NRW-Wahl: Rot-Grün hofft auf absolute Mehrheit

Die Wahl läuft in Nordrhein-Westfalen: SPD und Grüne hoffen, so viele Sitze zu gewinnen, dass sie sich nicht mehr mit einer Minderheitsregierung begnügen müssen. Umfragen zufolge könnte das knapp werden.

Männer bauen Wahlurnen in Gevelsberg auf: Eher Klassenprimus als Landesvater Zur Großansicht
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Männer bauen Wahlurnen in Gevelsberg auf: Eher Klassenprimus als Landesvater

Düsseldorf - Für Hannelore Kraft (SPD) geht es um viel - für ihren Herausforderer Norbert Röttgen (CDU) um alles: Während die rot-grüne Landesregierung um eine eigene Mehrheit kämpft, stehen die Christdemokraten vor ihrem historisch schlechtesten Ergebnis in Nordrhein-Westfalen. Aber auch die Liberalen zittern, wenn die Wähler heute ihre Stimme abgeben: Führt Christian Lindner die angeschlagene Partei über die Fünfprozenthürde?

Dass im bevölkerungsreichsten Bundesland nach nur zwei Jahren wieder gewählt werden muss, liegt daran, dass die rot-grüne Minderheitsregierung ihren Haushalt für 2012 nicht durch das Parlament bringen konnte. Das Parlament musste daraufhin im März aufgelöst werden. SPD und Grüne hoffen diesmal auf eine eigene Mehrheit für ihre Koalition.

Die amtierende Regierungschefin, Hannelore Kraft (SPD), kann sich darauf durchaus Hoffnungen machen: Letzten Umfragen zufolge kann die SPD auf 36 bis 38 Prozent hoffen, die Grünen auf elf bis zwölf Prozent. Es wäre knapp - aber es würde reichen.

Kraft zeigte sich in den letzten Wochen vor allem als fürsorgende Landesmutter, bodenständig, authentisch. An einem zentralen Thema fehlte es in ihrem Wahlkampf jedoch - trotz der Debatte um die rot-grüne Schuldenpolitik. Immer wieder betonte die geborene Mühlheimerin schlicht, dass ihr Platz in Nordrhein-Westfalen sei.

So war die Stimmung vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen:
Letzte Umfrage im Vergleich zu den Ergebnissen von 2010

hr angeschlagener Herausforderer Norbert Röttgen (CDU) konnte sich hingegen bis zum Schluss nicht zu einem klaren Bekenntnis für Nordrhein-Westfalen und gegen Berlin durchringen. Die mangelnde Glaubwürdigkeit blieb im Wahlkampf über sein Problem; er wirkte eher als "Klassenprimus" denn als "Landesvater". Noch dazu leistete er sich im Wahlkampfendspurt peinliche Patzer. Umfragen sehen seine Partei derzeit nur bei 30 bis 33 Prozent.

Trendwende oder kollektive Depression?

Entscheidend für den Wahlausgang dürfte aber vor allem das Abschneiden der kleineren Parteien seien. FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner geht es vor allem darum, die angeschlagene Partei in NRW über die Fünfprozenthürde zu hieven. Schafft er es, könnte es die Trendwende auch für die Bundes-FDP bedeuten. Scheitert er, sind trotz des Erfolgs in Schleswig-Holstein in der Partei neue Depressionen und neue Machtkämpfe zu erwarten.

Doch die FDP hat wie die Piratenpartei im Gegensatz zur Linken gute Chancen auf den Einzug ins Landesparlament. Die Piraten erreichten vor zwei Jahren gerade 1,6 Prozent; nun könnte ihnen der Beitritt von Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg und ihrem Mann und Ex-Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg noch Auftrieb verschaffen.

Bei der Landtagswahl 2010 wurde die CDU mit 34,6 Prozent knapp stärkste Partei, gefolgt von der SPD mit 34,5 Prozent. Die Grünen kamen auf 12,1, die FDP erhielt 6,7 Prozent. Die Linke schaffte mit 5,6 Prozent erstmals den Sprung in den NRW-Landtag.

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vks/dpa/dapd

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insgesamt 61 Beiträge
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1. "NRW-Wahl: Rot-Grün hofft auf absolute Mehrheit"
TC Matic 13.05.2012
Zitat von sysopDie Wahl läuft in Nordrhein-Westfalen: SPD und Grüne hoffen, so viele Sitze zu gewinnen, dass sie sich nicht mehr mit einer Minderheitsregierung begnügen müssen. Umfrage zufolge könnte das knapp werden. Rot-Grün kämpft in NRW für eigene Mehrheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,832880,00.html)
Hoffen dürfen die beiden Parteien natürlich. Und ich hoffe, daß andere Parteien ihnen einen Strich durch ihre Hoffnung machen werden. Überall, wo die Grünen an der Regierung beteiligt sind, sehe ich ein gewisses Diktat, was mit Demokratie nichts zu tun hat.
2. Die Wahl zwischen Pest und Cholera...
_alexander_ 13.05.2012
... wird wie immer dort enden, wo sie angefangen hat - nämlich an der WahlURNE. Es bleibt für mich ein absolutes Rätsel, warum Deutschlands Wahlvieh so leicht manipulierbar ist und in die Irre geführt werden kann. Jedes Volk hat eben die Politiker, die er gewählt und/oder ver-dient hat. Auf ein Neues!
3.
verbalallergiker 13.05.2012
Zitat von sysopDie Wahl läuft in Nordrhein-Westfalen: SPD und Grüne hoffen, so viele Sitze zu gewinnen, dass sie sich nicht mehr mit einer Minderheitsregierung begnügen müssen. Umfrage zufolge könnte das knapp werden. Rot-Grün kämpft in NRW für eigene Mehrheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,832880,00.html)
Was ist denn das für´ne bekloppte Überschrift?? "Absolute Mehrheit" für eine Koalition??? Und ich Trottel dachte immer, die sei nötig um allein regieren zu können. Oder ist rot-grün jetzt schon eine Partei? Achso, na dann...
4.
achim-bonn 13.05.2012
Zitat von TC MaticHoffen dürfen die beiden Parteien natürlich. Und ich hoffe, daß andere Parteien ihnen einen Strich durch ihre Hoffnung machen werden. Überall, wo die Grünen an der Regierung beteiligt sind, sehe ich ein gewisses Diktat, was mit Demokratie nichts zu tun hat.
Auch wenn sie 10-12 % Wählerstimmen bekommen sollten, so sollten Sie doch demütig akzeptieren, daß 88-90% der Bevölkerung sie nicht wollten und das kein Grund ist von Bestätigung zu reden. Ich wünsche den Piraten bei uns in NRW heute den Überraschungssieg mit mehr Stimmen als für die Grünen, ausserdem ein Verbleiben der FDP und der Linken im Landtag, dann wäre das gesamte Wählerspektrum abgedeckt und keine Minderheit kann sich benachteiligt fühlen.
5. Absicht erkennbar ...
bert.hagels 13.05.2012
Da soll wohl die Ampel herbeigeschrieben werden. Ausnahmslos ALLE Umfragen des letzten halben Jahrs sagen Rotgrün eine Mehrheit voraus. Daraus wird bei SPON: "Es könnte knapp werden." Über die FDP, die im gleichen Befragungszeitraum zwischen 3 und 6 % schwankt, heißt es, sie könne den Einzug schaffen. Wenn das keine Wahlkampfhilfe ist! Zudem prangte in der letzten Woche vor der Wahl der Herr Lindner, der sich in einem auf Pump finanzierten Wahlkampf übers Schuldenmachen mokiert, jeden Tag auf der Eingangsseite von SPON ganz oben, mit Berichten, deren Charakter den unbefangenen Beobachter an Hofberichterstattung denken lässt. Ich wüsste nicht, dass Frau Löhrmann, deren Partei in allen Umfragen mindestens doppelt so stark wie die FDP ist, auch nur ein Artikel zu Teil geworden wäre; Frau Kraft ist immerhin einmal dabei. Herr Röttgen kannm hier durch eigenes Verschulden außer Betracht bleiben. Was verspricht sich SPON davon? Mentale Vorbereitung auf eine Bundes-Ampel nach der BTW 2013?
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