Längeres Arbeiten Drei Flügel der CDU werben für Flexi-Rente

Mehrere CDU-Organisationen setzen sich dafür ein, dass Arbeitnehmer länger im Beruf bleiben. Für den Vorstoß haben sich die Alten, die Jungen und die Wirtschaftsvertreter der Partei zusammengetan.

Rentner beim Spaziergang: Wer länger arbeitet, soll bessere Bedingungen erhalten
DPA

Rentner beim Spaziergang: Wer länger arbeitet, soll bessere Bedingungen erhalten


Berlin - Es geht um bessere Bedingungen für Menschen, die auch im Rentenalter noch arbeiten möchten - oder müssen. Ihnen widmen sich die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung, die Senioren-Union und die Junge Union in einem gemeinsamen Positionspapier. "Die Erkenntnis, dass wir künftig auch ältere Arbeitskräfte benötigen, ist gereift", heißt es in dem Schreiben, über das die dpa berichtet. Zuletzt hatte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, für eine Rente mit 70 auf freiwilliger Basis plädiert.

Die drei Organisationen fordern: "Wir müssen jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen, um die drohenden Folgen des demografischen Wandels einzudämmen." So solle es einen "Flexi-Bonus" für beschäftigte Rentner geben. Der Rentenversicherungsbeitrag, den Arbeitgeber auch für Mitarbeiter im Rentenalter zahlen müssen, solle die Rente des Betroffenen künftig erhöhen - anders als bisher. "Konkret soll dieser Beitrag jährlich auf die laufende Rentenzahlung als Zuschlag aufgestockt werden." Die Mittelstandsvereinigung hatte diesen Vorschlag bereits im Herbst gemacht.

Zudem fordern die drei CDU-Flügel nun eine Abschaffung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Ältere und einen deutlich flexibleren Übergang auch in die Beamten-Pension. "Bund und Länder sollten eine Weiterbeschäftigung von Beamten im Einvernehmen zwischen dem Dienstherren und dem Beamten uneingeschränkt ermöglichen." Derzeit verhandelt eine Koalitionsarbeitsgruppe über flexiblere Übergänge in die Rente. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, vor der Sommerpause werde das Vorhaben finalisiert.

Anreize für längeres Arbeiten

Carsten Linnemann, der Chef des CDU/CSU-Wirtschaftsflügels, sagte der dpa, die Idee der Flexi-Rente finde auch in den eigenen Reihen immer mehr Unterstützung. "Wichtig ist, dass man jetzt nicht nur an die Rentner, sondern auch an die Pensionäre denkt." Otto Wulff, der Vorsitzende der CDU-Senioren-Union, betonte: "Ältere Menschen müssen selbstverständlich die Freiheit haben, selbst zu entscheiden, wie lange sie über den regulären Renteneintrittstermin hinaus arbeiten wollen." Alles andere wäre seiner Ansicht nach Altersdiskriminierung.

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, forderte Anreize für längeres statt für kürzeres Arbeiten. "Ältere Arbeitskräfte mit Erfahrung dürfen nicht länger aufs Abstellgleis geschoben werden", sagte er der dpa. "Vor dem Hintergrund des bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangels ist ihr Fachwissen unerlässlich."

ler/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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marthaimschnee 08.01.2015
1.
"Ältere Arbeitskräfte mit Erfahrung dürfen nicht länger aufs Abstellgleis geschoben werden" Ü60 Beschäftigung ca 25% Ü63 ca 15% Die Erfahrung Älterer wird ganz offensichtlich nicht gebraucht. Und ich bin mir sicher, viele würden bis zum regulären Renteneintritt arbeiten, wenn man ihnen altersgerechte Arbeitsplätze, eine vernünftige Bezahlung und vor allem eine vernünftige Arbeitszeit anbieten würde. Solange die Arbeitgeberseite da aber keinerlei Kompromissbereitschaft zeigt, zB über 60 Jährige auch mit 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche mit einem auskömmlichen Gehalt auszustatten, fühlt sich niemand wirklich gebraucht, geschweige denn händeringend gesucht wird!
vielflieger_1970 08.01.2015
2. Hintertür zur Rentenkürzung
Mehr ist das nicht. Erst wird die Jahreszahl freiwillig erhöht, dann die Rente so eingekürzt, dass faktisch jeder bis zum Grab buckeln muss! Und die feinen Damen und Herren Politiker, die in ihrem Leben noch nie real gearbeitet haben, bekommen nachher einen schönen Posten bei einem Verband oder als Lobbyist. Tollhaus Deutschland!
jayram 08.01.2015
3. Der Beitrag entbehrt der Realität
des Arbeitsmarktes. Habe mich lang genug in der IT Branche als Online-Redakteur um einen neuen Job bemüht, wurde kurz vor der Rente gekündigt da mein alter Abeitgeber kurz vor der Insolvenz stand. Gute Zeugnisse und in den letzen 5 Jahren kaum krank habe ich nach ca. 150 Bewerbungen aufgegeben. Die Politik lügt sich selber in die Tasche. Keiner will ältere Arbeitnehmer neu einstellen. Bei der CDU träumt man mal wieder.
n.a.i.s 08.01.2015
4. Ich kann
Zitat von jayramdes Arbeitsmarktes. Habe mich lang genug in der IT Branche als Online-Redakteur um einen neuen Job bemüht, wurde kurz vor der Rente gekündigt da mein alter Abeitgeber kurz vor der Insolvenz stand. Gute Zeugnisse und in den letzen 5 Jahren kaum krank habe ich nach ca. 150 Bewerbungen aufgegeben. Die Politik lügt sich selber in die Tasche. Keiner will ältere Arbeitnehmer neu einstellen. Bei der CDU träumt man mal wieder.
Ihnen hier nicht grundsätzlich zustimmen. Ihr Fall ist auf Grund Ihrer Branche, in der sehr viele junge Arbeitnehmer arbeiten, ein anderer, als die gemeinten. In Ihrer Branche besteht heute noch kein Fachkräftemangel. Zunächst mal finde ich den Ansatz gut, dass jeder Mitarbeiter freiwillig länger arbeiten dürfen soll. Die Betonung liegt natürlich auf Freiwillig, und eine entsprechend steigende Rente muss dann auch die Folge sein. Auf der anderen Seite wird diese Möglichkeit natürlich nur den Menschen offen stehen, wenn ihr jeweiliger Beruf mit einem Fachkräftemangel einhergeht.
undnocheiner 08.01.2015
5. Was versteht man unter Arbeit ?
Es ist wohl ein himmelweiter Unterschied,wenn jemanden auf dem Bürostuhl sitzt,oder echte körperliche Arbeit verrichtet,wenn man schon längere Arbeitszeit fordert,sollte man das mit als erstes klären, dass aber will man nicht. Menschen die 40/45 Jahre körperlich gearbeitet haben,erbringen keine adäquate Leistung mehr. Genauso stellt sich auch die Frage nach der Leistung,was ist Leistung ?,wie will,oder kann man die definieren. Es wird Zeit,dass man diese Kriterien ein mal abklärt und nicht mit hohlen Phrasen,wie die Menschen müssten länger arbeiten daher kommt. Eine weiter Frage stellt sich und davor drückt sich die Politik,wo oder wer soll die Produkte alle kaufen und haben wir denn die Resourcen dafür,wenn man schon seit Jahren davon spricht,dass das Öl zu Ende,oder ist das alles nur Marktmanipulation,dass Geschäft mit der Angst ?
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