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28. Mai 2010, 06:36 Uhr

Renten-Empfehlung aus Brüssel

EU-Bürger sollen länger arbeiten

Die Arbeitnehmer in den EU-Staaten sollen länger arbeiten und später in Rente gehen, empfiehlt die EU-Kommission laut einem Zeitungsbericht. Sonst drohe eine "schmerzhafte Kombination aus geringeren Zahlungen und höheren Beiträgen". Der Vorschlag aus Brüssel: Das Rentenalter regelmäßig weiter anheben.

Hamburg - Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten eine deutliche Verlängerung der Lebensarbeitszeit, berichtet die "Financial Times Deutschland". Demnach soll das Renteneintrittsalter regelmäßig so angehoben werden, dass durchschnittlich nicht mehr als ein Drittel des Erwachsenenlebens im Ruhestand verbracht werde.

Ohne ein höheres Rentenalter drohe eine "schmerzhafte Kombination aus geringeren Zahlungen und höheren Beiträgen", zitiert die Zeitung aus einem Entwurf für ein Rentenpolitik-Grünbuch der Kommission. Nach den Berechnungen der EU-Kommission liege das reale Renteneintrittsalter derzeit im Durchschnitt der Union nur knapp über 60 Jahre. Das ist deutlich niedriger als das Renteneintrittsalter im Durchschnitt der Industrieländer, die in der OECD organisiert sind: Hier liegt es bei Männern bei 63,5 und bei Frauen bei 62,3 Jahren.

Damit kommen in der EU schon heute auf jeden Rentner nur drei aktiv Beschäftigte. Im Jahr 2030 würde das Verhältnis bei unverändertem Renteneintrittsalter auf zwei Aktive pro Rentner sinken, und 2060 hätten die Rentner die Mehrheit - drei Aktive müssten für vier Pensionäre sorgen.

Eine längere Lebensarbeitszeit und eine höhere Beteiligung am Erwerbsleben könnte diesen Effekt abmildern, heißt es in dem Papier. Bereits 2005 hatten die EU-Staaten sich vorgenommen, das reale Rentenalter auf 65 zu steigern. Die EU will in ihrer Strategie 2020 außerdem das Ziel festlegen, dass 75 Prozent der 18- bis 65-Jährigen am Erwerbsleben teilnehmen.

In dem Entwurf wird darauf verwiesen, dass derzeit rund ein Drittel des Lebens über 18 in der Rente verbracht wird. Um diesen Anteil stabil zu halten, sei es eine "vielversprechende Option", das Renteneintrittsalter automatisch an die längere Lebensdauer anzupassen. Die Kommission schätzt, dass die Europäer im Jahr 2060 etwa sieben Jahre länger leben als heute. Demnach müsste das Renteneintrittsalter um vier Jahre und acht Monate verschoben werden - von den heute angestrebten 65 auf knapp 70 Jahre. In Deutschland wird von 2012 bis 2030 in kleinen Schritten die Rente mit 67 eingeführt, die Verlängerung könnte danach einfach fortgeschrieben werden. Den dringendsten Reformbedarf gibt es derzeit in Frankreich: Dort gehen Männer mit durchschnittlich 58,7 Jahren in Rente, dem niedrigsten Wert in der EU und OECD.

otr

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