Datenanalyse zum Saarland CDU mobilisiert Tausende Nichtwähler

Eine positive Sache konnte Martin Schulz dem saarländischen Ergebnis dann doch abgewinnen: Die Wahlbeteiligung ist stark gestiegen. Das nutzt der SPD, mehr aber noch der CDU.

Jubel bei der CDU
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Jubel bei der CDU

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Die Botschaft des Abends ist eindeutig: Die Saarländer sind gegen einen Politikwechsel im kleinsten Flächenland der Republik. Die amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer konnte der CDU sogar noch deutliche Stimmenzuwächse bescheren. Das liegt auch daran, dass AKK, wie die Ministerpräsidentin abgekürzt wird, bei der Gruppe der ehemaligen Nichtwähler zulegen konnte.

Insgesamt stieg die Wahlbeteiligung um mehr als 8 Prozentpunkte auf annähernd 70 Prozent. Insgesamt 800.000 Saarländer waren zur Wahl aufgerufen.

Mit Blick auf die vergangenen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist der Erfolg der Volksparteien eine überraschende Entwicklung: Schließlich profitierte bisher vor allem die AfD von einer steigenden Wahlbeteiligung - und damit von ehemaligen Nichtwählern. Im Saarland hingegen landet die Partei in dieser Kategorie nur auf dem dritten Platz.

Ganz anderes die CDU: 28.000 Stimmenberechtigte konnte sie aus dem Pool der bisherigen Nichtwähler hinzugewinnen. Die SPD kommt auf 13.000, wie aus den Analysen von Infratest Dimap hervorgeht.

Auch im Lager der SPD konnte die CDU Stimmberechtigte überzeugen und zu einem Wechsel bewegen: 8000 frühere SPD-Anhänger setzten an diesem Sonntag ihr Kreuz bei der CDU.

Auffällig: Die schwächelnden Grünen, die den Einzug in den Landtag verpassten, verloren einen besonders großen Teil ihrer Wählerschaft an die Union.

Wählerwanderung

Mit Blick auf das Alter der Wähler schnitt die CDU besonders gut bei Wählern ab, die 60 Jahre und älter waren. Besonders zulegen konnte sie aber auch bei 35 bis 59-Jährigen - übrigens genauso wie die SPD.

Nur bei der Gruppe der 18 bis 24-Jährigen konnte Vizeministerpräsidentin Anke Rehlinger mit ihrer Partei die CDU überflügeln. Möglich, dass es in dieser Altersklasse tatsächlich auch ein Schulz-Effektchen aus der Bundespolitik gab. Schließlich erhält der SPD-Kanzlerkandidat besonders bei den Unter-30-Jährigen hohe Zustimmungswerte, wie der SPON-Wahltrend zeigt.

In allen anderen Altersklassen lag die Union dann allerdings vor den Sozialdemokraten.

Die Linke, die als drittstärkste Kraft in den Landtag einzieht, konnte in keiner der Altersgruppen besonders stark punkten, sie liegt durch die Generationen hinweg zwischen 12 und 14 Prozent.

Das starke Abschneiden der Union bei älteren Wählern spiegelt sich auch bei der Auswertung der Beschäftigungsverhältnisse wider. 45 Prozent der Rentner stimmten für die Union.

Aber auch bei Beamten, Selbstständigen und Angestellten konnte Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer offenbar punkten. Das zeigt auch: Die Wähler sind besonders in den einkommensstärkeren Berufen zufrieden mit der Landesregierung. Nur bei ihrem klassischen Wählermilieu, den Arbeitern, sowie bei den Arbeitslosen liegt die SPD vor der CDU.

Die Linke wiederum konnte bei den Arbeitslosen die meisten Wähler für sich gewinnen.

Diese Tendenz lässt sich auch in den unterschiedlichen Bildungsgraden ablesen. Die CDU kommt besonders bei den höheren Bildungsschichten an. Aber auch bei den mittleren und unteren Bildungsschichten liegt die CDU noch vorn, wenngleich die SPD dort zunehmend an die Prozentzahlen der CDU heranreicht.

Im Kleinen zeigte sich zudem auch bei dieser Wahl: Die AfD, die als viertstärkste Partei in den Landtag einzieht, ist eine männliche Partei - übrigens genau wie die Linke.

Die CDU hingegen konnte überdurchschnittlich viele weibliche Wähler gewinnen. Auch für die SPD entschieden sich mehr Frauen als Männer.

insgesamt 32 Beiträge
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Europäer1992 26.03.2017
1. Bildung
Jemand der "gebildet" ist, wählt eine Partei wie die AfD nicht. Das heißt nicht, dass es nicht gut ausgebildete Leute (für welche Tätigkeiten/Jobs auch immer) gibt, die mit der Partei und nationalen Positionen sympathisieren. Nur gebildet sind sie ganz sicher nicht. Denn das schließt sich logisch aufgrund der Definition dessen, was Bildung ist, aus - ganz gleich übrigens, welchen Bildungsbegriff man dafür heranzieht. "Erweiterter Horizont" und "AfD-Programm" kann technisch nicht funktionieren. Das nur bzgl. der Formulierung in der Grafik. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
wolly21 27.03.2017
2. Die SPD
sollte KEINE Koalition mit der CDU eingehen. Soll AKK doch eine Minderheits-Regierung bilden, sehen wie sie mit einer GROPO zurecht kommt (mit Duldung durch die AfD ? ). Die SPD kann in der Opposition mindestens vermutlich mehr erreichen als in einer GROKO (Siehe Bund).
Bohnerwachs 27.03.2017
3. Was für eine Verdrehung von Fakten!
"Eine positive Sache konnte Martin Schulz dem saarländischen Ergebnis dann doch abgewinnen: Die Wahlbeteiligung ist stark gestiegen. Das nutzt der SPD, mehr aber noch der CDU." Was für eine Verdrehung von Fakten! Sry aber die Bürger können denken und auch rechnen. Wird draußen gewählt, ist alles nicht so einfach, wie im Bundestag, wo Gesetze regelmäßig gegen den Bürgerwillen, zuletzt diese Maut, verabschiedet werden. Leider haben wir nur alle vier Jahre die Möglichkeit, dazwischen zu funken und bei der EU gar nicht mehr. Sonst sähe längst alles viel klarer und deutlicher aus. Und wer war noch mal Herr Schulz?
ollux 27.03.2017
4. sicherlich kam der CDU entgegen, daß
der Kanzlerkandidat der SPD, Schulz, Wahlversprechen , wie soziale Gerechtigkeit, Änderungen an der Schröder Agenda etc. in die Welt posaunte, die irgendwie schon durchgekaut oder einfach nicht bezahlbar sind. Um sich von Merkel bzusetzen, hat Schulz versucht das Rad neu zu erfinden. Das hat der Wähler durchschaut und ihn trotz Hoffnungs-Hype statt Fakten abgestraft. Da isind noch zwei andere Dinge. Außer Schulz können auch in der 2. Reihe SPD Genossen grossartige Politik machen. Das zeigte soeben das Saarland. Weiterhin reicht es nicht einfach nur ehemaliger Präsident des EU Parlaments zu sein. Man merkt die Schulzene Ahnungslosigkeit in der Realpolitik an allen Ecken. Wohl wäre es gut das tagesaktuelle Politikgeschäft erst einmal in Berlin vier Jahre in einer großen Koallition zu erlernen.
schmidti43 27.03.2017
5. Das Saarland
Dieses Quadrat von 50 km Kantenlänge wird immer dann bemüht, um zu beschreiben, wenn etwas besonders klein ist.
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