Linkes Bündnis in Thüringen Mehrheit der Deutschen lehnt Rot-Rot-Grün im Bund ab

Bodo Ramelow wird wohl der erste Regierungschef der Linken - doch das befürwortet kaum ein Drittel der Deutschen. Eine Mehrheit der Bundesbürger sieht zudem in Rot-Rot-Grün kein Modell fürs ganze Land.

Designierter Ministerpräsident Ramelow: Wenig Zustimmung aus der Republik
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Designierter Ministerpräsident Ramelow: Wenig Zustimmung aus der Republik


Berlin - Eine Mehrheit der Deutschen lehnt einer Umfrage zufolge eine rot-rot-grüne Bundesregierung ab. 56 Prozent der Befragten sind gegen eine Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen im Bund, wie aus dem aktuellen Politbarometer des ZDF hervorgeht. Demnach befürworten nur 23 Prozent der Befragten ein solches Bündnis.

Auch bei SPD-Anhängern stößt Rot-Rot-Grün auf mehr Ablehnung als Zustimmung: 42 Prozent sind gegen das Linksbündnis, 36 Prozent dafür. Die Anhänger der Grünen sprechen sich dagegen etwas häufiger für dieses Koalitionsmodell aus - 47 Prozent Befürwortern stehen 38 Prozent Gegner gegenüber. 54 Prozent aller Befragten glauben, dass die SPD ein solches Bündnis anstreben würde, falls die dafür notwendige Mehrheit zu erreichen wäre.

Derzeit bestünde diese Option aber wohl nicht: Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, käme die Union danach unverändert auf 41 Prozent. Die SPD würde einen Punkt auf 26 Prozent zulegen, die AfD liegt bei sieben Prozent (ein Prozent weniger). Die übrigen Parteien blieben unverändert - die Grünen mit neun Prozent, die Linkspartei mit acht Prozent und die FDP mit drei Prozent.

Wenig Zustimmung für Ramelow

Mit Blick auf Thüringen, wo die Linken mit Bodo Ramelow wohl erstmals einen Ministerpräsidenten stellen wird, ist die Stimmungslage weniger klar: Bundesweit fänden dies 40 Prozent der Befragten schlecht, 29 Prozent gut. Schaut man jedoch nur auf die ostdeutschen Bundesländer, sind 46 Prozent für einen linken Ministerpräsidenten in Thüringen, 25 Prozent dagegen. In dem Bundesland sind Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linkspartei geplant, denen nur noch die SPD-Basis zustimmen muss.

Zuletzt hatte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi erklärt, in der geplanten rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen kein Modell für den Bund zu erkennen. "Wir haben auf Bundesebene eine ganz andere Situation, eine ganz andere Bewertung vorzunehmen, das hat miteinander rein gar nichts zu tun", sagte sie im Deutschlandfunk. Ihre Partei regiert im Bund gemeinsam mit der Union in einer Großen Koalition.


Für das ZDF-Politbarometer befragte die Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 21. und 23. Oktober 1.268 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte am Telefon. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Parteianteil von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von zehn Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte.

mxw/Reuters/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 218 Beiträge
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Seite 1
ohne_mich 24.10.2014
1. Ah ja....
ZDF und Forschungsgruppe Wahlen? Deren "Umfragen" sind ohnehin immer wieder lustig. Würde mich auch nicht wundern, wenn sie diese hier irgendwo beim Jahrestreffen des CDU-Kreisverbandes Hintertupfingen gemacht hätten. Insgesamt kann man sowohl Umfrage als auch die selbstverständlich darauf basierende SPON-Nachricht unter "völlig belanglos" abheften.
FKassekert 24.10.2014
2. Seit wann interessiert denn
das was man im Bund denkt in einem Bundesland! Wollen wir mal drueber reden, was man ausserhalb von Bayern ueber Seehofer denkt und Kommissions-Ilse oder Soeder? Also die Thueringer haben entschieden und was da von Interesse ist und keine Schleswiger, Saarlaender, Schwaben, Oberpfaelzer! Verstehen es eh nicht! Alles mal wieder nur was fuer den Papierkorb! Merkel und Liebermann haben eh aufgegeben! Keine Bange ... 2017 - werden ja sehen!
weltbürger01 24.10.2014
3. Was für ein Desaster!
Ich bin in Thüringen geboren, aufgewachsen, habe gelernt, studiert und Karriere gemacht. Nach 25 Jahren holt uns nun der rote Fluch wieder ein. Es wird Zeit zu gehen... und ich verlasse Thüringen definitiv! Schade für unser schönes Land.
wunhtx 24.10.2014
4. Rot-rot-grün muss die Chance haben
Die Bürger haben gewählt und die Mehrheit will das Volk regieren. Bodo Ramelow ist sicherlich nicht die Gefahr, die von CDU und SPD sowie BILD der Öffentlichkeit kolportiert werden. Das Parteienbündnis muss eine Chance bekommen. Die Mehrheit der Deutschen, die derart moralinsauer gegen rot-rot-grün ist, sollte sich an die Zeit ach 1948 erinnern. Unzählige frühere aktive Nazis haben gerade in der CDU und durch die CDU im Nachkriegsdeutschland sich demokratisieren dürfen und Karriere gemacht. Wenn die konservativ Rechte um Merkel glaubt, ein Mensch werde seine Grundansichten nie ändern, heißt dies doch, dass diese Parteien bis heute in den eigenen Reihen braunes Gedankengut mitführen. Ich halte nichts von der Linken. Ihre Mitglieder sollten allerdings jene Chance haben, die der braunen Brühe bis heute gewährt wird.
kurzschlussingenieur 24.10.2014
5. Keine Partei kann Lösung sein.
Prinzipiell könnte man alle diese Diskussionen über Parteien relativ einfach lösen: Abschaffung aller Parteien, Wahl selbständiger Abgeordneter. Das hilft gegen Vetternwirtschaft, das sorgt dafür, dass anständige Abgeordnete (es gibt sie!) sich nicht mehr parteipolitischen Zwängen unterwerfen und es befreit und von dieser jämmerlichen, altmodischen Verallgemeinerung von Weltbildern. Für ein Problem muss der einzelne Lösungsansatz zählen, unabhängig vom restlichen Parteiprogramm der Unterstützer. Bsp.: Ich bin gegen Aufrüstung und Nato, müsste also aktuell die Linken wählen. Nun halte ich aber rein garnichts von diesen weichgespülten Bildungssystemen die dort angestrebt werden. Umweltschutz ist wichtig, aber deswegen Kriegstreiber wählen? Parteien können keine Lösung bieten, sie ALLE! sind das Problem. Und da ich nicht weiter argumentieren möchte, hier ein paar Zitate: "Der Krebs der Republik, die festgefügten Parteien, hat seine Metastasen längst in alle Organe, ja in alle Teile des Körpers des Gemeinwesens ausgebreitet." - Karl Albrecht Schachtschneider "Die Fratze des Parteigeists ist mir mehr zuwider als irgendeine andere Karikatur." Johann Wolfgang von Goethe "Was immer für Aufschrift die Parteien tragen, was immer für Schlachtruf von den Demagogen erschallt, die sie führen, man hat tatsächlich nur die Wahl zwischen der Plutokratie auf der einen und einer Horde lächerlicher Utopisten auf der anderen Seite." - Henry Louis Mencken "Partei ist der Wahnsinn der Vielen zum Vorteil von Wenigen." "Lasst mich Euch nochmals auf das eindringlichste vor den verderblichen Wirkungen der Parteien warnen." - George Washington
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