S.P.O.N. - Im Zweifel links Einmal stolz, Deutscher zu sein!

Fast überall, wo die Pegida-Bewegung und ihre Ableger marschieren, stellt sich ihnen eine Mehrheit der Bevölkerung entgegen. Danke, Deutschland!

Protest gegen Legida: Die Zivilgesellschaft wehrt sich
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Protest gegen Legida: Die Zivilgesellschaft wehrt sich

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Einmal machen wir es richtig. Wenigstes dieses eine Mal. Zwar entdecken in Politik und Medien die sogenannten Eliten gerade ihre stillen Sympathien für Pegida und Konsorten. Aber die Zivilgesellschaft wehrt sich. Wenn die Islamfeinde auf die Straße gehen, tritt ihnen häufig die Übermacht der Anständigen entgegen. Deutschland will mit diesen rechten Spinnern nichts zu tun haben. Ein Glück! Und endlich mal ein Grund für Stolz auf dieses Land! Nur in Dresden, da ticken die Uhren auch 25 Jahre nach der Wende noch anders.

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Heft 4/2015
Warum junge Männer Europa den Krieg erklären

Ausgerechnet jetzt hat Pegida-Organisator Lutz Bachmann hingeworfen. Gerade zeigten die Bemühungen, Pegida salonfähig zu machen, erste Erfolge. Aber es war nicht die "Lügenpresse", die ihm den Hitler-Bart angeklebt hatte. Das hat der Islamfeind selbst gemacht. Dumm gelaufen für all jene in den Zeitungen und Parteien, die der Meinung sind, man müsse auf Pegida "zugehen" und die Anliegen der Leute "ernst nehmen".

Jens Spahn, Mitglied im CDU-Präsidium, findet zum Beispiel, "wenn es nun Bereitschaft zum Gespräch gibt, sollte man das nicht kategorisch ausschließen". Voraussetzung sei aber eine klare Abgrenzung zu Hass und Fremdenfeindlichkeit. Wie soll eine Bewegung diese Bedingung erfüllen, deren Wesensmerkmale Hass und Fremdenfeindlichkeit sind?

Noch vor wenigen Tagen konnte in der "FAZ" ein Dresdner (sic!) Politikwissenschaftler über die Folgen von '68 und linke Diskurshygiene faseln und beklagen: "Was einmal als 'rechts von der Mitte' gilt, sehen wir schon in Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus, Faschismus abrutschen." Statt den Islamfeinden hinterherzuhecheln, könnte die "FAZ" jetzt titeln: "Schlimmer Verdacht - Pegida ist rechts!"

Ängste muss man bekämpfen - und nicht pflegen

Die "Welt" geht in die Vorneverteidigung und findet, "Massen von Deutschen" sollten "sich ein Bärtchen ankleben, einen Seitenscheitel ziehen und mit einem Schild um den Hals 'Wir sind Adolf!' verkünden".

Da hilft alle Ironie nichts: Die rechten Marschierer haben eine Gegenbewegung mobilisiert, die sich gewaschen hat. Kurios: Pegida wächst ja angeblich in dem Graben, der sich zwischen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung auftut, zwischen dem Volksempfinden und dem Elitendiskurs. Aber das Volksempfinden zeigt sich in diesen Tagen von seiner angenehmsten Seite: Beinahe überall, wo Pegida und seine lokalen Ableger auf die Straße gehen wollen, ist eine Überzahl von Gegendemonstranten schon zur Stelle.

Der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" war nie wahrer als heute. Die Leute wollen ganz offensichtlich nicht, dass ihre muslimischen Mitbürger unter Generalverdacht gestellt werden. Und sie wollen das Copyright am Slogan "Wir sind das Volk" auch nicht an rechtsdrehende, fahnenschwenkende Dumpfbacken abgeben. In Leipzig konnte man gerade wieder sehen, was man sich unter der Verteidigung des Abendlandes vorzustellen hat: Journalisten wurden bespuckt und verprügelt.

Wolfgang Thierse sagte im Dezember, es seien "Entheimatungsängste", die die Rechtsdemonstranten auf die Straße trieben. Vielleicht. Aber Ängste muss man bekämpfen - man darf sie nicht pflegen. Sonst werden sie immer schlimmer. Die große Mehrheit der Deutschen zeigt sich in diesen Tagen angstresistent. Umso besser. Den Leuten ist bewusst: Es gibt keinen Anspruch auf das Verharren im Vergangenen. Zeit kennt kein Bleiberecht. Im Gegenteil: Wir alle unterliegen einem Zukunftszwang.

REUTERS

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 390 Beiträge
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Seite 1
abc. 22.01.2015
1. Unglaublich aber wahr...
.. eine Augstein-Kolumne, der man uneingeschränkt zustimmen kann. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!
farbraum 22.01.2015
2.
Man muss nicht bei Pegida mit marschieren um die Forderungen für legitim zu halten. Die Politik sollte einfach die Gesetze im Bereich Asyl konsequent durchsetzen, dann wäre der Bewegung schon viel Wind aus den Segeln genommen.
n.laus 22.01.2015
3. Stolz?
Was ist daran so toll, dass man Deutscher ist? Sicher bekommen wir vielleicht einige Sachen besser hin als andere, umgekehrt ist das aber auch der Fall. Nichts desto trotz, wir sind alle Homo sapiens. Einer wie der andere.
balsamico 22.01.2015
4. Trotzdem ...
... es gibt kritische Stimmen zum Islam und nur, weil sie vielleicht überstimmt werden, sind sie da. Ich bin kein Pegidia-Anhänger, aber Pegidia gehört (derzeit) zu Deutschland und demokratisch betrachtet sind Bedenken und Anmerkungen dieser Richtung nicht automatisch überstimmt, sondern in den Gedanken vieler Deutschen. Das ist einfach Fakt und durch gar nichts wegzudiskutieren.
skade 22.01.2015
5.
die ganzen zig täglichen Berichte über Pegida nerven langsam. Langsam glaube ich auch das diese Berichte von unangenehmen Themen (z.b. TTIP) ablenken sollen.
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