregierung in Berlin zu gehen.

Jetzt tauchen neue Probleme auf, nicht nur die Fotos. Zum System des kreativen Sponsorings gehört nach SPIEGEL-Informationen zudem, dass sich nach den Veranstaltungen ein externer Verkäufer bei den Sponsoren meldet, um Anzeigen für das Mitgliedermagazin "Bei uns in NRW" zu verkaufen - zu hohen Preisen. Für eine doppelseitige Anzeige in dem Blättchen verlangt die Partei einer internen Preisliste zufolge 17.900 Euro, eine Seite ist für 11.980 Euro zu haben. Das Entree bildet ein Brief des Landesvorsitzenden Rüttgers, der darin für den Kauf von Inseraten wirbt. "Ich bedanke mich schon jetzt herzlich für Ihr Engagement", heißt es am Ende des Schreibens. Auf den Brief folgt in der Regel ein Anruf des Anzeigenverkäufers, der erst mal "schöne Grüße von Herrn Rüttgers" bestellt, bevor es dann um die konkreten Aufträge geht.

Anzeigen in Parteiorganen waren schon früher als Versuch der verdeckten Parteispende in die Kritik geraten, vor allem, wenn die Anzeigen nicht zu marktüblichen Preisen verkauft wurden.

vme

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Rent a Rüttgers
bristolbay 20.03.2010
Schade, dass eine Zeitung wie Spiegel immer nur auf den besten Ministerpräsidenten NRWs rumhackt. Haben Sie denn nichts Wichtigeres zu tun. Während sich Herr Rüttgers für/gegen Kopfpauschale, für/gegen Steuerreform, für/gegen Hotel, hauptsache immer für/gegen, täglich aufreibt, hauen Sie immer auf unseren Landesvater "rauh" drauf. Ich habe den Eindruck, dass Sie die Geschäftstüchtigkeit der CDU neiden, es ist doch eine verkäuferische Leistung, qm-Preise für Stände zu verkaufen, die um ein mehrfaches über den Preisen der Messegellschaften in Köln und Frankfurt liegen. Warum schaffen Sie es nicht, Ihre Anzeigenpreise, gerechnet pro Kopf Leser, in ähnlichen Höhen zu bekommen. Dann könnte man endlich den Spiegel auch für viel weniger Geld am Kiosk kaufen. Ich freue mich schon auf den 10. Mai, dann gibt es für die freie Wirtschaft endlich fähige Manager für den Verkauf.
2. Werbeflächen
genugistgenug 20.03.2010
Zitat von sysopBei ihrem Parteitag will die NRW-CDU neue Kräfte für den Wahlkampf-Endspurt sammeln. Doch erneut rückt die umstrittene Sponsoring-Praxis in den Blickpunkt. Bis zuletzt lockte die Partei nach SPIEGEL-Informationen Unternehmen mit Ministerfotos - und verkaufte Anzeigen für hohe Summen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,684770,00.html
die Politiker sollten endlich konsequent sein und die Anzüge mit Werbeflächen schmücken. Dann sieht man wenigstens wer bezahlt hat. * In der Steigerung könnte man die notwendigen Gesetze dann zu Gunsten der Staatskasse auch versteigern - statt gegen Spenden an einzelne Parteien. * ich bin gespannt wieviel die Fläche an der verlängerten Rückseite einbringt? Da sieht man wenigstens gleich wessen Werbung für den A..... ist.
3. Quittungen
buntesmeinung 20.03.2010
Zitat von sysopBei ihrem Parteitag will die NRW-CDU neue Kräfte für den Wahlkampf-Endspurt sammeln. Doch erneut rückt die umstrittene Sponsoring-Praxis in den Blickpunkt. Bis zuletzt lockte die Partei nach SPIEGEL-Informationen Unternehmen mit Ministerfotos - und verkaufte Anzeigen für hohe Summen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,684770,00.html
Hoffentlich bekommen diese Unverbesserlichen mehr "Quittungen" als sie ausstellen können!!!
4. Das erinnert mich an ein Angebot
Kampfbuckler, 20.03.2010
das ich mal im Internet bekam.Die baten mir ein Werbefoto als eindrucksvollen Beischläfer an einschließlich Beischläferin und professionellen Fotografen.vielleicht interessanter für wichtige Kontakte als eines mit den NRW-Ministern for rent
5. ...
Joachim Baum 20.03.2010
Zitat von bristolbaySchade, dass eine Zeitung wie Spiegel immer nur auf den besten Ministerpräsidenten NRWs rumhackt. Haben Sie denn nichts Wichtigeres zu tun. Während sich Herr Rüttgers für/gegen Kopfpauschale, für/gegen Steuerreform, für/gegen Hotel, hauptsache immer für/gegen, täglich aufreibt, hauen Sie immer auf unseren Landesvater "rauh" drauf. Ich habe den Eindruck, dass Sie die Geschäftstüchtigkeit der CDU neiden, es ist doch eine verkäuferische Leistung, qm-Preise für Stände zu verkaufen, die um ein mehrfaches über den Preisen der Messegellschaften in Köln und Frankfurt liegen. Warum schaffen Sie es nicht, Ihre Anzeigenpreise, gerechnet pro Kopf Leser, in ähnlichen Höhen zu bekommen. Dann könnte man endlich den Spiegel auch für viel weniger Geld am Kiosk kaufen. Ich freue mich schon auf den 10. Mai, dann gibt es für die freie Wirtschaft endlich fähige Manager für den Verkauf.
Die "Geschäftstüchtigkeit" der CDU ist hinlänglich bekannt, nur mit dem Regieren hapert's derzeit ein bisschen :-) Ein klein wenig sollte Der Spiegel sich doch von preiswerteren, auflagenstärkeren aber mit weniger Buchstaben auskommenden Presseorganen unterscheiden, oder? :-))
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