Grünen-Chef und Social Media Habeck kritisiert Twitter als "Instrument der Spaltung"

War Grünen-Chef Robert Habeck gut beraten, als er seine Abkehr von Debattenplattformen im Netz verkündete? In der "Zeit" begründet er ausführlich seine Entscheidung.

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.
DPA

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.


Nachdem der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck seine Accounts bei Facebook und Twitter stillgelegt hat, hat er nun seine Entscheidung verteidigt und Twitter scharf kritisiert. "Das Medium hat sich seit Obamas erstem Wahlkampf von einem Instrument der Demokratisierung eher zu einem Instrument der Spaltung entwickelt", sagt Habeck der Wochenzeitung "Die Zeit".

Keiner stehe für diese Entwicklung so sehr wie "der Twitterer Donald Trump". Für ihn als Politiker, so Habeck, sei "Twitter gar kein Medium des echten Dialogs, das ist doch ein Mythos".

Am Montag hatte der Grünen-Politiker auf seinem Blog bekannt gegeben, dass er seine Social-Media-Kanäle stilllegen werde. Als Grund gab er Fehler an, die er dort gemacht hatte. Wiederholt hatte er selbst umstrittene Inhalte verbreiten lassen. So war etwa auf der Seite der Grünen in Thüringen ein Video erschienen, in dem Habeck versprach, nach den Wahlen im Oktober 2019 werde man alles machen "damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land" wird. Dafür hatte es viel Kritik gegeben. Das Video wurde später gelöscht.

Außerdem war Habeck einer der Politiker, die von Datendiebstahl und der Veröffentlichung privater Daten durch einen Hacker im vergangenen Jahr betroffen waren. Der Diebstahl war erst Anfang Januar bekannt geworden. Ein Tatverdächtiger wurde erst am vergangenen Sonntag vorläufig festgenommen.

Habeck: Lieber "echte Gespräche"

Habeck kündigte an, künftig vermehrt andere Formen der Begegnung zu suchen: "Meine Sehnsucht nach direktem Austausch mit den Leuten wird in Zukunft eher noch größer sein, in Gestalt echter Gespräche und langsamerer digitaler Kommunikation."

Eine Rückkehr zu Facebook oder Twitter schließt Habeck vorerst aus: "Ich kann nicht unendlich in die Zukunft sehen, aber erst mal habe ich die Brücken gesprengt."

mfh



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