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Möglicher Amtsverzicht: Merkel-Vertraute erwarten freiwilligen Rücktritt der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Merkel: Freiwilliger Abgang statt möglicher Wahlniederlage Zur Großansicht
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Bundeskanzlerin Merkel: Freiwilliger Abgang statt möglicher Wahlniederlage

Eine mögliche Wahlniederlage soll nicht über ihre Zukunft entscheiden: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 eines Tages freiwillig aus dem Amt zu scheiden.

Berlin - Sie will entscheiden, auch über ihren eigenen Abgang: Nach Einschätzung mehrerer Kabinettsmitglieder und hochrangiger Unionspolitiker ist Bundeskanzlerin Angela Merkel entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 freiwillig aus dem Amt zu scheiden und nicht auf eine Wahlniederlage oder eine parteiinterne Ablösung zu warten. Das berichtet der SPIEGEL unter Berufung auf Partei- und Regierungskreise. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

"Das reizt sie wirklich sehr", zitiert das Magazin stellvertretend ein Mitglied von Merkels Regierungsmannschaft. Für den Fall einer plötzlich anstehenden Nachfolgeregelung werden derzeit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die besten Aussichten eingeräumt. Dass Merkel ihr das Verteidigungsressort übertrug, wird als klarer Hinweis gewertet, von der Leyen durch die Gelegenheit zur außenpolitischen Bewährung kanzlerfähig zu machen.

Ob die Kanzlerin nach einem möglichen Ende ihrer Amtszeit ein internationales Amt anstrebt, gilt in Merkels Umfeld als offen. Als mögliche Posten werden der des Uno-Generalsekretärs und der des EU-Ratspräsidenten genannt. Beide sind Ende 2016/Anfang 2017 neu zu besetzen. Der langjährige CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok sagte dem SPIEGEL: "In Brüssel können sich sehr viele vorstellen, dass Angela Merkel einmal als Ratspräsidentin ihre Erfahrung und Tatkraft für Europa nutzbar macht. Sie würde auf breite Zustimmung stoßen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
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Angela Merkel ist seit neun Jahren Kanzlerin. Schon bald ist sie länger im Amt sein als fünf ihrer Amtsvorgänger. Dann haben nur noch Helmut Kohl und Konrad Adenauer insgesamt mehr Amtsjahre.

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Geboren wird sie am 17. Juli 1954 in Hamburg als Angela Dorothea Kasner. Ihr Vater Horst Kasner ist evangelischer Theologe, ihre Mutter Herlind Kasner Latein- und Englischlehrerin. Kurz nach der Geburt seiner Tochter Angela siedelt das Paar in die DDR über, wo Horst Kasner eine Pfarrstelle antritt. Zunächst in Quitzow bei Perleberg, ab 1957 im brandenburgischen Templin. Dort wächst sie mit ihren beiden jüngeren Geschwistern auf. Hier ist sie 1973 beim Zelten im brandenburgischen Himmelpfort zu sehen.

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Angela Merkel beim Volleyballspielen 1973 in Himmelpfort - es ist das Jahr, in dem sie ihr Abitur an der Polytechnischen Oberschule im brandenburgischen Templin macht. In den siebziger Jahren studiert sie Physik in Leipzig, geht dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Berliner Zentralinstitut für Physikalische Chemie, wo sie promoviert. Ihr Thema: die Berechnung von Geschwindigkeitskonstanten von Reaktionen einfacher Kohlenwasserstoffe. Die Ehe mit dem Physikstudenten Ulrich Merkel wird 1982 nach fünf Jahren geschieden. Merkel war Mitglied der SED-Jugendorganisation FDJ, der Einheitspartei trat sie jedoch nicht bei.

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In der Wendezeit engagiert sich Merkel beim Demokratischen Aufbruch, ab Februar 1990 übernimmt sie die Pressearbeit. Nach der ersten und einzigen freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 wird Merkel stellvertretende Regierungssprecherin.

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Bald darauf tritt sie der DDR-CDU bei, die sich mit der West-CDU zusammenschließt. Nach der Wiedervereinigung zieht Merkel bei der ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember 1990 als Direktkandidatin für den Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern-Rügen in den Bundestag ein. Bundeskanzler Helmut Kohl macht sie zur Ministerin für Frauen und Jugend.

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"Kohls Mädchen" ist als Ministerin zunächst unauffällig - aber nicht ohne Machtinstinkt. Merkel weiß: Ohne Hausmacht ist sie auf ihren Förderer angewiesen, und Kohl enttäuscht sie nicht. Im November 1991 wird sie stellvertretende CDU-Chefin, im Juni 1993 übernimmt sie auch den Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern.

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Nach der Bundestagswahl 1994 wechselt Merkel an die Spitze des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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Wahlschock 1998: Nach 16 Jahren im Amt wird Helmut Kohl abgewählt. Die CDU stürzt in eine Krise. Merkel gilt als Zukunftshoffnung, sie wird Generalsekretärin ihrer Partei und löst sich von ihrem Ziehvater Kohl.

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Im Jahr 2000 tritt CDU-Chef Wolfgang Schäuble wegen der Parteispendenaffäre zurück. Merkel wird seine Nachfolgerin und erste Frau an der Spitze der Christdemokraten.

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Merkel überlässt CSU-Chef Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl im September 2002. Schwarz-Gelb verpasst die Mehrheit, Merkel übernimmt nach der Wahl den Fraktionsvorsitz.

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Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im September 2005 wird die Union knapp stärkste Kraft. Merkel wird Kanzlerin einer Großen Koalition und erste Frau an der Spitze der Bundesregierung. Mit 51 Jahren ist sie auch die bisher jüngste Amtsinhaberin.

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Der britische "Economist" nennt Merkel einen "World Star", das US-Magazin "Forbes" kürt sie zur mächtigsten Frau der Welt. Die Regierungschefin wird zunächst als Außenkanzlerin wahrgenommen - sie vermittelt auf EU-Gipfeln, belebt die deutsch-amerikanische Freundschaft neu, spricht in Russland und China auch heikle Fragen an. Als Gastgeberin des G-8-Gipfels in Heiligendamm im Juni 2007 drängt sie US-Präsident George W. Bush zu mehr Engagement in der Klimapolitik.

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Klimakanzlerin Merkel mit ihrem Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einem Besuch in Grönland 2007, sie wollen sich ein Bild über die Auswirkungen des Klimawandels machen. Schon damals scheinen sich die beiden gut zu verstehen.

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Bei der Bundestagswahl im September 2009 reicht es für Merkels Wunschkoalition: Schwarz-Gelb übernimmt die Regierung. Merkel schafft es damit, sich weitere vier Jahre an der Spitze der Regierung zu sichern. FDP-Chef Guido Westerwelle wird ihr Stellvertreter und Außenminister.

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Merkel mit ihrem Mann, dem Chemieprofessor Joachim Sauer, mit ihm ist sie seit 1998 verheiratet. Er tritt nur selten mit seiner Frau bei offiziellen Terminen auf, hier besuchen die beiden die Bayreuther Festspiele.

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Die Regierungschefin 2012 zu Besuch in Athen mit Premier Antonis Samaras: In der Euro-Krise drängt Merkel auf einen harten Sparkurs - das kommt in den hochverschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland nicht gut an, die auf Milliardenhilfen der anderen Mitgliedstaaten angewiesen sind.

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Merkel wollte ihn eigentlich nicht als Bundespräsidenten: Um einen Koalitionsbruch mit der FDP abzuwenden, stimmt die Union dann doch im Februar 2012 für den ostdeutschen Theologen und Ex-Bürgerrechtler Joachim Gauck.

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Hoher Besuch in Berlin: US-Präsident Barack Obama tritt im Juni 2013 mit Merkel vor dem Brandenburger Tor auf. Kurz zuvor sind erste Berichte über Spähprogramme der US-Geheimdienste bekannt geworden. Wenige Wochen nach dem Besuch berichtet der SPIEGEL, dass auch das Handy der Kanzlerin überwacht wurde.

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Merkel beim TV-Duell gegen ihren Herausforderer Peer Steinbrück von der SPD: Sie trägt eine Halskette in den Deutschlandfarben. Bis heute genießt die CDU-Parteichefin hohe Sympathiewerte.

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Partystimmung im Konrad-Adenauer-Haus: Bei der Bundestagswahl im September 2013 holt Merkel den Wahlsieg. Sie kann damit erneut Kanzlerin werden. Nachdem die FDP den Einzug in den Bundestag verpasst hat, koaliert sie nun wieder mit der SPD.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 672 Beiträge
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1. Nachfolgerin UvdL?
Achmuth_I 13.07.2014
Zitat von sysopDPAAuf eine Wahlniederlage will sie nicht warten: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 freiwillig aus dem Amt zu scheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rueckzug-von-merkel-kanzlerin-erwaegt-offenbar-freiwilligen-ruecktritt-a-980733.html
Zum ersten Mal verspüre ich etwas wie den Wunsch, dass Frau Merkel im Amt bleibt.
2. Zusammenhang?
Meskiagkasher 13.07.2014
Woher kommt heute dieser seltsame Artikel? Erstens hat Frau Merkel bisher noch *alles* ausgesessen und zweitens ist bis zur nächsten Wahl noch lange hin.
3. Überfällig
Blaumilchvor, 13.07.2014
Nach all dem Schaden den sie der Bundesrepublik durch aussitzen und ihr klägliches Verhalten in der Spionageaffäre gezeigt hat wäre dieser Schritt bereits heute schon fällig!
4. es spielt keine Rolle mehr ...
Hilfskraft 13.07.2014
... was, wieviel, seit wann sie etwas gewusst hat. Dies alles muß Gegenstand der Aufklärung sein. Sie aber war alleine für alles, gemäß ihres Amtseides verantwortlich! Alleine dies ist Grund genug für diesen alternativlosen Schritt ...!!!
5.
Björn Borg 13.07.2014
Zitat von sysopDPAAuf eine Wahlniederlage will sie nicht warten: Angela Merkel ist nach SPIEGEL-Informationen entschlossen, als erste deutsche Regierungschefin seit 1949 freiwillig aus dem Amt zu scheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rueckzug-von-merkel-kanzlerin-erwaegt-offenbar-freiwilligen-ruecktritt-a-980733.html
Sofort sollte sie zurücktreten und damit die Konsequenz aus ihrem Versagen im NSA-Skandal ziehen. Ihre wichtigste Aufgabe war es, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden - das ist mehr als nur misslungen. Zurücktreten, Frau Merkel: BitteDanke!
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