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Rückkehr aus Pakistan: BKA fahndet nach Terror-Unterstützer Breininger

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Das BKA sieht akute Terror-Gefahr für Deutschland: Die Fahnder gehen davon aus, dass der radikale Konvertit Eric Breininger auf dem Weg von Pakistan zurück nach Deutschland ist - und hier Anschläge verüben will. Der 20-Jährige hat in einem Trainingscamp eine Märtyrer-Ausbildung absolviert.

Frankfurt am Main - Auf dem Video im Internet trägt Eric Breininger eine Tarnjacke, um den Kopf hat er in Turban-Manier ein Tuch geschlungen, die Arme stützt er lässig auf seine Kalaschnikow. "Kommt zum Dschihad, denn das ist der Weg zum Sieg", ruft der 20-jährige Konvertit aus dem saarländischen Neunkirchen in die Kamera, im Hintergrund die öde Bergregion des afghanisch-pakistanischen Grenzgebietes. Dort soll Eric Breininger, gegen den in Deutschland ein Haftbefehl vorliegt, seit Monaten eine Märtyrer-Ausbildung durchlaufen haben. Jetzt vermuten deutsche und amerikanische Sicherheitsbehörden, dass Eric Breininger wieder auf dem Weg zurück nach Europa ist.

Die Behörden befürchten, dass der radikalisierte Breininger tatsächlich in seine Heimat Deutschland zurückkehren könnte - mit dem Ziel, dort Anschläge zu verüben. Am vergangenen Wochenende wurden deshalb die Sicherheitsvorkehrungen an den Grenzen verschärft, man will nicht ausschließen, dass Breininger sich schon auf einen Anschlag vorbereitet und bereits explosives Material besorgt haben könnte. Heute leitete das Bundeskriminalamt eine öffentliche Fahndung ein.

Zudem soll Eric Breininger nicht allein unterwegs sein. Derzeit reise er nach Angaben von Ermittlern zusammen mit Houssain Al-M., einem gebürtigen Libanesen, der ebenfalls zuletzt im Saarland wohnte und im Herbst 2007 mit Breininger abgetaucht war. Beide standen in direktem Kontakt zu Daniel Schneider, einem der Hauptangeklagten im aktuellen Verfahren gegen die so genannte Sauerland-Gruppe, die im vergangenen Jahr schwere Autobombenanschläge in Deutschland geplant hatte.

Am 2. September 2007, genau zwei Tage vor der Festnahme der "Sauerland-Gruppe" um Fritz Gelowicz, hatte Eric Breininger Deutschland ohne "jedwede Planung", so die Ermittler, den Rücken gekehrt. Daniel Schneider, einer der drei Festgenommenen, war für den jungen Eric Breininger offenbar so etwas wie ein großer Bruder. In einem Reisebüro im Saarparkcenter von Neunkirchen hatte Breininger ein Reiseticket ins ägyptische Hurghada erstanden, 180 Euro kostete der Flug. Dort fand er Unterkunft in einer Sprachschule, in der schon einige radikale Islamisten aus Deutschland untergekommen waren, ehe er Ende November 2007 zusammen mit Al-M. über Dubai nach Iran flog. Von dort führt ein Trampelpfad des Dschihads in die pakistanischen Berge, zur Islamischen Dschihad Union (IJU).

Spätestens seit dem 27. März 2008 wissen die Sicherheitsbehörden, dass Breininger es ernst meint. An diesem Tag meldete er sich per E-Mail bei seiner Schwester Anke. Er halte sich derzeit in den pakistanischen Bergen auf, werde aber in den nächsten Tagen nach Afghanistan gehen, schrieb Breininger, der von ehemaligen Freunden als leicht beeinflussbar beschrieben wird. Dort wolle er für Allah kämpfen.

Später machten die Geheimdienste die beiden Saarländer tatsächlich in der Krisenregion aus. Die letzte sichere Bestätigung für den Aufenthaltsort der beiden Gesuchten stammt von Ende August. Immer wieder waren Fotos und Videos aufgetaucht, in denen sich Eric Breininger, der sich den Kampfnamen "Abdulgaffar" gegeben hatte, zum Dschihad aufrief. "Er ist offenbar zu einem Selbstmordanschlag entschlossen", so die Einschätzung der Ermittler.

"Mein Bruder ist kein böser Mensch. Er wird von anderen gesteuert", erklärte die Schwester von Eric Breininger vor einigen Monaten in einem ZDF-Interview, und rief ihren Bruder dazu auf, nach Hause zurückzukommen. Jetzt scheint ihr Wunsch in Erfüllung zu gehen, jedoch auf ganz andere Art und Weise, als es sich Anke Breininger wohl erhofft hat.

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Konvertit Breininger: Behörden fürchten direkte Gefahr für Deutschland

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