Rückkehr ins Amt Althaus präsentiert seine kühle Seite

Thüringens Ministerpräsident Althaus ist wieder im Amt - und präsentiert sich an seinem ersten Arbeitstag nach Unfall und Reha betont kraftvoll. Gleichzeitig räumte er aber ein: Am Tod der Skifahrerin trage er schwer.


Erfurt - 110 Tage nach seinem Skiunfall hat der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus seine Amtgeschäfte wieder aufgenommen. Auf einer Pressekonferenz sagte der CDU-Politiker am Montag in Erfurt, der Unfall am Neujahrstag in Österreich vor dreieinhalb Monaten habe sein Leben nachhaltig verändert. Er nehme die Schuld auf sich und trage schwer daran, fügte Althaus mit Blick auf die dabei ums Leben gekommene 41-jährige Frau hinzu.

Dieter Althaus: "Freue mich, wieder auf der Bühne zu stehen"
AP

Dieter Althaus: "Freue mich, wieder auf der Bühne zu stehen"

Im Frühjahr hatte er es noch vermieden, von Schuld zu sprechen. In einem Interview hatte er gesagt: "Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten. Ich fühle mich aber verantwortlich." Auch jetzt in der Pressekonferenz klang Althaus kühl und distanziert, wenn er über den Unfall und die Folgen sprach. Die Schuld, so erklärte er, leite er aus den Gutachten rund um den Prozess ab. Er selber habe keine Erinnerung an den Unfall. Alles Insistieren der Reporter nützte nichts: Der Mensch Althaus war bei dem Auftritt nicht zu sehen, lediglich der Politiker.

Jetzt sei konsequentes Handeln wichtig, und dem werde er sich in den nächsten Tagen und Wochen weiter widmen, leitete Althaus umstandslos zur Zukunft über: "Ich fühle mich fit, ich fühle mich gut". Er habe einiges dafür getan, dass er sein Amt wieder in vollem Umfang ausführen könne. Bereits für Freitag kündigte der Thüringer Ministerpräsident Gespräche mit Opel über die Zukunft des Automobilwerks in Eisenach an. Der dortige Opel-Standort sei von besonderer Bedeutung und ein Beweis für den Erfolg der deutschen Einheit. Das Werk sei revitalisiert worden. Dennoch mache die Krise beim Mutterkonzern General Motors Sorgen. Die Landesregierung sei in engem Kontakt sowohl mit der Unternehmensführung als auch dem Betriebsrat. Sie wolle "helfen, dass der hochproduktive Standort Eisenach eine gute Zukunft hat". Der Markterfolg sei unbestritten.

Althaus sagte, er habe selbst Gespräche mit Daimler-Chef Dieter Zetsche geführt, die aber leider nicht erfolgreich abgeschlossen worden seien. Aber die Suche nach Investoren gehe weiter. Das Land habe Opel ein Unterstützungspaket angeboten. Das Gespräch am Freitag werde mit Opel-Chef Hans Demant geführt. Althaus betonte, er hoffe auf weitere positive Absprachen. Die Technologieentwicklung müsse verstärkt werden. Der Erfurter Regierungschef räumte auch in seinem Land steigende Arbeitslosigkeit ein. Dennoch sei Thüringen immer noch Spitzenreiter unter den neuen Ländern. Althaus sprach aber auch von einem steigenden Maß an Kurzarbeit. Der Export sei dafür verantwortlich, dass viele Unternehmen Probleme bekämen. Das gelte vor allem für die Autoindustrie und Zulieferbetriebe.

Noch für diese Woche kündigte Althaus "viele Gespräche mit Bürgern und Institutionen" an. Bereits am Montag stehe eine Sitzung des CDU-Landesvorstands an. Am Dienstag stehe die erste Kabinettssitzung nach seiner Rückkehr an. Auch sollten in dieser Woche eine große Klinik in Rudolstadt und ein Turboladerwerk eröffnet werden.

Auch in die Bundespolitik will Althaus mit der Teilnahme an der nächsten CDU-Präsidiumssitzung wieder eingreifen. Ausdrücklich dankte er Finanzministerin Birgit Diezel, die ihn vertreten hatte, und dem ganzen Kabinett, dass sie in seiner Abwesenheit in Geschlossenheit und Klarheit gehandelt hätten. "Ich freue mich, dass ich wieder auf der Bühne und in Verantwortung stehe", fügte Althaus hinzu.

An Rücktritt habe er nicht gedacht, antwortete er auf eine entsprechende Frage. Im Übrigen habe er mit der Familie der bei seinem Skiunfall ums Leben gekommenen Frau in letzter Zeit Kontakt gehalten. Aus dem Gutachten ergebe sich, dass er Schuld trage, sagte Althaus. Die erkenne er an, er selbst habe keine Erinnerung an den Unfall.

Der Ministerpräsident war Anfang März nur einen Tag nach Eingang der Anklage von einem österreichischen Bezirksgericht wegen fahrlässiger Tötung bei einem Skiunfall schuldig gesprochen worden.

Althaus war am Neujahrstag auf einer Skipiste in Österreich mit einer 41-jährigen Frau zusammengestoßen, die daraufhin starb. Er selbst erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Im österreichischen Irdning wurde er zu einer Geldstrafe von 33.300 Euro und zu 5000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Über die bislang noch offenen Schadenersatzforderungen gegen ihn wollen sich die Anwälte bis Ende Mai einigen.

In Thüringen finden am 7. Juni Europa- und Kommunalwahlen statt. Zur Landtagswahl am 30. August wollen die Christdemokraten unter Althaus ihre absolute Mehrheit verteidigen.

ler/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.