US-Botschafter in Deutschland Grenell gibt sich zerknirscht

US-Botschafter Grenell will sich nun doch nicht dafür einsetzen, dass konservative Kräfte in Europa gestärkt werden: "Ich habe nicht die Absicht, mich in politische Angelegenheiten aktiv einzumischen."

Richard Grenell
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Richard Grenell


"Ich möchte andere Konservative in Europa, andere Anführer, definitiv stärken." - Mit diesem Satz in einem Interview mit dem ultrarechten Portal Breitbart hatte der neue US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. In dem Gespräch hatte er auch angekündigt, sich in politische Angelegenheiten Europas einmischen zu wollen.

Nun relativiert Grenell seine Aussage: "Ich bedaure die Tatsache, dass meine Worte falsch interpretiert wurden", sagte der Botschafter dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Um es klarzustellen: Ich habe nicht die Absicht, mich in politische Angelegenheiten aktiv einzumischen." Der Diplomat sagte weiter: "Ich sehe mich verpflichtet, mit allen Regierungen und allen politischen Parteien zusammenzuarbeiten, um die transatlantischen Beziehungen zu stärken."

Grenell reagiert damit auf heftige Kritik aus Deutschland und den USA. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte die US-Seite um Aufklärung über die Äußerungen des Botschafters gebeten. "Botschafter haben ein Recht, ihre Meinung zu äußern", sagte die US-Außenministeriumssprecherin Heather Nauert daraufhin.

Der frühere SPD-Chef Martin Schulz warf Grenell vor, er benehme sich "wie ein rechtsextremer Kolonialoffizier". Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht forderte die sofortige Ausweisung des Botschafters.

Nach einem Treffen mit Außenminister Heiko Maas in Berlin hieß es am Mittwoch aus deutschen Regierungskreisen, Grenell habe erklärt, er wolle "nicht als Parteigänger rechtsgerichteter Kräfte in Deutschland wahrgenommen werden". Außerdem wolle der Botschafter auch atmosphärisch dafür sorgen, dass "eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern" möglich werde.

Grenell äußerte sich gegenüber dem RND auch zu seinem Treffen mit Gesundheitsminister Jens Spahn. "Wir kennen uns seit Kurzem und sind gute Freunde - mehr nicht. Ich mag ihn sehr", sagte der US-Botschafter. Daniel Funke, Ehemann von Jens Spahn und Leiter des "Bunte"-Hauptstadtbüros, hatte in der vergangenen Woche eine sehr wohlwollende Homestory über Grenell und seinen Partner Matt Lashey veröffentlicht. Dass Funke und der Botschafter befreundet sind, erwähnte das Blatt nicht.

Im Video: Abgeordnete senden eine SMS an Richard Grenell

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volaticotherium 10.06.2018
1. Sorry,
...aber es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Erst so einen Stumpfsinn von sich geben und dann wieder zurückrudern, wenn es eng wird. Kennt man ja schon von seinem Oberlehrer. Er soll/muss wieder gehen !!!
koch-51 10.06.2018
2. In die Offensive
Bei einem Typen wie Trump und seinen Vertretern ist es entscheidend, nicht nur zu reagieren, sondern politpsychologisch in die Offensive zu gelangen und zwar auf allen Ebenen. Auf nationaler Ebene durch einen verschärften koordinierten Kampf von Parteien, Verbänden und Medien gegen Rechts, auf europäischer Ebene durch koordiniertes Vorgehen von Merkel, Macron und Juncker gegen nationalistische Bestrebungen in Polen, Ungarn, Italien usw., einen kompromisslosen Anti-Brexit-Kurs, um potentielle Nachahmer abzuschrecken und offensiv die Vereinigten Staaten von Europa ( Schulz - Plan ) anzugehen. Wenn dabei die Osteuropäer aus der EU verschwinden, um so besser, die haben für mich als Rheinländer sowieso nie richtig dazu gehört. Auf globaler Ebene dann intensivere Kooperation mit China und Russland gegen die USA und scharfe Sanktionsmaßnahmen der EU gegen die USA. - Das beeindruckt Trump, sonst nichts
C.Rainers 10.06.2018
3. Kann er sich schenken
wenn er der verlängerte Arm von Trump ist, wird der nächste Woche sowieso wieder eine verbale 180° Wende hinlegen. Was aus den USA kommt hat doch mittlerweile eine minütliche Halbwertszeit
Horch und Guck 10.06.2018
4. Glaubt man ihm natürlich sofort
Man kann ja förmlich gar nicht anders, wissend wer ihn wieso geschickt nach Deutschland hat. Dem und seinem Boss nimmt man ja alles ab, da muss man ja nichtmal hinterfragen. Grenell hat wohl gedacht in Deutschland/Europa würden ihm genausoviele rechte Rednecks für seine rechte Gesinnung applaudieren, wie das in den USA der Fall gewesen wäre. Tja, falsch gedacht.
w.weiter 10.06.2018
5. Aha, ein Diplomat.
Erst einmal Porzellan zerschlagen. Dann die Reaktionen abwarten. Tut sich etwas? Autsch, ups, und oops. Ich bin ein Amerikaner, habe einen dummen Fehler gemacht, bin aber falsch interpretiert worden. Sorry, ich habe mich nur ein wenig vergriffen. Es sollte nicht der Vorschlaghammer sein, sondern das Florett, wie üblich auf dem diplomatischem Parkett. Mann, Mann, Mann.
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