Diplomatie Helmut Kohl, Russlands Geheimdienst und Telefonate mit Reagan im Campingbus

Es sollte ein Freundschaftsdienst für den US-Außenminister in Moskau sein. Doch 1987 entging die Bundesregierung von Helmut Kohl nach Informationen des SPIEGEL nur knapp einer peinlichen Panne.

George Shultz (li.), Helmut Kohl
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George Shultz (li.), Helmut Kohl


Der deutsche Gesandte an der Botschaft in Washington wollte den Amerikanern im Jahre 1987 einen Gefallen tun - und brachte die Bundesregierung von Kanzler Helmut Kohl damit nach Informationen des SPIEGEL in die Bredouille.

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Heft 17/2018
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Die Verbündeten hatten gejammert, Außenminister George Shultz könne bei einem anstehenden Besuch in Moskau nicht telefonieren, weil die Sowjets die US-Botschaft verwanzt hätten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Da bot der hilfsbereite Deutsche an, den abhörsicheren Raum in der Bonner Vertretung in Moskau zu nutzen - und brachte damit Bonn in die Bredouille, wie Unterlagen des Auswärtigen Amts zeigen, die das Institut für Zeitgeschichte veröffentlicht (De Gruyter Verlag).

Man wisse doch, wie umfassend die Sicherungsmaßnahmen der CIA ausfielen, schimpfte ein Diplomat. Der US-Geheimdienst würde gleich "die Botschaft 'besetzen'", in den Räumen möglicherweise sogar "manipulieren und präparieren". Der Chiffrierraum sei tabu. Spezialisten müssten hinterher alles "gründlich untersuchen".

Shultz mit Gorbatschow während des Moskau-Besuchs
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Shultz mit Gorbatschow während des Moskau-Besuchs

Doch dazu kam es nicht. Für den Shultz-Besuch flogen die Amerikaner einen Campingbus nach Moskau. Das Gefährt sollte abhörsicher sein, hofften sie. Von dort telefonierte Shultz mit Präsident Ronald Reagan.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 6 Beiträge
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hwoop 21.04.2018
1. Ich kann mich an einen Witz erinnern...
den mir Kollegen "aus der Ostzone" erzählten: Warum gibt es in der DDR nur zweilagiges Klopapier? Der duchschlag ging nach Moskau! Ich denke im Westen unserer geliebten deutschen Heimat, war es nicht viel anders, nur unser Durchschlag ging nach Washington. Also was soll die Aufregung, dass die Amis damals die dt. Botschaft anschließend abgehört hätten. Seit der Organisation Gehlen wird doch fleißig geliefert.
Un:sinn 21.04.2018
2. Verwanzt?
"Abhören unter Freunden, das geht gar nicht"! Merkel! "Es gibt keine Freundschaft unter Staaten, es gibt nur Interessen" Egon Bahr! Wie wir heute wissen hätte es keinen Unterschied gemacht ob die US Kollegen in den Raum gekommen wären oder nicht. Was die "Freunde" von und aus Deutschland wissen wollen wissen sie. Der BND ist eine CIA Blüte: Der Chef des deutschen Bundeskriminalamts hat den USA alles zugetragen was sie wissen wollten oder auch nicht. Und da gibt es bis heute auch noch Verträge nach denen die Bundeskanzlerin den Besatzungsmächten alles vorlegen muß was deren Status angeht. Zitat: "»Deutschland ist bis heute ein besetztes Land« Auch die Wiedervereinigung setzte der kompletten Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs durch die Alliierten kein Ende. Vielmehr bekräftigte die Bundesregierung, sie werde die Bestimmungen der Besatzungszeit übernehmen. Darunter solch folgenschwere Verträge wie den Aufenthaltsvertrag (US-Geheimdienste) von 1954 und Zusatzverträge zum NATO-Truppenstatut von 1959. In den Verträgen sind Geheimhaltungsgebote festgeschrieben, die selbst Bundeskanzlerin Merkel knebeln. "
as@hbx.de 21.04.2018
3. Ich hätte gern die Quelle...
Zitat von Un:sinn"Abhören unter Freunden, das geht gar nicht"! Merkel! "Es gibt keine Freundschaft unter Staaten, es gibt nur Interessen" Egon Bahr! Wie wir heute wissen hätte es keinen Unterschied gemacht ob die US Kollegen in den Raum gekommen wären oder nicht. Was die "Freunde" von und aus Deutschland wissen wollen wissen sie. Der BND ist eine CIA Blüte: Der Chef des deutschen Bundeskriminalamts hat den USA alles zugetragen was sie wissen wollten oder auch nicht. Und da gibt es bis heute auch noch Verträge nach denen die Bundeskanzlerin den Besatzungsmächten alles vorlegen muß was deren Status angeht. Zitat: "»Deutschland ist bis heute ein besetztes Land« Auch die Wiedervereinigung setzte der kompletten Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs durch die Alliierten kein Ende. Vielmehr bekräftigte die Bundesregierung, sie werde die Bestimmungen der Besatzungszeit übernehmen. Darunter solch folgenschwere Verträge wie den Aufenthaltsvertrag (US-Geheimdienste) von 1954 und Zusatzverträge zum NATO-Truppenstatut von 1959. In den Verträgen sind Geheimhaltungsgebote festgeschrieben, die selbst Bundeskanzlerin Merkel knebeln. "
... Ihres Zitats. Wer hat das wann gesagt? Und kommen Sie mir nicht mit Schreihälsen wie Höcke oder Gauland!
Knossos 21.04.2018
4. Nichts Brisanteres zum Veröffentlichen?
Das Auswärtige oder sonstige Amt kann wohl nicht über das Institut für Zeitgeschichte jene Stasi-Mitschnitte von Kohl-Telephonaten veröffentlichen, die brisant genug waren, daß die erste Amtshandlung nach Mauerfall jene war, besagte Aufzeichnungen "zu sichern" und unter Verschluß zu bringen. Blöde Frage von mir, ich weiß. Aber doch bedauerlich merkwürdig, daß es in einer Gesellschaft, die sich Demokratie nennt, auf Führungsebenen mehr Geheimnisse gibt als alles Andere. Da darf man dann nicht von Kohls industriegesponserten Kriegskassen sprich persönlichen Rücklagen erfahren, von denen bei Bedarf z.B. schon mal 20 Mio. DM nach Südeuropa gingen, um Rechtsextreme Bombenanschläge ausführen zu lassen, die den Sozialisten angehängt und ihre bis dahin als sicher geltende Wahl verhindern konnten. Oder erinnert sich jemand an einen Zeugen zu einem angeblichen Mordauftrag durch Kohl? Der Mann war schneller zum Geisteskranken erklärt und aus der Öffentlichkeit verschwunden, als man "Wie bitte, was?" sagen konnte. Na ja, sollte ich einmal irgendwo vertreten werden, möchte ich auch nicht wissen, was in meinem Namen gesagt und unternommen wird; oder?
M. Vikings 21.04.2018
5. Ganz schlimme Bredouille.
Da kann man mal sehen wie unterwürfig die damals waren, und das zieht sich bis Heute durch. Da läßt man eben nur Shulz und einen seiner Bodyguards rein und weist denen ein Zimmer zu. Den Rest der Räume schließt man für die kurze Zeit ab, und gut is. Zu der Zeit war die Überprüfung auf Wanzen übrigens relativ einfach. Die Technik war im Gegensatz zu Heute eher primitiv. Man musste es eben nur machen. Ich habe so etwas 1986 am Rande miterlebt. Da hatte Jelzin das komplette obere Stockwerk im CCH gemietet. Dafür haben die ca. 1 Stunde gebraucht. Allerdings weiß ich nicht ob die das komplette Stockwerk überprüft haben oder nur einige Zimmer, die haben mich leider vorher weggeschickt.
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