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09. August 2016, 17:35 Uhr

Rheinland-Pfalz

Festgenommener mutmaßlicher IS-Terrorist soll mit Anschlag auf Bundesligaspiel gedroht haben

Das Landeskriminalamt hat in Rheinland-Pfalz einen Terrorverdächtigen festgesetzt. Laut Innenministerium in Mainz besteht der Verdacht, dass es sich um ein Mitglied der IS-Miliz handele.

Das Innenministerium in Rheinland-Pfalz bestätigt die vorläufige Festnahme eines Terrorverdächtigen. Demnach soll der Mann am vergangenen Freitag in Mutterstadt überprüft und von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei aufgegriffen worden sein.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich bei dem Festgenommen um einen syrischen Asylbewerber. Er sei ins Visier der Fahnder geraten, weil ein Zeuge Hinweise auf eine mögliche islamistisch motivierte Anschlagsplanung gegeben hatte, wird das Ministerium zitiert. Allerdings habe es nach bisherigen Ermittlungen keine konkrete Bedrohungssituation gegeben.

Über das Alter des Verdächtigen gibt es widersprüchliche Angaben: Reuters meldet, der Mann sei 24 Jahre alt. Der Südwestrundfunk (SWR) berichtet über einen 25-Jährigen. Er sei bei der Einreise erkennungsdienstlich behandelt worden, demnach wurden Fingerabdrücke von ihm genommen.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte der Sprecher des Ministeriums, es habe Hinweise auf mögliche Anschlagsplanungen zum Fußballspiel zum Bundesligaauftakt gegeben.

Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, dass es sich um einen hohen Repräsentanten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) handle, wies das Innenministerium in Düsseldorf laut SWR ausdrücklich zurück.

Fotos vom Kampfgeschehen in Syrien

Die ermittelnde Polizei in Duisburg bestätigte die Festnahme. Die Behörde teilte zudem mit, es habe auch eine Wohnungsdurchsuchung stattgefunden.

Der SWR berichtet, der Mann sei zum Zeitpunkt seiner Festnahme nur zu Besuch in Mutterstadt gewesen. Auf seinem Handy und auf seinem Computer hätten die Ermittler zahlreiche Fotos gefunden, die das Kampfgeschehen in Syrien zeigen. Unklar ist laut SWR, ob er sie aus dem Internet heruntergeladen oder selbst gemacht habe.

Die zuständige Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Laut Ministerium wurde ein Haftbefehl beantragt, der Verdächtige befinde sich zurzeit in Untersuchungshaft.

Vor dem Zugriff sei ein Hinweis aus einem Gefängnis in Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen gekommen. Am Einsatz war nach Angaben des Sprechers auch das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz beteiligt.

Im vergangenen Monat war es in Deutschland zu einer Reihe von gewaltsamen Attentaten durch Terroristen gekommen: Am 18. Juli hatte ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan oder Pakistan in einer Regionalbahn bei Würzburg fünf Menschen mit einer Axt schwer verletzt, ehe er von der Polizei erschossen wurde. Knapp eine Woche später sprengte sich ein 27-jähriger syrischer Flüchtling in Ansbach in die Luft und verletzte 15 Menschen. In beiden Fällen fanden die Ermittler Hinweise, dass die Männer IS-Anhänger waren.

vek/syd/dpa/Reuters/AFP

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