S.P.O.N. - Im Zweifel links Jetzt bitte alle richtig ärgern!

Der Verkehrsminister will eine Pkw-Maut einführen. Eine gute Idee, wenn unsere Autobahnen dann besser und leerer würden. Aber das hat Peter Ramsauer gar nicht im Sinn - es muss nur irgendwer für das Versagen deutscher Verkehrspolitiker blechen. 

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Der Autoverkehr müsste so recht nach dem Herzen eines jedes deutschen Politikers sein. Begeisterung beim Bürger, Möglichkeiten des Einflusses für den Politiker - wo gibt es das sonst noch? Autos gehen alle an, und alle können mitreden. Und was Autos angeht, haben Politiker auch noch richtig was zu sagen. Hier geht es nicht um einen Sitz im Sicherheitsrat. Es geht nicht um die Freiheit, die am Hindukusch verteidigt wird. Es geht nicht um den Euro oder eine Verfassung für Europa. Es geht einfach nur um Verkehr. Etwas Einfaches. Etwas Überschaubares.

Etwas, das die Politik in den Griff bekommen könnte.

Ein weiterer Vorteil des Autoverkehrs ist die relative Überschaubarkeit der Problemlage: Zu viele Autos auf zu schlechten Straßen. Um das zu erkennen, muss man keinen Aufbaukurs bei der Bundesanstalt für das Straßenwesen belegen. Es genügt schon, am Freitagnachmittag von Bielefeld nach Köln zu fahren. Ebenso einfach ist die Lösung aller Verkehrsprobleme: Der Güterverkehr hat auf der Straße nichts zu suchen.

Auch das weiß jeder, der schon mal eine deutsche Autobahn benutzt hat. Es handelt sich beim geteerten Stolz der Deutschen schon längst nicht mehr um regionale oder gar nationale Schnellverbindungen, sondern um Werkslager für die deutsche und europäische Industrie. Auf der A1 von Hamburg nach Bremen kann man von Lastwagen zu Lastwagen hüpfen, wenn es unten rum nicht mehr weitergeht.

Jahr für Jahr listen die Statistiken die Lkw-Schlangen auf deutschen Autobahnen auf und die Folgen, die das für Straße und Umwelt hat. Und Jahr für Jahr geschieht einfach gar nichts. Das ist paradox. Und die Bürger haben sich an die Paradoxie gewöhnt. Im Durchschnitt verbringt jeder von uns 2,4 Tage im Stau auf der Autobahn, die Chance, dass die Überlastung mit Lkw daran schuld ist, ist hoch.

Aber wir haben es verlernt, uns zu ärgern. Wir haben verlernt, die Konsequenzen zu ziehen und unsere Abgeordneten mit Briefen und Beschwerden zu überhäufen.

Bloß kein Streit mit der Transportlobby

Es ist ja nicht so, dass die Politik von der Sache nichts wüsste. Bei Amtsantritt 2009 sagte Peter Ramsauer, die Straßen könnten das Wachstum im Güterverkehr nicht verkraften. Er hat bloß versäumt, daraus die richtige Konsequenz zu ziehen. Die Transportleistung auf der Schiene wuchs im vergangenen Jahr zwar stärker als die auf der Straße, aber der Abstand ist immer noch riesig: Mehr als 70 Prozent des Güterverkehrs in Deutschland werden derzeit allein auf der Straße abgewickelt.

Der Grund für das Politikversagen ist sonnenklar: Lobbyismus. Neben der Gesundheitslobby ist kaum eine Interessengruppe auf europäischer und nationaler Ebene so erfolgreich wie die der Transportunternehmen.

Geradezu emblematisch für das fröhliche Verhältnis von Politik und Transportlobby ist der berühmte Besuch geworden, den Franz Josef Strauß seinerzeit bei den streikenden Fernfahrern auf der Inntal-Autobahn absolvierte. "Sie haben meine volle Unterstützung", rief der bayerische Ministerpräsident damals den illegalen Blockierern entgegen. Soweit würde Strauß' Parteifreund Peter Ramsauer heute nicht mehr gehen, die Sitten sind feiner geworden.

Aber auf die Idee, sich zugunsten der Bürger mit der Lobby anzulegen und die Güter auf die Schiene zu drängen, würde Ramsauer nie im Leben kommen. Lieber drückt er bei den Autofahrern eine Maut durch.

In der CSU hat er angeblich schon eine Mehrheit dafür.Und dann sollen demnächst 25 Meter lange Gigaliner auf deutschen Straßen rollen. Das ist für die Speditionen ein gutes Geschäft. Aber nur für sie.

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insgesamt 218 Beiträge
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Seite 1
Just4fun 06.10.2011
1. (°_°)
Zitat von sysopDer Verkehrsminister will eine Pkw-Maut einführen. Das wäre eine gute Idee, wenn*unsere Autobahnen dann besser und leerer sein würden. Aber das hat Peter Ramsauer gar nicht im Sinn - es muss nur irgendwer*für das Versagen deutscher Verkehrspolitiker blechen.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,790137,00.html
... und was will uns der Dichter damit sagen?
Mulcahy 06.10.2011
2. xxx
was mich an deutschen bundesstrassen immer wieder wundert, ist, dass alle fünf minuten eine andere geschwindigkeitsbeschränkung aus mir nicht ersichtlichen gründen steht. zu viele verkehrzeichen produziert? :)
si_tacuisses 06.10.2011
3. Da die einzige Alternative zur Strasse, die Bahn
Zitat von sysopDer Verkehrsminister will eine Pkw-Maut einführen. Das wäre eine gute Idee, wenn*unsere Autobahnen dann besser und leerer sein würden. Aber das hat Peter Ramsauer gar nicht im Sinn - es muss nur irgendwer*für das Versagen deutscher Verkehrspolitiker blechen.* http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,790137,00.html
vor Unfähigkeit, Unwilligkeit und hundert Jahren dick angesetzter Beamtenkruste nichts zuwege bringt, ( ein 20" von HH nach MZ braucht 8 Tage !!! ) gibt es kein Patentrezept. Es gibt überhaupt kein Rezept.
thelix 06.10.2011
4. ...
Zitat von Just4fun... und was will uns der Dichter damit sagen?
Wenn Sie's nicht verstehen, lesen Sie's doch einfach noch mal. Und dann noch mal. Irgendwann klappt's schon mit dem Verständnis, keine Sorge.
the_flying_horse, 06.10.2011
5. Wir haben nicht verlernt uns zu ärgern
---Zitat--- Aber wir haben es verlernt, uns zu ärgern. Wir haben verlernt, die Konsequenzen zu ziehen und unsere Abgeordneten mit Briefen und Beschwerden zu überhäufen ---Zitatende--- Wir haben nicht verlernt uns zu ärgern, wir haben nur nie gelernt, den nächsten Schritt zu tun... es gibt Länder in Europa, da hätte schon der Gedanke eines Herrn Ramsauer einen Generallstreik hervorgerufen. Die Deutschen jammern nur und klagen - mehr ist da nicht drin. Und - welcher Abgeordnete interessiert sich den noch für die Briefe aus dem gemeinen Volk?
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