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S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Westerwelle - eine antizyklische Verteidigung

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Wenn es um den FDP-Chef geht, sind sich nahezu alle einig: Der Mann gehört weg. Keinem anderen Politiker in Deutschland schlägt solche Verachtung entgegen. Warum eigentlich?

Es ist zugegeben ein heikles Unterfangen, Guido Westerwelle verteidigen zu wollen. Man setzt sich sofort der Gefahr aus, mit in den Verachtungsstrudel zu geraten, der ihn in die Tiefe gerissen hat. Aber es ist an der Zeit, ein gutes Wort für ihn einzulegen - schon aus Gründen der Fairness, die allen aufgeklärten Menschen angeblich so am Herzen liegt. Wenn es einen Fall gibt, wo das Antidiskriminierungsgesetz einmal Anwendung finden sollte, dann doch wohl hier.

Über keinen deutschen Politiker ist so viel Abträgliches im Umlauf wie über den Parteichef der FDP. Westerwelle kann machen, was er will, am nächsten Tag steht in den Zeitungen, warum es falsch war. Erst schreibt man ihn unisono herunter, dann nimmt man die sinkenden Sympathiewerte als Bestätigung, dass man mit seiner Einschätzung richtig lag und setzt noch einen drauf. Nicht die Tatsache, dass nur noch 22 Prozent der Deutschen ihn sich als Außenminister wünschen, ist angesichts dieses medialen Abwertungsverfahrens die Nachricht; die eigentliche Sensation ist, dass sich überhaupt noch so viele Menschen trauen, ihm auf Nachfrage ein positives Zeugnis auszustellen.

Sicher, Westerwelle ist ein politischer Freak, aber ist das Claudia Roth nicht auch? Seit sechs Jahren steht die ehemalige Managerin der Rockband "Ton Steine Scherben" als oberste Emotionalienhändlerin den Grünen vor, mit wöchentlich wechselnder Haarfarbe und stets griffbereitem Taschentuch, und trotzdem zieht nicht jeder über die arme Frau her, die Betroffenheit zum Wesensmerkmal guter Politik erklärt hat.

Ein Wichtigtuer, ein Blender, kurz: ein Unglück für Deutschland

Es ließen sich noch andere Beispiele für Mandatsträger finden, an deren Auftritten man leicht Anstoß nehmen könnte. Wer einmal näher mit Oskar Lafontaine zu tun hatte, der kann ihm seine öffentlich bekundete Sorge um die Minderbemittelten nicht wirklich abnehmen. Aber nur bei Westerwelle ist sich die Klasse der Meinungsmacher so einig, dass er ein Wichtigtuer, ein Blender, kurz, ein Unglück für Deutschland sei. Man sollte erwarten, dass es irgendwann langweilig wird, immer den gleichen Sack zu prügeln, beim FDP-Chef kennt der Spaß daran offenbar keine Grenzen.

Nicht einmal sein Bekenntnis zur Homosexualität hat ihm geholfen, dabei ist die Zugehörigkeit zu einer allgemein anerkannten Opfergruppe zumindest im linken Lager normalerweise ein verlässlicher Schutz gegen hässliche Bemerkungen, tragen sie einem doch sofort den Vorwurf ein, ein Rassist, Sexist oder Schlimmeres zu sein. Bei Westerwelle sind alle Schmähungsbarrieren außer Kraft gesetzt, was einen zu der Vermutung bringen kann, dass sich in Bezug auf seine Person Vorbehalte artikulieren, die man sonst in den progressiven Kreisen nicht zu äußern wagt. Zu den beliebtesten Verballhornungen seines Namens gehört, wie sollte es anders sein, das Wort "Schwesterwelle". Was bei jedem anderen sofort einen Strafbesuch in einem Gender-Seminar nach sich zöge, erzeugt in seinem Fall nur beifälliges Gelächter.

Westerwelle wird der Rollenerwartung nicht gerecht, die gerade in linken Vierteln an Homosexuelle gerichtet werden, das ist möglicherweise der tiefere Grund für die nahezu pathologische Abneigung, die ihm von dort entgegenschlägt. Schlimm genug, wenn ein Politiker gegen die Ausweitung von Hartz IV ist und den Sozialstaat insgesamt für zu groß und mächtig hält - aber ein Schwuler? Von den Angehörigen ehemals verfolgter Minderheiten wird eine besondere Sensibilität erwartet, wenn es um die sozialen Belange anderer Minderheiten geht, die noch um Anerkennung als Verfolgte ringen. Wer selber einmal ausgegrenzt war, oder jedenfalls herkunftsmäßig dieses Schicksal teilt, wird automatisch zu den Anwälten der gemeinsamen Sache gezählt. Westerwelle ist so gesehen ein Verräter, er verweigert sich der geforderten Identitätspolitik. Dass ihm dies so viel Verachtung einträgt, ist der eigentliche Skandal.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, Claudia Roth sei Bandmanagerin der "Toten Hosen" gewesen. Tatsächlich hat sie für die Rockband "Ton Steine Scherben" gearbeitet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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Kolumne - Der schwarze Kanal
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insgesamt 386 Beiträge
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1. Villeicht
kaiserjohannes 24.01.2011
liegt es daran dass die sexuelle Neigung kein Ersatz für politisches Gespür und Rückgrat ist.
2. Los geht's
Olaf 24.01.2011
Zitat von sysopWenn es um den FDP-Chef geht, sind sich nahezu alle einig: Der Mann gehört weg. Keinem anderen Politiker in Deutschland schlägt solche Verachtung entgegen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740811,00.html
Na, das wird ja wieder ein Aufreger.
3. X
Betonia, 24.01.2011
Zitat von sysopWenn es um den FDP-Chef geht, sind sich nahezu alle einig: Der Mann gehört weg. Keinem anderen Politiker in Deutschland schlägt solche Verachtung entgegen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740811,00.html
Wegen seines Auftretens. Er benimmt sich hochnäsig und arrogant, aber leider ist nicht viel dahinter. Gleich zu Anfang bei der Pressekonferenz: Wir sprechen hier deutsch... Dann das Millionengeschenk der Steuerersparnis an die Hoteliers... der Vorwurf "römischer Dekandenz" an die Hartz-4-Empfänger.. Nur große Töne. Und das erzeugt Verachtung beim Wahlvolk.
4. Claudia Roth
troll2000 24.01.2011
Zitat von sysopWenn es um den FDP-Chef geht, sind sich nahezu alle einig: Der Mann gehört weg. Keinem anderen Politiker in Deutschland schlägt solche Verachtung entgegen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,740811,00.html
..war nie Bandmanagerin der "Toten Hosen" sondern der Band "Ton Steine Scherben" um den leider viel zu früh verstorbenen Rio Reiser. Wenn das bei der Recherche schon schief läuft......., was soll man dann von den anderen Daten halten?
5. Auf den Punkt gebracht
ecce homo 24.01.2011
Der Grund warum Westerwelle so unbeliebt ist, liegt zum einen darin, daß er schlecht englisch spricht und man von einem Außenminister erwartet, daß er dies gut kann. Hinzu kommt noch, daß er sich eher wie ein trotziges Kind als wie ein Erwachsener verhält, der berechtigte Kritik einsehen kann. Der Deutsche schämt sich für den Minister, der ihn im Ausland vertritt. Das gab es bei keinem anderen Außenminister vorher. Außerdem machte er bereits ziemlich früh den Eindruck, daß er nur einen bestimmten Posten bzw. eine bestimmte Macht erreichen wollte und von da an die Vorteile dieses Amtes genießen und es sich bequem machen wollte. Diese beiden Dingen haben ihn so unbeliebt gemacht.
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Jan Fleischhauer

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