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S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Der grüne Vampirismus

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In der Union träumen immer noch nicht wenige von Bündnissen mit den Grünen, dabei kennt ein solcher Zusammenschluss nur einen Verlierer - wie die Wahl in Hamburg zeigt. Wo die Umweltfreunde mitregieren, liegt der Partner anschließend geschwächt am Boden.

Zu den großen, unvollendeten Projekten der Parteivorsitzenden Angela Merkel gehört die Modernisierung der CDU. Weiblicher, jünger, großstädtischer soll die Partei werden, mit einem Wort: irgendwie grüner. Da liegt es nur nahe, auch auf Regierungsebene zusammenzuführen, was scheinbar längst zueinander will. Noch traut sich die Kanzlerin nicht, selbst von einem Bündnis mit den Grünen zu reden; als "Hirngespinste" hat sie kürzlich entsprechende Überlegungen abgetan, so viel Rücksicht auf den aktuellen Koalitionspartner nimmt sie dann doch. Aber schon eine Ebene tiefer, in der zweiten Reihe der Partei, redet man munter über die Vorzüge einer schwarz-grünen Verbindung.

Sie sei ein offener Mensch und gehe auf die Leute zu, antwortete die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner ganz unbefangen auf die Frage, wie sie über eine Koalition mit den Grünen in Mainz denke. "Schwarz-Grün ist nicht tot, weder in den Ländern noch im Bund", heißt es von der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden und Forschungsministerin Annette Schavan, die eine besonders enge Vertraute der Kanzlerin ist. Die FDP gilt in diesen Kreisen nur noch als Klotz am Bein, dessen man sich gern schnell entledigen würde. Man weiß nur noch nicht genau, wie.

Good luck, liebe CDU!

Besonderen Beifall findet die endgültige Umarmung von Grünen und Christdemokraten in den Meinungsetagen des linksliberalen Bürgertums, kaum ein politisches Projekt erfreut sich dort solcher Zustimmung. Die glühendsten Befürworter dieses Bündnisses trifft man dabei unter langjährigen Grün-Wählern, die mit Angela Merkel 2005 erstmals CDU gewählt haben und die deswegen bis heute ein schlechtes Gewissen quält. Eine schwarz-grünes Zusammenrücken wäre die nachträgliche Absolution des halbherzigen Lagerwechsels, der Beweis, dass die Union im Kern doch gut ist und man mit seiner Wahlentscheidung nicht die eigenen Ideale verraten hat.

Eine ganz andere Frage ist, wie der Union eine solche Operation bekommen würde. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man nur sagen: Good luck, liebe CDU! Das schwarz-grüne Vorzeigeprojekt in Hamburg ist gerade krachend gescheitert. Weil die Grünen mitten in der Legislatur einfach das Wirtstier verließen, wird die Stadt nun wieder links regiert. Dass die Umweltfreunde in der neuen Regierung nicht mehr vertreten sein werden, liegt am überraschend starken Abschneiden der SPD, aber auch sie konnten zulegen.

Tatsächlich haben schwarz-grüne Koalitionen immer nur einen Verlierer, wie ein Blick nach Köln und Kiel zeigt, wo eine solches, von allen Seiten gelobtes Bündnis schon vorher so endete, wie jetzt das in Hamburg. Wer sich mit den Vertretern der Ökopartei einlässt, sollte sich anschließend nicht wundern, wenn er kräftig Blut lässt.

Diese Erfahrung mussten schon die Sozialdemokraten machen, die sich an der Seite der Grünen deutlich mehr veränderten als diese an der Seite der SPD. Wir haben uns angewöhnt, SPD und Grüne als natürliche Partner zu sehen, dabei stand die Sozialdemokratie der Ökopartei in ihren Traditionsrevieren lange ausgesprochen skeptisch gegenüber. Die Technikfeindlichkeit der Grünen war ihr ebenso fremd wie deren gesellschaftspolitischer Erneuerungsglaube. Die SPD war dem kapitalistischen Fortschritt immer aufgeschlossen, in normalen Lebensfragen dagegen ziemlich konservativ, bis sie an der Seite der Grünen lernte, Gentechnik, Kernkraft und selbst Hochgeschwindigkeitszüge als unmodern zu empfinden und die Patchwork-Familie als modern.

Ein Ergebnis dieser Wandlung besteht darin, dass die CDU die letzte deutsche Volkspartei ist. Aber auch dieses Monopol lässt sich brechen, wie Hamburg zeigt.

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Kolumne - Der schwarze Kanal
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insgesamt 163 Beiträge
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1.
shokaku 21.02.2011
Auf Kommunaler- und Landesebene mag das gelten. Dem Zugriff der Schwarzen Witwe auf Bundesebene dürfte sich aber auch der allergrünste Vampier nicht widersetzen können. Mutti schafft sie alle.
2. Ideologen...
bürgerschreck 21.02.2011
Zitat von sysopIn der Union träumen immer noch nicht wenige von Bündnissen mit den Grünen, dabei*kennt ein solcher Zusammenschluss nur einen Verlierer - wie die Wahl in Hamburg zeigt. Wo die Grünen mitregieren, liegt der Partner anschließend geschwächt am Boden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746685,00.html
...machen alle zu Verlierern, außer sich selbst. Die Grünen besetzen systematisch die staatlichen Stellen und lassen sich von der arbeitenden Bevölkerung aushalten. Wer Grün wählt, wählt mit dem Bauch nicht mit dem Kopf. Grün gilt als gut, auch wenn es sinnlos ist, schliesslich hat nicht die CDU die Bundeswehr nach Afghanisran geführt, sondern rot-GRÜN, aber die sind ja jetzt Opposition und wieder dagegen... na klar. PV-Förderung ist auch ganz wichtig, Sonderabgaben auf Betriebsvermögen auch, ebenso der Ausstieg aus der Kernenergie - aber ein Endlager... nene da mochten sich die Grünen Umweltminister nie so drum kümmern. Das ist schlecht, schadet dem Image.
3. Ach, so ist das ...
Franz_Eder 21.02.2011
... die CDU ist die letzte Volkspartei. Bestimmt ist dieser Schreiberling ein sehr kluger Mann. Wir sollten ihm endlich den gebotenen Respekt zollen. Schon allein wegen des Guttenbergstyles.
4. ...
Strichnid 21.02.2011
Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Sowohl für die CDU als auch für Herrn Fleischhauer. Ein weiterer Beitrag aus: "Artikel, die die Welt nicht braucht."
5. vielleicht doch nicht
pulpicon, 21.02.2011
> Diese Erfahrung mussten schon die Sozialdemokraten machen, die sich an der Seite der Grünen deutlich mehr veränderten als diese an der Seite der SPD. Nunja, Grüne für Bundeswehreinsätze, die Proteste gegen Fischer (Farbbeutel, Trommelfell-Anriss), Einführung von Agenda 2010, Hartz, da war schon etwas.. Nur dass solche Umbrüche bei den Grünen schneller verheilten als bei der SPD ist der Unterschied - die SPD hatte (mindestens bis gestern abend) die inneren Widersprüche (Hartz, Globalisierung) noch nicht abheilen können. > Tatsächlich haben schwarz-grüne Koalitionen immer nur einen Verlierer, wie ein Blick nach Köln und Kiel zeigt, wo eine solches, von allen Seiten gelobtes Bündnis schon vorher so endete wie jetzt das in Hamburg Diejenigen die sich der Wirklichkeit und den Herausforderungen nicht stellen sind die Verlierer. Hätte die CDU in Hamburg _mehr_ grüne Politik gemacht anstatt den Partner klein zu halten wäre es vielleicht besser gelaufen. Erst wenn die CDU wirklich "grünere" Politik macht wird sie wieder erfolgreich sein können - ein konservatives "weiter so" ist immer offensichtlicher kein tragfähiges Konzept, was immer mehr Menschen erkennen (Stichwort Nachhaltigkeit).
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Jan Fleischhauer

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