Umstrittener US-Botschafter Grenell empfängt "Rockstar" Kurz in Berlin

Er ist ein großer Fan des österreichischen Kanzlers Sebastian Kurz - nun veranstaltet US-Botschafter Richard Grenell für ihn sogar ein Mittagessen in seiner Berliner Residenz. Ein ungewöhnlicher Vorgang.

Grenell, Kurz
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Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, veranstaltet nach SPIEGEL-Informationen in der kommenden Woche ein Mittagessen für Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. Der österreichische Regierungschef soll am 12. und 13. Juni zu Gesprächen unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin sein.

Grenell bittet für den 13. Juni um 12.30 Uhr "in honor of his Excellency Sebastian Kurz, Chancellor of the Republic of Austria" in seine Residenz in Berlin-Dahlem zum Mittagessen, wie es auf der Einladungskarte heißt. Eingeladen sind unter anderem auch hochrangige Repräsentanten der Bundesrepublik.

Dass ein Botschafter in Berlin einen ausländischen Regierungschef auf diese Weise würdigt, ist äußerst ungewöhnlich und entspricht nicht diplomatischen Gebräuchen. Der Sprecher der US-Botschaft bestätigte den Termin gegenüber dem SPIEGEL, wies allerdings darauf hin, dass das Treffen auf Initiative der österreichischen Seite stattfinde.

Grenell hat Kurz in einem Interview gerade über die Maßen gelobt. "Ich denke, Sebastian Kurz ist ein Rockstar. Ich bin großer Fan", sagte er dem US-Portal "Breitbart". Der Politiker der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) regiert in einer Koalition mit der rechtspopulistischen FPÖ.

Bundesregierung ist bereits verstimmt

Der Vorgang dürfte die Verstimmung in der Bundesregierung über den US-Botschafter noch verstärken. Schon seine Äußerungen in dem "Breitbart"-Interview sorgten zuvor für Stirnrunzeln, nachdem Grenell darin bekannt hatte, konservative Kräfte in Europa stärken zu wollen. "Wir haben die US-Seite um Aufklärung gebeten und ob sie tatsächlich so gefallen sind, wie sie wiedergegeben werden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes (AA) in Berlin.

Der Aufschwung konservativer Ideen sei durch ein Scheitern linker Konzepte zu erklären, sagt Grenell in dem Interview. Es gebe keinen Zweifel daran, dass die Konservativen in Europa auf dem Vormarsch seien, "und das ist eine spannende Zeit für mich". Es gilt als ungewöhnlich für Diplomaten, sich so deutlich politisch zu äußern.

Grenell habe am kommenden Donnerstag bei einem Treffen im Auswärtigen Amt Gelegenheit, seine Äußerungen einzuordnen, hieß es aus dem AA. Bei dem Treffen am Donnerstag sind der beamtete Staatssekretär Andreas Michaelis und der US-Botschafter zu einem Gespräch verabredet.

Für seine jüngsten Äußerungen erntete Grenell breite Kritik aus der deutschen Politik. Schon mit seinem ersten öffentlichen Aufschlag als neuer US-Botschafter in Berlin hatte Grenell für Aufsehen gesorgt. Nach der Entscheidung seines Präsidenten Donald Trump, das Iran-Abkommen zu kündigen, rief Grenell deutsche Unternehmen dazu auf, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Land umgehend zu beenden.

Der US-Botschafter gilt als Vertrauter von Trump und Verfechter vor allem seines außenpolitischen Kurses, obwohl Grenell ursprünglich zum klassischen Flügel der US-Republikaner gehörte und schon unter Ex-Präsident George W. Bush für die amerikanische Regierung arbeitete.



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Mitarbeit: Severin Weiland

insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
MartinH 04.06.2018
1. Breitbart
Wahnsinn, die Bundesregierung liest Breitbart, es besteht also noch Hoffnung
Francois S. 04.06.2018
2. Vielleicht hätten sich Mitglieder unserer Regierungspartein in 2016
nicht so aktiv in den US Wahlkampf (zugunsten von Fr. Clinton) einmischen sollen? Manche haben sogar aktiven Wahlkampf für Fr. Clinton IN den USA betrieben (z.B. Hr. Stegner).
yoda56 04.06.2018
3. Und was steht als nächstes an...
...auf der Auftragsliste des Herrn Grennel, die er von Trump erhalten hat? Die Herren Orban und Morawiecki einladen und Herrn Conte natürlich? Vielleicht nicht gleich, aber noch vor der nächsten BT-Wahl Frau Weidel und Herrn Gauland? Oder mal mit Bernd Höcke lächelnd durch das "Denkmal der Schande" schlendern?
ein-berliner 04.06.2018
4. Gute Botschaft
Los, ab nach Wien.
bepekiel1 04.06.2018
5. ganz einfach
da er sich einmisch, ihn als persona non grata deklarieren und um seine Abberufung bitten. Kurz und knapp. Nur solche Sprache versteht der Möchtegernkaiser von USA
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