RAF-Trio unter Raub-Verdacht Mit Tarnanzug und Panzerfaust

Die Täter spähten ihr Ziel aus, dann schlugen sie kaltblütig zu: Drei RAF-Terroristen sollen in Norddeutschland Geldtransporter überfallen haben. Doch trotz penibler Vorbereitung lief immer etwas schief.

Parkplatz eines Supermarkts in Stuhr: Überfall auf Geldtransporter
DPA

Parkplatz eines Supermarkts in Stuhr: Überfall auf Geldtransporter


Jahrzehntelang waren sie im Untergrund - jetzt haben drei Linksterroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) DNA-Spuren hinterlassen: Nach Angaben der Behörden haben Daniela Klette, 57 Jahre, Ernst-Volker Wilhelm Staub, 61 Jahre, und Burkhard Garweg, 47 Jahre, Ende Dezember 2015 einen Geldtransporter in Niedersachsen überfallen, sie sollen zudem an einem weiteren Überfall im Juni beteiligt gewesen sein. Beide Male gingen sie leer aus. Die Terroristen - so scheint es - wollten mit der Beute ihr Leben im Untergrund finanzieren (lesen Sie hier mehr). Die Details im Überblick:

  • Überfall 1: 6. Juni 2015 in Stuhr

Der Tathergang: Ein Geldtransporter mit rund eine Million Euro will gegen 14.20 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarkts losfahren, ihm wird aber der Weg von einem VW-Transporter abgeschnitten. Darin sitzen drei maskierte Täter in Tarnanzügen. Sie sind bewaffnet: zwei mit Schnellfeuergewehren, der dritte mit einer Panzerfaust. Dieser zielt auf die Fahrerseite, einer der anderen beiden fordert den Beifahrer auf, die Türen zu öffnen. Die Besatzung des Geldtransporters hat allerdings inzwischen die Türen ihres gepanzerten Fahrzeugs verschlossen. Der Täter feuert dreimal auf das Fahrzeug: Eine Kugel landet im Reifen, zwei dringen in die Fahrerkabine ein. Die Insassen bleiben unverletzt, die Täter fliehen - ohne Beute - in einem Ford Focus Kombi. Zeugen geben später an, dass auf der Kleidung zumindest eines der Täter auf dem Rücken "POIZEI" (Polizei ohne L) stand.

Die Fahrzeuge: Das Fluchtauto wird später in einem Waldstück im Landkreis Oldenburg entdeckt, inklusive einer selbst gebauten Vorrichtung. Damit sollte der Wagen wohl angezündet werden, was aber scheiterte. In dem VW-Transporter und dem Ford Focus können die Beamten DNA-Spuren von Klette, Staub und Garweg sichern.

Störsender: Bei dem Überfall hatten die drei Täter auch einen Koffer dabei, in dem sich laut Polizei wahrscheinlich ein Störsender befand, der alle Handys in der unmittelbaren Umgebung störte.

Munition: Nach Informationen des NDR benutzten sie wahrscheinlich Spezialpatronen, die auch größere Widerstände überwinden können - sogenannte Hohlladungsmunition.

  • Überfall 2: 28. Dezember 2015 in Wolfsburg

Dieser Raubüberfall weist laut der Polizei große Parallelen zu der anderen Tat auf. Auch hier war das maskierte Tätertrio mit einem Schnellfeuergewehr und einer Panzerfaust bewaffnet.

Der Tathergang: Drei Täter überfallen auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Wolfsburg gegen 13.55 Uhr einen Geldtransporter. Einer der Täter bedroht einen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma mit einer Waffe, die anderen beiden den Fahrer des Transporters. Dieser nutzt einen unbeobachteten Augenblick und rast mit dem Fahrzeug davon. Die Täter gehen wieder leer aus - und flüchten.

Die Fahrzeuge: Die Täter nutzten einen VW Golf Variant und einen Ford Focus Kombi. Mit Letzterem flüchteten die Täter in unbekannte Richtung. Die Ermittler finden in den Fahrzeugen DNA-Spuren. "Aktuell liegen neue DNA-Analyseergebnisse vor", teilte die Staatsanwaltschaft in Verden am Dienstag mit.

Fotostrecke

5  Bilder
Überfall auf Geldtransporter: RAF-Mitglieder wieder aktiv?
Staub, Garweg und Klette gehören nach Angaben der Bundesanwaltschaft der dritten RAF-Generation an. Die RAF hatte sich 1998 für aufgelöst erklärt. Staub, Garweg und Klette sollen spätestens ein Jahr danach eine neue terroristische Vereinigung gegründet haben.

Sie stehen im Verdacht, bereits im Juli 1999 in Duisburg einen Geldtransporter überfallen zu haben. Sie erbeuteten damals umgerechnet rund 500.000 Euro. Hier bestehen ebenfalls Übereinstimmungen zu der Tat in Stuhr. Auch in Duisburg waren drei Räuber am Tatort.

Den drei Beschuldigten werden aber auch Taten aus RAF-Zeiten zur Last gelegt. Mit weiteren RAF-Mitgliedern sollen sie im März 1993 einen Sprengstoffanschlag auf die im Bau befindliche Justizvollzugsanstalt im hessischen Weiterstadt verübt haben. Es entstand ein Sachschaden in Millionenhöhe.

heb



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 132 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
pekaef 19.01.2016
1. So ein Unsinn
"Staub, Garweg und Klette sollen spätestens ein Jahr danach eine neue terroristische Vereinigung gegründet haben." Das ist keine "terroristische Vereinigung", das sind ein paar untergetauchte Ex-Terroristen, die sich ihren Lebensabend zu finanzieren versuchen, da sie keinen Rentenanspruch besitzen ...
haegar37 19.01.2016
2. Keine Sympathien
Hatten die RAFs in den siebziger Jahren noch vielfältig Sympathien der linken und Sponti- Szene auf sich ziehen können, könnte diese Altherrenkriminalität (natürlich auch -Damen) den werten Genossen die letzten möglichen Sympathien verscherzen. Immerhin - ein Plus - wurde nicht mit letzter Konsequenz Gewalt eingesetzt sondern man verließ sich wohl im Wesentlichen auf die Drohung. Hochachtung an die Besatzungen der jeweiligen Transporter. Sie haben wirklich großen Mut bewiesen und sollten eine Auszeichnung verdient haben. Oder wenigstens einen Bonus.
alibabar 19.01.2016
3. raf kommt nicht wieder
zum glück.wenn die jetzt noch auf der matte stehen würden wären unsere politiker komplett überfordert!
Augustusrex 19.01.2016
4. Quatsch
" Nach Informationen des NDR benutzten sie wahrscheinlich Spezialpatronen, die auch größere Widerstände überwinden können - sogenannte Hohlladungsmunition." Es gibt keine Hohlladungspatronen für Gewehre. Für die Panzerfaust wiederum benötigt man keine zusätzlichen Informationen. Dort ist das die normale Munition, allerdings nicht als Patrone sondern als Hohlladungsgranate.
schofseggel 19.01.2016
5. kann das Thema RAF mal...
ein Ende finden? Die Personen dies betrifft sind inzwischen schon lange in Rente oder Tod. Ist doch glaub ich sch.... egal ob die mit dem bobbycar unterwegs waren oder sich noch immer hinter einem Vorhang verstecken. Ich glaube wir haben sicher viel wichtigere Themen über Terrorismus und der ist mit der R.A.F. nicht zu vergleichen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.