Landtagswahl im Saarland CDU klar vorn, Rot-Rot ohne Mehrheit

Der Martin-Schulz-Effekt ist ausgeblieben: Bei der Landtagswahl im Saarland hat die CDU mehr als fünf Prozentpunkte hinzugewonnen, die SPD hat verloren. Die Grünen fliegen aus dem Landtag, die AfD ist drin.


Die CDU ist erneut die stärkste Kraft im Saarland. Bei der Landtagswahl am Sonntag kamen die Christdemokraten laut dem vorläufigen Endergebnis auf 40,7 Prozent - ein Plus von über fünf Prozentpunkten gegenüber der Wahl vor fünf Jahren. Damit liegt die Partei von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer unerwartet deutlich vor der SPD von Herausforderin Anke Rehlinger, die dem vorläufigen Endergebnis zufolge 29,6 Prozent erreichte.

Die Linkspartei um Spitzenkandidat Oskar Lafontaine kam demnach auf 12,9 Prozent. Damit ist ein rot-rotes Bündnis unwahrscheinlich: Zusammen bekommen SPD und Linke 24 Mandate, für die absolute Mehrheit benötigen sie aber 26.

Die AfD schaffte den Sprung in den Landtag; sie kam auf 6,2 Prozent. Damit ist sie nun in elf Landesparlamenten vertreten. Die Grünen dürften mit 4 Prozent ebenso wie die FDP mit drei bis 3,3 Prozent und die Piratenpartei mit weniger als einem Prozent nicht im neuen Landtag vertreten sein.

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Wahlabend im Saarland: Überraschend klar

Seit 2012 regiert im Saarland eine schwarz-rote Landesregierung unter Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin hatte sich genauso wie ihre Herausforderin Rehlinger zum Ziel gesetzt, stärkste Kraft zu werden und damit die nächste Regierung anzuführen.

"Beeindruckender Vertrauensbeweis"

Grund zum Jubeln hatte an diesem Wahlabend vor allem die CDU. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer sieht ihre Politik in der großen Koalition klar bestätigt. "Ich habe natürlich gehofft, dass die Saarländerinnen und Saarländer ein deutliches Zeichen setzen der Zufriedenheit mit meiner Arbeit, dass die wollen, dass ich diese Arbeit fortsetze in der Großen Koalition. Aber dass das so deutlich ausfällt, das hat mich auch überrascht", sagte die CDU-Regierungschefin.

"Ich glaube, die Saarländerinnen und Saarländer haben ihren Willen zum Ausdruck gebracht, dass diese große Koalition, die gemeinsam erfolgreich war, fortgesetzt wird", sagte auch Roland Theis, Generalsekretär der saarländischen CDU. Er sieht in dem Ergebnis einen "beeindruckenden Vertrauensbeweis" für Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. CDU-Politiker Michael Grosse-Brömer sprach von einem "tollen Start ins Wahljahr 2017".

Die Landtagswahl gilt mit Blick auf die Bundestagswahl im September als wichtiger Stimmungstest. Bemerkenswert ist auch die Wahlbeteiligung am Sonntag: Im Vergleich zur Wahl von 2012 stieg sie um fast zehn Prozentpunkte auf etwa 70 Prozent. Zur Saar-Wahl aufgerufen waren rund 800.000 Bürger. Im kleinsten deutschen Flächenland leben knapp eine Million Menschen - etwas weniger als beispielsweise in Köln.

Die Titelverteidigung von Kramp-Karrenbauer galt lange als sicher; die nüchterne Politikerin hatte hohe Zustimmungswerte. Doch vom sogenannten Schulz-Effekt der SPD, der den Genossen bundesweit ein Umfragehoch gebracht hatte, wurde auch ein Zugewinn im Saarland erwartet - der ist nun ausgeblieben.

Schulz gratuliert Kramp-Karrenbauer

Die SPD-Politikerin Rehlinger ist seit Anfang 2014 stellvertretende Regierungschefin. Die Rechtsanwältin löste Heiko Maas ab, der als Bundesjustizminister nach Berlin ging. Von Maas übernahm sie auch das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr.

Sie zeigte sich über das Abschneiden ihrer Partei enttäuscht. Man habe zwar eine Aufholjagd hingelegt, aber das Wahlziel nicht erreicht, sagte die 40-Jährige der ARD. Es gebe einen allgemeinen Trend, dass der Amtsinhaber im Schlussspurt einen Bonus von den Wählern bekomme.

"Wir hätten uns mehr gewünscht, wir wollten stärkste Kraft werden", sagte SPD-Landeschef Maas. Die SPD habe eine gute Aufholjagd hingelegt. Das sei dem neuen Parteichef Martin Schulz zu verdanken. "Wir kamen von 24 Prozent, und da hat er ganz wesentlich dazu beigetragen, dass es überhaupt ein spannendes Rennen geworden ist." Schulz gratulierte in einer ersten Reaktion Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. "Wir haben das Ziel für diesen Abend nicht erreicht", sagte er, da gebe es nichts zu beschönigen.

Die Linke hingegen machte den SPD-Kanzlerkandidaten verantwortlich für das Verfehlen einer rot-roten Mehrheit an der Saar. "Es hat sich eben gezeigt, dass der Hype um Schulz sich nicht in Wählerstimmen im Saarland umsetzen ließ", sagte Linken-Chef Bernd Riexinger. Man könne nicht mit allgemeinen Slogans Wahlen gewinnen.

vks/dpa/AFP



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insgesamt 209 Beiträge
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k.hand 26.03.2017
1. Legt man
die bei den letzten LTW´s aufgetretenen Abweichungstrends zugrunde, wird die Ausprägung noch signifikanter werden. So schnell erledigt sich ein inhaltsloser Hype.
citizen_k 26.03.2017
2. Schulz-Effekt ausgeblieben?
Der"gute Mensch aus Würselen" wurde ja auch sehr geschickt als der "Wolf im Schafspelz" beschrieben. Die skrupellosen Haudegen der Agenda 2010 können also gelassen, zynisch den nächsten Wahlen entgegensehen.
peter.hummler 26.03.2017
3. Schulzeffekt ist verpufft !
Nun haben die Saarländer sich eben von diesem "Schulz-Hype und dem ROT-ROT- Grün Träumereien nicht blenden lassen und das gewählt was ihnen bis dato eben die Zufriedenheit gab ! CDU legte zu , SPD verlor Stimmen ! .. Am meisten freut es mich aber , das die Meinungsforscher wohl völlig daneben lagen und im Gruunde genommen zeigen das sie einfach bedeutungslos sind .. Interessant sind auch die Äussuerungen der SPD ,das diese Wahl keine Stimmungswahl zur BTW war , vor 18:00 war es aber noch so . Den Saarländer gratuliere ich zu ihrer Wahl und das sie den Demoskopen eine Abfuhr erteilten und sich nicht vom Hype um Schulz und seiner Schlechtrederei unseres Landes nicht anstecken ließen !
ronald1952 26.03.2017
4. Das hat die SPD
noch lange nicht ausgestanden, was ein Herr Schröder und Konsorten angerichtet haben. Nach wie vor Mistraut man der SPD auch einem Herrn Schulz. Zu sehr ist die Erinnerung in den Köpfen der Menschen hier was die SPD so alles angerichtet hat.Selbst die Versprechen eines Herr Schulz einige Dinge aus HartzIV wieder Rückgängig zu machen ziehen da nicht sonderlich. Im Grunde kann die SPD froh darüber sein noch ein solches Wahlziel erreicht zu haben. Es geht Ihr nicht so wie der FDP die man aus dem Rennen geworfen hat. Unsere Politiker haben in den letzten Jahren zu viel und zu offensichtlich Gelogen und Getrickst was das Zeug hält, davon einem Politiker zu Glauben geschweige denn zu Trauen sind wir wohl Lichtjahre entfernt. Es ist sehr Schade das immer noch so viele die Afd wählen, aber das kann sich ja noch ändern bis zur BTW. schönen Tag noch,
Dorabella, 26.03.2017
5. Das Wichtigste ist,
dass die AFD kleingehalten wurde. Alles andere bleibt abzuwarten. Das Saarland ist zudem in meinen Augen ein zu kleines BL, in dem eine erfolgreiche MP' viel Zustimmung seitens der Wähler erhält.
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