S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal Die Liste des Schreckens

Wovor werden wir uns 2012 fürchten? Manche Ängste überdauern jeden Jahreswechsel. Ein Ausblick auf fünf Katastrophen, die uns auch in diesem Jahr drohen.

Eine Kolumne von


1. Die soziale Spaltung in Deutschland vertieft sich
Die Wirtschaft trotzt allen Krisen, die Nettoeinkommen der Bundesbürger sollen sogar steigen, dennoch werden uns wieder jede Menge Studien erreichen, wonach sich die Armut weiter verfestigt. Höhepunkt dieser Art von Notstandsberichterstattung war vor ein paar Monaten ein Uno-Bericht, wonach jedes vierte Kind in Deutschland hungrig in die Schule kommt. Es stellte sich dann zwar heraus, dass Deutschland offenbar mit Honduras verwechselt wurde, aber die Bundesbürger scheinen für solche Meldungen besonders empfänglich zu sein. Manche meinen, dass das soziale Gewissen in Deutschland besonders ausgeprägt sei. Vielleicht steckt dahinter aber auch einfach die Angst der Leute, dass der Mob wie in London eines Tages im Vorgarten steht, wenn man ihn nicht ausreichend pazifiziert.

2. Guttenberg kehrt zurück
Sein erster Comeback-Versuch gilt als schwer verunglückt, aber das bedeutet nicht, dass man sich vor dem Freiherrn nicht weiter in Acht nehmen muss. Eigentlich sollte man meinen, dass man die Dinge, was Guttenberg angeht, inzwischen etwas gelassener sehen kann. Das Kanzleramt jedenfalls wird er so schnell nicht mehr erreichen, und auch bei den Interview-Partnern ist die Auswahl im Augenblick eher eingeschränkt (was macht eigentlich Pastor Fliege?). Aber weil Guttenberg wie kein anderer in Deutschland die politischen Leidenschaften der Massen zu entzünden vermag, gilt er weiterhin als "wahrhaft gefährlicher Mann" ("FAS") und damit als jemand, den man besser von jedem politischen Amt fernhält. Dem Volk ist nie ganz zu trauen, wie man weiß, Demokratie hin oder her.

3. Brüssel erzwingt die Vorratsdatenspeicherung
Im Lexikon der nationalen Phobien liegt die Datensammelangst weit vorn. Zwar ist nie ganz klar, was eigentlich so schlimm daran sein soll, wenn die Ermittlungsbehörden bei schweren Straftaten auf die Telefonverbindungen Zugriff nehmen können, aber es muss in jedem Fall verhindert werden. Da lassen wir uns auch von der Praxis bei unseren europäischen Nachbarn nicht eines Besseren belehren. Oder durch irgendwelche Anschläge auf türkische Gewerbetreibende, allen Beileidsbekundungen zum Trotz. Im Augenblick wüsste die Polizei zum Beispiel zu gerne, mit wem die beiden Rechtsterroristen aus Thüringen alles Kontakt gehalten haben, bevor sie sich das Lebenslicht ausbliesen. Aber weil die Telefonunternehmen in Deutschland alle Daten nach wenigen Tagen wegwerfen, tappen die Ermittler leider im Dunkeln. Mal sehen, ob unsere tapfere Justizministerin auch dieses Jahr in ihrem Kampf gegen die Datenkraken die Oberhand behält.

4. Handys machen doch krank
Dem Atomtod sind wir mit der Energiewende in letzter Sekunde von der Schippe gesprungen, aber das heißt nicht, dass wir nun vor dem Strahlentod sicher wären. Es gibt so viele Gefahrenquellen, angefangen von der Mikrowelle, der man in alternativen Haushalten bis heute nicht wirklich über den Weg traut. Wer weiß, ob nicht doch das Handy am Ende Gehirnkrebs verursacht. Man hört ja so viel über Forschungsergebnisse, die von der Industrie unterdrückt werden. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang zum Burnout, den wir nur noch nicht sehen. Dass es den Erkrankten hilft, wenn sie mal das Telefon zur Seite legen, scheint ja bereits erwiesen.

5. Die Amerikaner verlieren den Verstand
...und wählen einen Republikaner. Erinnert sich noch jemand an die Begeisterung über den Wahlsieg von Barack Obama? Gut, der Mann hat sich als Riesenenttäuschung erwiesen. Aber nicht auszudenken, wenn nun eine Michele Bachmann aus den Vorwahlen siegreich hervorgehen sollte oder der Erztexaner Rick Perry. Zuzutrauen ist den Amerikanern alles, sie haben schließlich auch George W. Bush ins Weiße Haus gewählt. Und Ronald Reagan. Gegen den Wahlsieg eines Republikaners nimmt sich jeder andere Schrecken wie ein Kinderspiel aus, dagegen kommt nur noch der Euro-Kollaps an.

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insgesamt 77 Beiträge
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ichbinich2011 02.01.2012
1. Brüller
Also, der 5. Teil war der beste, vor allem der Schlussatz...ich muss immer noch lachen. Ich muss sagen ich war früher kein großer Fan vom schwarzen Kanal aber mittlerweile wird er immer besser der Herr Fleischhauer.
wika 02.01.2012
2. 6. Die Peitsche der Kanzlerin …
… die haben sie, lieber Herr Fleischhauer ganz unterschlagen. Auch der Dritte Weltkrieg den sich die USA bemühen zur Ablenkung von anderen Problemen noch im mittleren Osten zu entfachen nimmt sich dagegen als leichte Räuberpistole aus. Aber unsere Jüngsten und Ungeborenen leiden Qualen ob dieser Tatsache: *Galeeren-Merkel zeigt künftigen Zinssklaven die Peitsche* (http://qpress.de/2011/11/18/galeeren-merkel-zeigt-kunftigen-zinssklaven-die-peitsche/) … und gibt damit den eigentlichen Kurs vor. Kann es grausameres geben als mitzuerleben wie die Kinder und zukünftige Generationen schon jetzt für ein sinnloses Finanzfeuerwerk verheizt werden? Von dem sich diese Generationen nie erholen werden. Einfache Rechnung: 1950 gleich 0 Schulden … 1990 rund 500 Milliarden € … heute schon 2 Billionen. Bei einer Vervierfachung alle 20 Jahre dann also 2030 locker 8 Billionen, 2050 eben 32 Billionen und 2070 sage und schreibe 128 Billionen. Hat man da noch Worte? Ok vielleicht liegen sie doch richtig und 2012 wird ganz harmlos, wir werden uns ja den Untergang künftiger Generationen nicht mit ansehen müssen … „Nach uns die Sintflut … (°!°)
Bayrischer Atheist 02.01.2012
3. wie sieht es mit Neuwahlen aus?
Zitat von sysopWovor werden wir uns 2012 fürchten?*Manche Ängste überdauern jeden Jahreswechsel. Ein Ausblick auf fünf Katastrophen, die uns auch in diesem Jahr drohen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806692,00.html
...das wäre doch noch etwas, was uns passieren könnte. Immerhin wird im Mai in Schleswig-Holstein gewählt. Nach noch einem weiteren Kinnhaken wäre es nicht unwahrscheinlich, dass die FDP endgültig den Boden küsst! Ich hätte nichts dagegen (und ich bin teilweise Ex-FDP-Wähler)
vineland 02.01.2012
4. +
Liest sich eher wie Fleischhauers persönliche Wunschliste für 2012. Mit Ausnahme von Punkt 4 vielleicht.
wolfgangotto 02.01.2012
5. Den ultimativen Schrecken vergessen Sie
Zitat von sysopWovor werden wir uns 2012 fürchten?*Manche Ängste überdauern jeden Jahreswechsel. Ein Ausblick auf fünf Katastrophen, die uns auch in diesem Jahr drohen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806692,00.html
Der größte aller Schrecken ist dem Kupferschmied am ... (denn dann kommt die Sache mit dem Grünspan).
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