Streit um Linksbündnis in Thüringen Ramelow attackiert Merkel und Gauck

Bodo Ramelow will erster Ministerpräsident der Linkspartei werden. Im Interview mit dem SPIEGEL teilt er gegen die Kritiker von Rot-Rot-Grün aus und kündigt an, sich für die Versöhnung seiner Partei mit Stasi-Opfern einzusetzen.

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Linke-Politiker Ramelow:  Aussöhnung zwischen Partei und SED-Opfern
Roger Hagmann

Linke-Politiker Ramelow: Aussöhnung zwischen Partei und SED-Opfern


Berlin - Der Linkspartei-Kandidat für das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten, Bodo Ramelow, greift Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Kritik an einem möglichen rot-rot-grünen Bündnis an. "Merkel war in der sozialistischen Jugendorganisation FDJ. Sie hat in der DDR-Diktatur mit all ihren Widerwärtigkeiten gelernt, so um den eckigen Tisch herumzukommen, dass man fast den Eindruck hat, es sei ein runder Tisch gewesen", sagte Ramelow dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. "Viele blaue Flecken scheint sie nicht gekriegt zu haben."

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Auch die umstrittenen Einlassungen von Bundespräsident Joachim Gauck, die er kürzlich in der Berliner Gethsemane-Kirche gemacht hatte, wies Ramelow scharf zurück. "Mich stört der Seelsorger Gauck", sagt Ramelow. "In dieser Inszenierung, vor einem Altar, vor Kerzen und Kreuzen, ist das für mich verletzend." Er bot Gauck jedoch ein Gespräch an. "Ich würde mir wünschen, er würde nicht nur Fragen stellen, sondern den Dialog dazu auch führen. Ich stelle mich gerne einem Gespräch", sagte der Linken-Politiker.

Ramelow, der aus Westdeutschland stammt, kündigte darüber hinaus an, sich persönlich für eine Aussöhnung zwischen seiner Partei und Opfern der SED-Diktatur einzusetzen. "Dass mit meiner Kandidatur bei manchen Opfern eine Retraumatisierung eingesetzt hat, nehme ich sehr ernst", sagte Ramelow dem SPIEGEL. "Ich mache jetzt Termine mit entsprechenden Initiativen. Ich gehe auf alle zu, die mit mir reden wollen, dränge mich aber niemandem auf." Man dürfe den Dialog nicht zu einer Inszenierung machen, so Ramelow: "Einige der Opfer haben so viele Langzeitschäden, dass es nicht hilfreich ist, wenn ich anklopfe und sage: Hier bin ich, ich will mal reden."

Von der Linkspartei forderte der 58-Jährige eine entschlossenere Aufarbeitung der eigenen DDR-Vergangenheit. Das habe man "zeitweise schleifen lassen", kritisierte Ramelow. Er leugne nicht, dass die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet werden könne. "Auf gut Deutsch gesagt: Jedes kleine oder größere Arschloch im DDR-Apparat konnte in das Leben der anderen eingreifen. Das war entsetzlich."

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huddi03 16.11.2014
1. Recht
hat der Mann-Danke!!!
mowlwrf 16.11.2014
2. man kann nur hoffen,
das sich die Roten selbst entzaubern, denn Verantwortung hatten sie ja glücklicherweise länger nicht mehr. Ich persönlich glaube nicht das sie die Legislaturperiode überstehen. Schaun mer mal sagt der Franz.....
unixv 16.11.2014
3. Das wäre doch mal was für die CDU!
sich mit ihren Ost-Mitgliedern und deren Vergangenheit auseinander zu setzen, aber darauf können wir genauso lange warten wie auf die Aufarbeitung der alt Nazis in CDU und SPD! Es gibt mehr alte SED-Kader in der CDU als bei der Linken!
euro-paradies 16.11.2014
4. Die Entschädigungen müssen aus dem EX-SED-Vermögen
gezahlt werden. Er sollte mal sagen, wo dieses versteckt ist. Vlt. Kann ihm der Herr Gysi dabei helfen bzw. sich an die Öffentlichkeit wenden.
sunrise560 16.11.2014
5. Gut, dass er auch gegen den Bundespräsidenten
- damit dürfte dann wohl auch dem letzten aufrechten Sozialdemokraten im Landtag klar sein, dass man den Herrn Ramelow von den Linken nicht zum Ministerpräsidenten wählen kann und nicht wählen darf! Die Kreide, die er in den letzten Wochen gefressen hat, reichte wohl nicht aus, um bis zur Wahl nur falsche sanfte Töne zu spucken..
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