Votum des Bundestags Bundeswehr bleibt für Beratungseinsatz in Afghanistan

Der verlustreichste Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr geht zu Ende, aber eine neue Mission in Afghanistan schließt sich an: 850 Soldaten bleiben im Land um Sicherheitskräfte vor Ort zu beraten - eine Mission, die trotzdem gefährlich ist.

Bundeswehrsoldaten (im Dezember 2013): Gefährliche Anschlussmission
DPA

Bundeswehrsoldaten (im Dezember 2013): Gefährliche Anschlussmission


Berlin - Auch nach dem Ende ihres 13-jährigen Kampfeinsatzes in Afghanistan bleibt die Bundeswehr mit bis zu 850 Soldaten in dem Krisenland. Der Bundestag beschloss mit 79,8 Prozent der abgegebenen Stimmen die deutsche Beteiligung an der neuen Ausbildungsmission "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung). Zum Jahreswechsel ersetzt sie den Nato-Kampfeinsatz Isaf, an dem sich zeitweise mehr als 5000 deutsche Soldaten beteiligt hatten.

Gefährlich bleibt es für die Bundeswehr trotzdem. Ihre Hauptaufgabe wird zwar die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte sein. Die deutschen Soldaten sollen aber auch für die Sicherung, den Schutz und die Evakuierung militärischer und ziviler Kräfte eingesetzt werden können. Dafür sollen auch Spezialkräfte bereit stehen.

"Es ist kein Kampfeinsatz mehr", betonte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aber. Der Linken-Politiker Jan van Aken nannte das eine Lüge. Seine Fraktion lehnte den Einsatz ebenso ab wie die Mehrheit der Grünen-Abgeordneten. Tom Koenigs etwa sagte, er glaube nicht, dass der neue Einsatz die Sicherheit in Afghanistan verbessern werde. Alleine in diesem Jahr wurden bis Mitte November rund 6000 afghanische Sicherheitskräfte und rund 3000 Zivilisten in dem Konflikt mit den radikalislamischen Taliban getötet.

Bundeswehr kann Abzugszeitplan nicht einhalten

An dem neuen Nato-Einsatz werden insgesamt etwa 12.000 Soldaten aus 40 Ländern teilnehmen. Die USA werden davon voraussichtlich knapp 9000 stellen. Weitere 1800 Soldaten lassen sie für den Anti-Terror-Kampf am Hindukusch. Zu Hochzeiten des Einsatzes 2011 waren insgesamt 140.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert.

Die Bundeswehr wird bei dem neuen Einsatz wieder eine Führungsaufgabe in Nordafghanistan haben, wo sie weiter das Feldlager in Masar-i-Scharif betreibt. 200 der 850 deutschen Soldaten werden in der Hauptstadt Kabul stationiert sein. Das Mandat ist auf ein Jahr begrenzt. Der Einsatz soll aber mindestens zwei Jahre dauern - wann der letzte deutsche Soldat das Land verlässt, ist unklar.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE musste die Bundeswehr schon kurz vor der Abstimmung im Bundestag eine erste Panne bei der neuen Trainingsmission eingestehen. So kann die Truppe die monatelang geschmiedeten Zeitpläne zum Rückzug aus Afghanistan nicht einhalten. Etwas kleinlaut gestand das Haus von Ministerin Ursula von der Leyen am Mittwochabend ein, dass man in den ersten Wochen des Jahres 2015 deutlich mehr Soldaten als angepeilt am Hindukusch belassen muss.

Konkret werde die per Bundestagsmandat festgesetzte Zahl von maximal 850 Soldaten für die Mission "Resolute Support" im Januar um gut 210 Soldaten "temporär" überschritten. Grund für den verspäteten Abzug der Soldaten sei die kurzfristige Planung, da das Truppenabkommen für die Mission so spät unterschrieben wurde. Folglich kämen georgische Soldaten, die in Zukunft das Camp in Masar-e-Scharif schützen sollen, erst dieser Tage an und müssten "zeitintensiv" eingewiesen werden.

Der Afghanistan-Einsatz war der verlustreichste in der Geschichte der Bundeswehr - 55 deutsche Soldaten starben am Hindukusch, 35 davon wurden bei Anschlägen oder in Gefechten getötet.

anr/mgb/Reuters/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leser1000 18.12.2014
1. Good luck der BW!
Logisch bleibt der Einsatz gefährlich. Ich hoffe, irgendjemand findet zum Abschluß des Kampfeinsatzes (nicht nur) angemessene Worte. Dank an unser Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz waren. Wenn ein paar Soldaten länger in AFG bleiben, so werden viele Gouverneure nicht böse sein. Manchen geht der Abzug ja sowieso zu schnell. PS: Schon interessant. Angeblich läuft in der BW ja nichts mehr; alles steht irgendwo defekt herum. Trotzdem gibt es wieder eine Führungsaufgabe? Die Wahrheit liegt wohl - wie immer- irgendwo in der Mitte.
bumminrum 18.12.2014
2. Na dann auf
zur nächsten Mission mit Mrd Kosten, Null Ergebnis und neuen Leichensäcken. Schlimm wie die Politik die Soldaten verheizt.
gruenerfg 18.12.2014
3. Unverständnis
Aber das ist doch gefährlich für Afghanistan, sollte die Regierung nicht eigentlich gestärkt werden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.