Rückzug als Linken-Chef: Lafontaine gibt Parteivorsitz ab

Oskar Lafontaine zieht sich aus der Bundespolitik zurück: Der Linken-Chef gibt Parteivorsitz und Bundestagsmandat ab - aus gesundheitlichen Gründen. Damit steht die Parteispitze vor einem Komplettumbau.

Berlin - Linken-Chef Oskar Lafontaine hat seinen Rückzug aus der Bundespolitik erklärt: Der 66-Jährige legt Parteivorsitz und Bundestagsmandat im Mai nieder. Lafontaine sagte auf einer Pressekonferenz nach einer Vorstandssitzung am Samstag in Berlin, der Rückzug habe "ausschließlich gesundheitliche Gründe".

Zuvor war bereits aus Parteikreisen bekanntgeworden, dass Lafontaine auf dem Parteitag in Rostock Mitte Mai nicht erneut kandidieren werde. Lafontaine hatte Ende November eine Krebserkrankung öffentlich gemacht und sich einer Operation unterzogen. Kurz darauf war ein Machtkampf in der Partei entbrannt. Seit Wochen wurde spekuliert, ob Lafontaine sich nach seiner Erkrankung aus der Bundespolitik weitgehend zurückzieht und sich auf die Arbeit als Fraktionschef im Saarbrücker Landtag konzentriert.

Lafontaine nannte seine Krankheit als alleinigen Grund für den Rückzug. "Der Krebs war ein Warnschuss" und seine "zweite existenzielle Krise" nach dem Attentat von 1990, erklärte der Linken-Politiker. Eine verwirrte Frau hatte den damaligen SPD-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten mit einem Messer lebensbedrohlich am Hals verletzt. Gewissheit über den weiteren Verlauf der Krankheit könne es nicht nach wenigen Wochen geben. "Der Vorstand hat den Rückzug bedauert und akzeptiert", sagte Lafontaine.

Weiter "bundespolitisch Wirkung erzielen"

Bis zum Ende seiner Amtszeit als Parteivorsitzender werde er sich nach Kräften für die Partei einsetzen. "Ich bringe mich in den NRW-Wahlkampf ein", verkündete Lafontaine. Im Saarland bleibt er der Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag. Auch von dort werde er "bundespolitisch Wirkung erzielen", sagte Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi, der bei der Pressekonferenz neben Lafontaine saß.

Gysi lobte Lafontaine und unterstrich seine politischen Verdienste. Lafontaine "war, ist und bleibt eine herausragende Figur" in der deutschen wie europäischen Politik, sagte Gysi. Er habe sich herausragende politische Verdienste erworben. "Er ist nicht ersetzbar", sagte Gysi.

Der frühere SPD-Vorsitzende Lafontaine führt die Linke zusammen mit Lothar Bisky seit dem Zusammenschluss von Linkspartei.PDS und WASG im Jahr 2007. Bisky wird im Mai ebenfalls nicht wieder kandidieren. Damit steht die Parteispitze vor einem Komplettumbau.

Machtkämpfe in der Partei

Zuletzt hatten Machtkämpfe zwischen Realos und Fundis die Linke erschüttert. Auch Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, der als Lafontaine-Gegner gilt, kündigte zuletzt an, im Mai nicht erneut für dieses Amt zu kandidieren. Ihm war zuvor Illoyalität gegenüber Lafontaine vorgeworfen worden. Fraktionschef Gysi hatte sich dabei gegen Bartsch gestellt.

Zu den Spannungen zwischen Bartsch und ihm sagte Lafontaine: "Die letzten Wochen habe ich nicht als Machtkampf erlebt. Es gab nur unterschiedliche Vorstellungen über die Wahrnehmungen von Aufgaben." Lafontaine sagte über sein Wirken an der Spitze der Linken, "die Profilierungsstrategie der vergangenen Jahre war die richtige." Es gebe auch keinen Streit darüber, beteuerte Lafontaine. "Dass der Osten regierunsgwillig ist, der Westen aber nicht, stimmt nicht."

Diskussion über Nachfolge steht bevor

Lafontaine wird nach Ansicht von Bundestagsfraktions-Vize Gesine Lötzsch auch nach seinem Rückzug vom Vorsitz eine wichtige Rolle in der Politik spielen. "All diejenigen, die hoffen, dass er sich aus der Politik zurückziehen wird, werden sich geirrt haben", erklärte sie am Samstag beim Landesparteitag der baden-württembergischen Linken in Stuttgart. Lafontaines Beitrag zur Vereinigung der Linken mit der WASG bezeichnete Lötzsch als "historisch". "Ich weiß nicht, wer in diesem Land eine solche Leistung vollbracht hat."

Sachsens Linken-Fraktionschef André Hahn fordert eine "offene, vor allem aber würdevolle Diskussion" um die neue Parteispitze. Nach der Rückzugsankündigung von Parteichef Oskar Lafontaine sagte Hahn in Chemnitz, in die Nachfolge-Regelung müssten auch die Landes- und Fraktionschefs einbezogen werden. Zugleich bedauerte Hahn die Entscheidung Lafontaines, "aber die Gesundheit geht immer vor".

Auf die Frage ob er nach einer möglichen Genesung wieder für das Amt des Bundesvorsitzenden zur Verfügung steht, antwortete Lafontaine selbst ausweichend: "Ich bin derzeit mit meiner Genesung beschäftigt."

cht/suc/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Rückzug: Wohin steuert die Linke ohne Lafontaine?
insgesamt 1359 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Roque Spiegel 23.01.2010
Zitat von sysopAusstieg aus der Bundespolitik: Oskar Lafontaine gibt nach Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen Parteivorsitz und Bundestagsmandat ab. Wohin steuert die Linke ohne Oskar Lafontaine?
Hoffentlich wieder dahin, wo sie vor seinem Einstieg mit Gysi unter dem Namen PDS rumkrebste (jedenfalls auf bundespolitischer Ebene). Das halte ich auch gar nicht für so unwahrscheinlich, nachdem die Bevölkerung so langsam aber sicher irritiert ist, dass die Linke immer noch kein Parteiprogramm auf die Beine gestellt hat und die Zugfigur Lafontaine sich verabschiedet.
2. Nun..........
Klaus.G 23.01.2010
das ist definitiv das Ende der Linken. In NRW wird die Linke scheitern und in keinem einigen Parlament im Westen mehr einziehen. Bei der SPD können die Sektkorken knallen und die Wirtschaft kann dies auch tun. Jetzt ist der Weg entgültig frei für eine völlige Zerstörung der sozialen Marktwirtschaft. Es ist einfach unverantwortlich von Oskar Lafontaine jetzt auch noch den Parteivorsitz hinzuschmeissen. Die Linken die auf einen gleichwertigern Ersat im Westen spekulieren werden sich noch wundern. Der Abstieg der Linken hat heute begonnen. Glückauf!
3. Der Weg in die Bedeutungslosigkeit hat begonnen.
Kalix 23.01.2010
Mit Rückgang der Akzeptanz im Westen fehlen der LINKE 3 - 4 % bundesweit. Kommt es im Osten zu einer neuen Fokussierung zwischen Altkommunisten und Reformern, kommen dann noch 1x 2 - 3 % Verlust dazu - das war's.
4. Na denn
UweKarl 23.01.2010
und Tschüss......ohne Bedauern Uwe Karl
5.
Langles 23.01.2010
Zitat von sysopWohin steuert die Linke ohne Oskar Lafontaine?
In Richtung ortsspezifischer Bedeutung, gleichsam die Rolle einer Ost-CSU einnehmend. (Zu Lafontaines Rückzug wären mir auch noch ein paar Sätze eingefallen, aber man sollte wohl zumindest abwarten, inwieweit das direkt mit seinem gesundheitlichen Zustand zu tun hat.)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Oskar Lafontaine
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Lafontaines Welt: Querkopf, Kampfkandidat, Linken-Chef