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Rüffel für Guttenberg: Marinebericht entlastet Kapitän der "Gorch Fock"

Im "Gorch-Fock"-Skandal hat Karl-Theodor zu Guttenberg den Kapitän im Ruckzuck-Verfahren suspendiert - womöglich ohne triftigen Grund, wie sich nun herausstellt. Die Vorwürfe seien "zum großen Teil nicht haltbar", heißt es im Bericht der Untersuchungskommission.

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"Gorch Fock": Kapitän entlastet, Guttenberg belastet

Hamburg - Er selber klebte trotz Plagiatsaffäre lange an seinem Posten, bei anderen war Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schneller: Als der "Gorch-Fock"-Skandal im Januar bekannt wurde, suspendierte er abrupt den Kapitän des Schiffs - ohne Anhörung der Person. Nun stellt sich heraus: Die gegen den Kapitän erhobenen Vorwürfe erweisen sich "zum großen Teil als nicht haltbar". Dies berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf den Bericht der Untersuchungskommission zu den Vorfällen auf der "Gorch Fock". Mit anderen Worten: Der abgesetzte Kapitän wurde nachträglich entlastet - und zu Guttenberg belastet.

"Soweit Vorwürfe in Teilen bestätigt werden konnten, besaßen diese bei Weitem nicht die Qualität, die ihnen ursprünglich beigemessen worden ist", heißt es in dem 98-seitigen Bericht. Die Untersuchungskommission war vom Chef des Marineamts, Horst-Dieter Kolletschke, geleitet worden.

Anlass des Skandals waren Beschwerden von Offiziersanwärtern nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin im November über vermeintlich unzumutbaren Drill auf der "Gorch Fock". Diese Beschwerden bewerten die Ermittler nun jedoch als "Einzeläußerungen".

"Menschliche Fehlbarkeit"

Verteidigungsminister war damals der CSU-Politiker zu Guttenberg, der mittlerweile wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetreten ist. Er hatte Kapitän Norbert Schatz vorläufig suspendiert und die Rückkehr des Segelschulschiffs nach Deutschland angeordnet. Zuvor waren Vorwürfe von Offiziersanwärtern über Schikanen an Bord bis hin zu sexueller Nötigung bekannt geworden.

Für ihren Untersuchungsbericht hat die Kommission 221 Offiziersanwärter und 192 Angehörige der Stammbesatzung der "Gorch Fock" befragt. In ihrer Abschlussbewertung betonen die Ermittler, es sei gerade auch wegen der räumlichen Enge und der fehlenden Privatsphäre an Bord des Seglers nicht zu vermeiden, dass die "menschliche Fehlbarkeit gelegentlich im Einzelfall zu Beanstandung Anlass gibt". Persönlichem Versagen Einzelner sei die Schiffsführung jedoch "konsequent begegnet". Die Dienstaufsicht gegen "systembedingte Risiken" für die Grundsätze der Inneren Führung im Rahmen der Ausbildung würde "grundsätzlich greifen".

Die Untersuchungskommission widerspricht vor allem dem Kernvorwurf mehrerer Kadetten in Eingaben an den Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sie seien nach dem tödlichen Sturz einer Kameradin aus der Takelage von ihren Ausbildern genötigt worden, wieder in die Segel zu klettern.

"Komplettes Durcheinander angerichtet"

Auf Ex-Verteidigungsminister Guttenberg wirft der Fall kein gutes Licht. Scharfe Kritik kam am Sonntag auch vom rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD). Er warf zu Guttenberg völliges Versagen vor. "Wer so einen Stuss anrichtet, bei dem ist es gut, dass er nicht mehr in der Politik ist", sagte Beck der "Leipziger Volkszeitung". Dabei bezog sich Beck auf zu Guttenbergs Arbeit als Verteidigungsminister.

Zu Guttenberg habe nichts gemacht, das wirklich politisch trage, "abgesehen davon, dass er gesagt hat, in Afghanistan ist Krieg". Was zu Guttenberg als Minister in Sachen Bundeswehrreform auf den Weg habe bringen wollen, "hätte bei der Umsetzung das totale Chaos verursacht", sagte Beck. Schaumschlägerei dürfe nicht zum Maßstab der Politik werden. Der Job des Verteidigungsministers bedeute harte Arbeit. Dagegen habe Guttenberg "ein komplettes Durcheinander angerichtet".

Als besonderes Beispiel führte Beck den von der Wehrpflicht abhängigen Zivildienst an: "Der Zivildienst platzt auseinander, und niemand weiß, wie es wirklich weitergeht. Das ist eine Katastrophe für die Menschen."

wal/dapd

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insgesamt 185 Beiträge
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1. Der arme KT
normaacht 13.03.2011
Der arme KT kann einem aber auch leidtun. Dabei war er nur am falschen Platz. Er hätte vielleicht besser für den AWD arbeiten sollen.
2.
Sphynx, 13.03.2011
Hmm, so wie ich das verstanden habe, wurde er doch erstmal Aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe für die Dauer der Untersuchung abberufen. KT (nein, ich bin kein Fan) hat doch gesagt, man prüfe die Vorwürfe und wenn diese sich als unbegründet erweisen, würde der Kapitän wieder in sein Amt zurückkehren. Von daher hab ich die Aufregung um die Abberufung nie ganz verstanden...
3. Rüffel
rsi 13.03.2011
Ich sehe den Rüffel eher für die Medien wie z.B. SPON. Die sind über die Führung der Gorch Fock sofort hergefallen. Guttenberg hat ihn eher aus der Schusslinie herausgeholt.
4. Aufklärungsverfahren
Bitmap, 13.03.2011
Zitat von sysopIm "Gorch-Fock"-Skandal hat Karl-Theodor zu Guttenberg den Kapitän im Ruckzuck-Verfahren suspendiert - womöglich ohne triftigen Grund, wie sich nun herausstellt. Die Vorwürfe seien "zum großen Teil nicht haltbar", heißt es im Bericht der Untersuchungskommission. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750631,00.html
Soweit ich gehört habe, leitet bei der Aufklärung eines solchen Vorfalls auf einem Schiff normalerweise der Kapitän des Schiffes das Verfahren. Wenn sich die Anklage gegen den Kapitän selbst richtet, muss dieser somit logischerweise suspendiert werden, damit ein anderer die Ermittlungen leiten kann. Damit war diese Maßnahme kein vorschnelles Ergebnis, sondern erst einmal die Voraussetzung für ein Aufklärungsverfahren. Dass zu Guttenberg dafür kritisiert werden soll, kann ich nicht wirklich nachvollziehen (wenn nicht gerade oben gesagtes falsch sein sollte).
5. dieser Bericht mildert vielleicht
janne2109 13.03.2011
den Phantomschmerz bei einigen Fans ( zu denen auch ich gehörte) Kennedy war für die damalige Generation ebenfalls eine Lichtgestalt, als Präsident hat er nichts in den Geschichtsbüchern hinterlassen. Das ist leider meist die Quintessenz bei (über?) dynamisch wirkenden Menschen und vielleicht denken wir darüber sogar mal nach wenn wir wieder über Fr. Merkel meckern, wie wohltuend doch die Ruhe im Sturm sein kann für ein Volk. Hier sollte jeder von uns einen Moment inne halten ob nicht an diesen Worten etwas wahres ist.
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