TV-Debatte in Rheinland-Pfalz Sieger gesucht - Verlierer gefunden

Bei der letzten TV-Debatte vor den Wahlen in Rheinland-Pfalz bleibt Ministerpräsidentin Dreyer fern - und macht damit als Einzige an dem Abend alles richtig. Die Sendung im Check.

Von Maximilian Gerl

Bülow, Lemke, Lewentz, Klöckner, Wissing, Junge
DPA

Bülow, Lemke, Lewentz, Klöckner, Wissing, Junge


Ausgangslage: Am Sonntag wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Die TV-Runde im SWR ist die letzte Möglichkeit, um unentschlossene Wähler zu mobilisieren. Malu Dreyer (SPD) würde gerne Ministerpräsidentin bleiben, Julia Klöckner (CDU) würde sie gerne ablösen. In der Union gilt Klöckner als Hoffnungsfigur, die einmal Angela Merkel als Kanzlerin beerben könnte, doch dafür muss sie sich am Sonntag beweisen. Lange sah für Klöckner alles nach einem sicheren Sieg aus, dann holte Dreyer in den Umfragen rasant auf. Jetzt ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Besetzung: Die Spitzenkandidaten Klöckner, Eveline Lemke (Grüne), Volker Wissing (FDP), Uwe Junge (AfD) und Jochen Bülow (Linke). Dreyer fehlt. Sie hatte abgesagt, weil der SWR auch die AfD eingeladen hatte. "Diese Menschen sind zu großen Teilen rechtsradikal und rassistisch", begründete sie ihre Entscheidung. Es folgte ein etwas peinliches Hin und Her zwischen allen Beteiligten. Die Lösung: Statt mit Dreyer sollte Klöckner mit dem SPD-Landesvorsitzenden Roger Lewentz streiten, die AfD darf bleiben und der SWR kann die Sendung ausstrahlen. Es moderierten Birgitta Weber und Sascha Becker.

Themen: Neben der Flüchtlingskrise und der AfD ging es um die Überlastung der Polizei, um Wirtschaft und um Windräder.

Die AfD: Gewinnt seit Monaten an Zulauf und war nun zum ersten Mal in einer Elefantenrunde vertreten. Die Teilnehmer versuchten, die Partei zu entzaubern, was nur eingeschränkt gelang. Junge wich kritischen Fragen aus und glaubte eine Kampagne gegen die AfD am Werke. Zu Anfang der Sendung wurde ein Wahlkampfauftritt von ihm eingespielt. "Frau Merkel wird scheitern mit all ihren vaterlandslosen Brandstiftern", ruft Junge dort. Ob er mit solchen Reden nicht Hass schüre, fragten ihn die Moderatoren. Junge: "Nein." Wer die geheimen Geldgeber seien, die die AfD mit Großspenden finanzierten? Berufssoldat Junge: "Wir kennen die Geldgeber nicht, als Offizier können Sie mir das glauben."

Klöckner und Wissing
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Klöckner und Wissing

Wer mit wem: Für Sonntag wird ein knapper Wahlausgang erwartet, entsprechend zurückhaltend flirten die Kandidaten. Die Linken rechnen mit einer großen Koalition. Die FDP würde sich wundern, wären die Grünen nach Sonntag noch in der Regierungsverantwortung. Die Grünen können sich eine Koalition mit Klöckner nur schwer vorstellen. Klöckner wiederum will nicht sagen, ob sie einer Regierung unter Dreyer als Ministerin zur Verfügung stünde. Mit der AfD will niemand koalieren - und die AfD umgekehrt mit niemandem.

Spruch des Abends: Man hatte schon fast vergessen, dass er noch da ist - aber dann wurde Bülow doch eine Frage gestellt. Der Linke war davon selbst überrascht: "Ich dachte schon, Sie hätten mich nur eingeladen, weil ich so gut aussehe."

Verlierer des Abends: Irgendwie alle. Klöckner wirkte bisweilen oberlehrerhaft, außerdem fehlte mit Dreyer die direkte Konkurrentin. Bülow und Wissing kamen selten zu Wort. Lemke und Lewentz hatten viel Redeanteil, mitreißen konnten sie aber nur selten. Junge begegnete Vorwürfen nicht souverän, stattdessen wurde er selbst persönlich, deutete zum Beispiel an, Bülow sei früher vom Verfassungsschutz beobachtet worden. Bülow drohte daraufhin mit einer Unterlassungsklage.

Siegerin des Abends: Dreyer. Ist nicht gekommen und hat damit alles richtig gemacht.

Neuste Umfragen: Gab es nach Ende der Runde. Laut ZDF Politbarometer liegt die SPD mit 36 Prozent jetzt knapp vor der CDU mit 35 Prozent. Die Grünen kämen auf 5,5 und die FDP auf sieben Prozent. Die Linke schaffte den Einzug ins Parlament nicht. Die AfD würde drittstärkste Kraft mit neun Prozent.

Super-Wahlsonntag

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