Rot-Rot-Debatte Lafontaine nimmt Beck in Schutz

"Das ist ungerecht": SPD-Chef Beck bekommt Unterstützung von unerwarteter Seite - seinem Vorgänger Lafontaine. Der Linkspartei-Vorsitzende nimmt ihn im SPIEGEL-ONLINE-Interview vor Kritik in Schutz und erklärt, warum seine Partei am Ende doch Gesine Schwan zur Bundespräsidentin wählen könnte.


SPIEGEL ONLINE: Herr Lafontaine, zählen zu den Hauptgegnern der Linkspartei inzwischen die SPD und die Gewerkschaften?

Lafontaine: Nein, in keinem Fall. Das sind unsere bevorzugten Bündnispartner. Das heißt aber nicht, dass wir den Entscheidungen der SPD kritiklos gegenüberstehen – wir sind ja erst aus der Kritik an der SPD heraus entstanden.

Linken-Chef Lafontaine: "Das hat uns leicht befremdet"
Erik Seemann

Linken-Chef Lafontaine: "Das hat uns leicht befremdet"

SPIEGEL ONLINE: Dass Sie die SPD angreifen, ist man gewohnt. Jetzt gab es von Ihrer Seite auch harsche Kritik an den Gewerkschaften. Sie stünden in "Nibelungentreue zur SPD", lautete Ihr Vorwurf.

Lafontaine: Wenn uns einzelne Gewerkschaftsfunktionäre, die auch ein SPD-Parteibuch haben, kritisieren, ist es das gute Recht der Linken, darauf zu reagieren. Im konkreten Fall hat der IG-Metall-Vorsitzende Huber gesagt, wir sollten die Gewerkschaften nicht vereinnahmen. Wir haben ihm gesagt, dass das nicht unsere Absicht ist. Es entsteht aber der Eindruck, dass einzelne Gewerkschaftsvorsitzende die SPD massiv unterstützen.

SPIEGEL ONLINE: Einen Schlagabtausch mit der SPD gibt es auch bei der Bundespräsidentenwahl. Die SPD-Kandidatin Gesine Schwan hat jetzt gesagt, sie könne sich auch eine Zusammenarbeit mit der Linken vorstellen. Sind Sie überrascht?

Lafontaine: Das deckt sich doch mit vielen Äußerungen anderer Sozialdemokraten, wonach eine Regierungszusammenarbeit auf Bundesebene im Jahr 2009 noch nicht möglich ist, längerfristig aber schon. Unsere Entscheidung bezüglich der Bundespräsidentenwahl beeinflusst das nicht. Dafür gibt es zwei Kriterien ...

SPIEGEL ONLINE: ... welche?

Lafontaine: Zunächst geht es um die Frage, ob die Entscheidung für eine Person neue Möglichkeiten einer neuen politischen Zusammenarbeit eröffnet. Dies ist aufgrund der definitiven Absage der SPD nicht der Fall. Das andere Kriterium ist das inhaltliche Profil des Kandidaten oder der Kandidatin. Berücksichtigt man diese Kriterien, haben wir derzeit keinen Anlass, einen Kandidaten einer anderen Partei zu unterstützen. Wir sind im Gespräch über einen eigenen Kandidaten.

SPIEGEL ONLINE: Vor einigen Wochen standen Sie Frau Schwan aber noch positiv gegenüber. Wie erklären Sie diesen Wandel?

Lafontaine: Der hat sich aufgrund zweier Aussagen vollzogen. Zum einen sagte Frau Schwan, wir hätten keine Antworten für die Zukunft. Das hat uns überrascht. Die zweite Aussage war, man müsse uns zur Demokratie erziehen. Das hat uns leicht befremdet.

SPIEGEL ONLINE: Sie teilen doch auch gerne aus.

Lafontaine: Ich kandidiere aber nicht für das Amt des Bundespräsidenten.

SPIEGEL ONLINE: Aber Zuspitzung gehört doch zum politischen Geschäft.

Lafontaine: Natürlich, zum Wahlkampf oder zum politischen Aschermittwoch gehört die Zuspitzung. Die Wahl des Bundespräsidenten ist aber keine Veranstaltung des politischen Aschermittwoch.

SPIEGEL ONLINE: Man hat das Gefühl, bei Ihnen ist fast immer politischer Aschermittwoch.

Lafontaine: Sie verkennen mich.

SPIEGEL ONLINE: Und der Demagogen-Vorwurf von Frau Schwan hat Sie nicht getroffen?



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