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Zum Tod Richard von Weizsäckers: Ein einziger, befreiender Satz

Von Karl-Ludwig Günsche

Richard von Weizsäcker Zur Großansicht
MARCO-URBAN.DE

Richard von Weizsäcker

Er hat dieses Amt geprägt wie kein anderer Bundespräsident. Sein großes Ansehen verdankt Richard von Weizsäcker einer einzigen wichtigen Rede - und einem zentralen Satz zum Jahrestag des Kriegsendes. Jetzt ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

Kein anderer Bundespräsident hat dieses Amt so sehr gelebt, verkörpert und geprägt wie Richard von Weizsäcker. Kein anderer Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte - von wenigen Ausnahmen wie Konrad Adenauer und Helmut Schmidt abgesehen - hat auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt so viel Zustimmung, ja Verehrung erfahren wie er. Am Samstag ist Weizsäcker im Alter von 94 Jahren gestorben. Er hat in seinem politischen Wirken Maßstäbe gesetzt, die auch über seinen Tod hinauswirken.

Letztendlich war es eine glänzend formulierte und vollendet vorgetragene Rede, ja eigentlich sogar nur ein Satz in dieser Rede, mit dem Richard von Weizsäcker sich in die deutschen Geschichtsbücher geschrieben hat:

"Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung."

Für die damalige Bundesrepublik war auch dieser Satz eine Befreiung, die Rede ein - wie Helmut Schmidt zu Weizsäckers 90. Geburtstag befand - "historisch glücklicher Moment".

Weizsäcker hielt seine Rede 1985 und zu einem Zeitpunkt, zu dem Historiker wie Hans Mommsen in Teilen der CDU/CSU und ihrer Klientel die Tendenz einer "Rückwärtsrevision des Geschichtsbildes" feststellten. Nach den Jahren der Friedens- und Entspannungspolitik Willy Brandts und Helmut Schmidts glaubte die sogenannte Stahlhelmfraktion in der Union, nun unter einem Kanzler Helmut Kohl wieder Oberwasser zu haben.

Kohl selbst hatte dem mit zweideutigen Reden und Gesten Vorschub geleistet: In einer Rede vor dem israelischen Parlament hatte er die verhängnisvolle, Schuld limitierende Formel von der "Gnade der späten Geburt" geprägt. Er hatte US-Präsident Ronald Reagan zu einem Treffen auf dem Bitburger Friedhof genötigt, auf dem auch SS-Soldaten beerdigt sind - ein instinktloser Akt, der unnötig Misstrauen gegen die Deutschen schürte. Er nahm erst spät Anstoß am Motto eines Schlesier-Treffens, zu dem er sich angesagt hatte: "Schlesien bleibt unser". Er pfiff Kanoniere der "Stahlhelmfraktion" wie Herbert Hupka nicht zurück, in dessen Hauspostille "Der Schlesier" Roosevelt und Churchill als "Kriegsverbrecher" beschimpft wurden.

Nur wenige Jahre nach der von ihm angekündigten "geistig-moralischen Wende" hatte Kohl mit der verschleiernden und verharmlosenden Formel, die Naziverbrechen seien "im deutschen Namen" begangen worden, die Gesamtverantwortung und Schuld Deutschlands und der Deutschen wieder zur Diskussion gestellt - und alte Ängste vor der scheinbar so gemütlichen Bonner Republik ebenso wieder belebt wie die Hoffnung der Ewig-Gestrigen auf Relativierung des Schreckens.

1940: Weizsäcker als Soldat beim Infanterieregiment 9. Im April 1945 wurde er in Ostpreußen verletzt und kam zurück nach Potsdam.

In den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen tritt Weizsäcker 1948 als Assistent des Anwalts auf, der seinen Vater Ernst von Weizsäcker, einen der führenden Diplomaten des Deutschen Reichs, verteidigte.

Der erste Versuch schlug fehl: Weizsäcker (hier mit dem damaligen CDU-Chef Kohl, r., und dem Fraktionsvorsitzenden Carstens) verlor 1974 beim Kampf um das Amt des Bundespräsidenten gegen Walter Scheel.

Berlin: Als Regierender Bürgermeister zeigte Weizsäcker dem US-Präsidenten Ronald Reagan den Checkpoint Charlie. Rechts der damalige Kanzler Helmut Schmidt

Beliebt: Bei den Deutschen war der Präsident sehr beliebt. Weizsäcker hier 1984 während eines Urlaubs in Bad Tölz im Gespräch mit einer Passantin.

Angekommen: Im zweiten Versuch wird Weizsäcker am 1. Juli 1984 von Bundestagspräsident Rainer Barzel als neues Staatsoberhaupt vereidigt.

Seine wichtigste Rede: Am 8. Mai 1985 sprach Weizsäcker im Bundestag zum 40. Jahrestag des Kriegsendes. Das Datum sei für die Deutschen kein Grund zum Feiern, sondern ein Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der Nazi-Gewaltherrschaft.

Als Staatsoberhaupt empfing Weizsäcker 1985 auch den US-Präsidenten Ronald Reagan und dessen Ehefrau Nancy in der Bonner Villa Hammerschmidt.

Weizsäcker im September 1987 im Gespräch mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker.

Schach-Fan: "Nach einem anstrengenden Tag möchte man sich nicht mit unverarbeiteten Vorgängen und Gedanken in einen vielleicht etwas unruhigen Schlaf retten. Mit dem Schachspiel kann man dann ein Zwischenfeld einlegen zwischen den Ereignissen des Tages und der Ruhe der Nacht", sagte er einmal.

Sportlich: Weizsäcker beim 100-Meter-Lauf. Insgesamt zehn Mal legte er das Goldene Sportabzeichen ab.

Weizsäcker mit seinem Bruder Carl Friedrich: Der Physiker, Philosoph und Friedensforscher starb 2007.

Weizsäcker mit seiner Frau Marianne: Er war seit 1953 mit ihr verheiratet.

Ein zufriedenes Paar: Beide haben drei Söhne und eine Tochter.

In dieser historischen Situation hat Weizsäcker mit seinem klaren Bekenntnis zu Aussöhnung, Entspannung und Frieden ein Zeichen gesetzt, hinter das es kein Zurück mehr geben konnte. Der damalige Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel dankte dem Bundespräsidenten ausdrücklich, weil seine Rede "vieles zurechtgerückt hat, was in bedrückender Weise ins Zwielicht geraten war". Und in Osteuropa - vor allem in Polen - atmeten die Menschen ob dieses eindeutigen Bekenntnisses des deutschen Staatsoberhauptes erleichtert auf.

Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Bundestag.
Gewaltherrschaft
DPA

"Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Verantwortung
DPA

"Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Erinnerung
DPA

"Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Gegenwart
DPA

"Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Befreiung
DPA

"Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen."

Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Weizsäcker selbst hat - gewiss nicht ohne eine gewisse Koketterie - einmal gesagt, er habe an jenem 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag "nicht eigentlich neue Einsichten" verkündet. In der Tat hatte schon der erste Bundespräsident Theodor Heuss den 8. Mai 1945 einen Tag der bitteren Niederlage und der Befreiung genannt. Doch in jenen jungen Jahren der Republik gab es offensichtlich Wichtigeres als den Disput über Niederlage und Befreiung. Sogar Helmut Kohl hatte nur wenige Tage vor Weizsäcker den 8. Mai als einen Tag der Befreiung bezeichnet. Doch der Kanzler fand mit dieser Aussage so gut wie kein Echo. Vielleicht, weil er, der Meister des vagen Wortes, nicht glaubwürdig genug war?

Weizsäcker dagegen hat mit dieser einen Rede, nur ein Jahr nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten "weltweit ein Vertrauen geschaffen, das wir gerade in den Jahren 1989 und 1990 brauchten", vermerkte Hans-Dietrich Genscher später in seinen Erinnerungen. Auch innenpolitisch hat Weizsäcker mit dieser einen Rede die Koordinaten verschoben: Die Selbstwahrnehmung der Bundesrepublik, so urteilt Joschka Fischer, habe sich "auch im konservativ denkenden Teil der Gesellschaft verändert". Deutschland habe sich an jenem 8. Mai 1985 "seiner historischen und moralischen Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus gestellt".

Der Liberale Theodor Heuss war von 1949 bis 1959 der erste Bundespräsident der BRD. Schon bei der ersten Wahl wurde deutlich, dass das Votum der Parteien die jeweils aktuellen Koalitionsüberlegungen spiegelt: in diesem Fall zwischen CDU/CSU und FDP.

Sein Nachfolger Heinrich Lübke war von 1959 bis 1969 im Amt. Zunächst hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer seine Kandidatur angekündigt - die er allerdings wieder zurückzog. Nach langen Diskussionen schickte die CDU schließlich Ernährungsminister Lübke ins Rennen.

Gustav Heinemann, Bundespräsident von 1969 bis 1974, bei seiner Vereidigung: Die Wahl des SPD-Mannes wurde als frühes Signal für die erste sozial-liberale Koalition Deutschlands gewertet. Die FDP stellte sich geschlossen hinter Heinemann - wenige Monate später regierte SPD-Kanzler Willy Brandt mit den Liberalen.

1974 wählt die Bundesversammlung den Außenminister und FDP-Vorsitzenden Walter Scheel. Sein Gegenkandidat: Richard von Weizsäcker. Bereits Monate vor der Neuwahl 1979 entspann sich ein Parteienstreit um die Neubesetzung des Amtes - Scheel hielt sich bis zur letzten Minute bedeckt und verzichtete schließlich.

Mit dem Christdemokraten Karl Carstens wurde erstmals ein Bundespräsident aus der Opposition gewählt: Im Bundestag verfügte 1979 die sozial-liberale Koalition unter Helmut Schmidt zwar noch über eine Mehrheit, aber die Bundesversammlung wurde von der Union dominiert. Die SPD stellte mit der früheren Bundestagspräsidentin Annemarie Renger erstmals eine Frau auf.

Richard von Weizsäcker bekam 1984 seine zweite Chance - und er nutzte sie: Der CDU-Politiker ist bislang der einzige Bundespräsident, der bei seiner Erstwahl von beiden großen Volksparteien unterstützt wurde. Auch bei seiner Wiederwahl 1989 stellte die SPD keinen Gegenkandidaten auf.

1994 setzte sich Roman Herzog (CDU) als Kandidat der Union in einer Kampfabstimmung durch. Sein Gegenkandidat: der SPD-Favorit und damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Johannes Rau.

Rau gelang 1999 der Sprung an die Spitze. Die Unionskandidatin Dagmar Schipanski musste sich im Kampf "Frau gegen Rau" geschlagen geben. Johannes Rau blieb wie Herzog nur fünf Jahre im Amt, von 1999 bis 2004.

Horst Köhler folgte 2004 auf Rau, er konnte sich gegen SPD-Kandidatin Gesine Schwan durchsetzen. Am 23. Mai 2009 wurde Köhler von der Bundesversammlung wiedergewählt - doch die volle zweite Amtszeit blieb er nicht. Am 31. Mai 2010 erklärte Köhler nach Kritik an seinen Äußerungen zu Bundeswehreinsätzen seinen Rücktritt.

Rund einen Monat nach dem Rücktritt von Köhler wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Mit 51 Jahren ist Wulff wurde er jüngstes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik. Er blieb aber auch der Präsident mit der kürzesten Amtszeit. Im Februar 2012 trat er zurück.

Joachim Gauck amtiert seit 2013 als Bundespräsident. Lange sträubte sich Kanzlerin Angela Merkel gegen den ehemaligen Pfarrer aus Rostock. Schließlich gab sie ihren Widerstand aber doch auf.

Vielleicht war es einer dieser glücklichen Zufälle der Geschichte, dass sie den richtigen Mann zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Platz gestellt hatte: Der am 15. April 1920 in Stuttgart geborene Richard von Weizsäcker stammte aus einer alten württembergischen Beamten- und Politikerfamilie. Er war weltgewandt, Jurist, Protestant, ein hervorragender Repräsentant des aufgeklärten deutschen Konservatismus. In der Wirtschaft hatte er bereits Karriere gemacht, als er 1966 in den CDU-Bundesvorstand gewählt wurde.

Unbequem ist er für seine Partei immer gewesen

Schon 1962 trat er für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ein, zum Entsetzen der treuesten Unionsklientel, der Heimatvertriebenen. "Weizsäckers Annäherung an den deutschlandpolitischen Kurs der SPD war mit Händen zu greifen", schreibt Kohl in seinem 2000 veröffentlichten Tagebuch. Weizsäcker unterstützte offen den Entspannungskurs Willy Brandts, warb als Kirchentagspräsident für Aussöhnung und Vergebung, arbeitete mit dem SPD-Politiker Erhard Eppler die letzte gemeinsame Denkschrift der evangelischen Kirchen in der DDR und der Bundesrepublik "Friedensaufgaben der Deutschen" aus - und machte trotzdem, von Kohl immer wieder protegiert, Karriere in der CDU: Bundestagsabgeordneter, Bundestagsvizepräsident, Regierender Bürgermeister von Berlin und schließlich - als Erfüllung seines politischen Lebens - Bundespräsident.

Geprägt hatte ihn das Grauen des Krieges, das er ebenso schrecklich und hautnah erfahren hatte wie die Verstrickung seines Vaters in die Nazi-Verbrechen. Er war vom ersten Tag des Krieges an der Front, hat im Osten und im Westen gekämpft, war bei der Belagerung Leningrads dabei, wurde zweimal verwundet und war am Ende des Krieges Hauptmann. Schon am zweiten Kriegstag war sein Bruder Heinrich in Polen gefallen, nur wenige Hundert Meter entfernt von ihm. Gegen Ende des Krieges bekam Weizsäcker Kontakt zur Widerstandsgruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg.

Sein Vater, Ernst von Weizsäcker, dagegen war als Staatssekretär im Auswärtigen Amt und SS-Brigadeführer aktiv in die Verbrechen der Nazis verstrickt und ist im Nürnberger Prozess wegen seiner Mitwirkung an der Deportation französischer Juden nach Auschwitz als Kriegsverbrecher verurteilt worden. Der junge Jurist Richard von Weizsäcker hatte seine Verteidigung übernommen. Wie viele andere seiner Generation stand er "viel zu jung vor immer neuen Abgründen", schrieb später die mit ihm eng befreundete Marion Gräfin Dönhoff über diese Phase in seinem Leben - und aus diesem persönlichen Erleben und Erleiden wuchsen sein Gefühl und sein Gespür für Schuld, Sühne und Versöhnung.

"Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird", sagte er einmal - und lebte in seinem politischen Leben nach dieser Maxime:

Versöhnung wurde sein selbsterteilter Auftrag

Doch nicht nur durch seine Lebensgeschichte und durch diese eine Rede war Richard von Weizsäcker schon ein knappes Jahr nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident in Helmut Kohls Pantoffel-Republik zur moralischen Autorität geworden: Er war - für die Bundesrepublik in dieser Form bis heute einmalig - der intellektuelle Gegenentwurf zum Kanzler, und er hat diese Rolle auch gerne angenommen. Im privaten Leben war er zwar oft unbeherrscht, hochfahrend und anmaßend. Untergebene schurigelte er zuweilen aus nichtigem Anlass. Doch seine öffentlichen Auftritte inszenierte Weizsäcker untadelig.

Im Gegensatz zu Kohl war er ein glänzender Redner. Sein Auftreten war stets formvollendet. Wo Kohl biedermännische Jovialität verströmte, umgab von Weizsäcker der Hauch von Noblesse und Würde. "König Silberlocke" oder "Ersatzkaiser" wurde er mit liebevollem Spott genannt. Ihm gegenüber habe er "spürbare Distanz", ja "geradezu unverhohlene Reserviertheit" gezeigt, wütete Kohl später voll Verachtung in seinem "Tagebuch".

Er vermutete Weizsäcker auch - und wohl nicht zu Unrecht - als Drahtzieher hinter dem Putschversuch einer Gruppe von CDU-Größen um den damaligen Generalsekretär Heiner Geißler, die 1989 vergeblich versucht hatte, Kohl zu stürzen. Als der Ex-Bundespräsident sich in Kohls Spendenaffäre im Jahr 2000 erneut kritisch zu Wort gemeldet hatte, giftete der Ex-Kanzler: "Seinen Angriff gegen mich führt er in der ihm eigenen subtilen und vornehmen Weise. Die offene Feldschlacht ist nichts für ihn. Aber im Kamingespräch die Pfeile an die richtige Stelle zu setzen, das ist sein Stil."

Die immer offener ausgetragene Gegnerschaft dieser beiden Männer hat Weizsäcker nicht geschadet. Im Gegenteil: Er wurde nur immer beliebter, auch nachdem er 1994 aus dem Amt geschieden war. Bis an sein Lebensende blieb er ein - oft unbequemer - Mahner und Warner. Seine Interviews, seine Reden behielten Gewicht, waren Kompass und Maßstab.

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland setzt den Wirkungsmöglichkeiten des Bundespräsidenten ziemlich enge Grenzen. Faktisch hat er sogar weniger gestaltende Möglichkeiten als das Bundesverfassungsgericht, urteilt der Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz. Seine mächtigste Waffe ist das Wort. Richard von Weizsäcker hat es genutzt wie kaum ein anderer. "Wer die Sprache hat, Wirklichkeit präzise zu beschreiben und zu deuten, kann sie auch verändern", hat sein alter Mitstreiter aus seiner Zeit als Kirchentagspräsident Erhard Eppler einmal gesagt. "Richard von Weizsäcker hat dies am 8. Mai 1985 getan" - mit einer einzigen Rede, eigentlich sogar mit einem einzigen Satz nur.

Die Weizsäckers

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insgesamt 274 Beiträge
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1. Trauriger Tag!
kanzlerkandidat 31.01.2015
Gott sei seiner Seele gnädig, er war wahrlich ein guter Mensch und einer der besten Politikern Deutschland, er war unsere aller Präsident und er hat Bundesrepublik Deutschland in der Welt würdig präsentiert! Mein herzlichen Beileid an seiner großartigen Menschenfreundliche und Friedensliebenden Familie!
2. Faszinierend, dass sich von Weizsäcker...
sappelkopp 31.01.2015
...und Kohl immer wieder in der Wolle hatten. Spätestens nach von Weizsäckers Rede war klar, dass Kohl ihm nie das Wasser reichen konnte. Dafür hatte Kohl weder den Charakter noch die Fähigkeiten. Von Weizsäcker war ein ganz großer Kopf, der jenseits aller Parteipolitik denken konnte.
3. Der Beste
taglöhner 31.01.2015
Ich verneige mich in Dankbarkeit vor diesem großen Mann.
4. ...
jujo 31.01.2015
Zitat von kanzlerkandidatGott sei seiner Seele gnädig, er war wahrlich ein guter Mensch und einer der besten Politikern Deutschland, er war unsere aller Präsident und er hat Bundesrepublik Deutschland in der Welt würdig präsentiert! Mein herzlichen Beileid an seiner großartigen Menschenfreundliche und Friedensliebenden Familie!
Schliesse mich an!
5. sehr sehr schade dass er gehen musste!
Spiegelleserin57 31.01.2015
einer der besten Politiker den wir hatten. Von seinem Stil und seiner Würde können viele Menschen lernen. Mein aufrichtiges Beileid!
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