Sabine Christiansens Abschied "Viel Spaß bei Anne"

Schluss, Ende, Aus. ARD-Talkerin Sabine Christiansen hat heute ohne übertriebene Emotionen dem deutschen Fernsehpublikum vorläufig adé gesagt. Nach der Sendung war Party angesagt - mit 500 Gästen.


Berlin - Zum Abschied gab es einen großen Strauß weißer Rosen - passend zum sommerlichen Hosenanzug der "mächtigsten Fernsehfrau" Deutschlands. Doch auch ihre 447. und damit letzte Talk-Show meisterte Sabine Christiansen souverän. Große Wehmut ließ die gestandene Moderatorin nach zehn Jahren Sonntagabend-Talk auch nach dem Erlöschen des Kamera-Rotlichts nicht aufkommen. "Viel Spaß bei Anne" rief Christiansen ihren Studio-Zuschauern beim Hinausgehen noch zu.

Großes Lob gab es indes von ihrem letzten Talk-Gast, Bundespräsident Horst Köhler: "Was Sie gemacht haben, hat Fernsehgeschichte geschrieben", sagt er anerkennend. Bis zum 16. September wird die ARD ihren populären sonntagabendlichen Sendeplatz mit ungewohnten Formaten füllen müssen. Dann übernimmt "Tagesthemen"-Moderatorin Anne Will das Ruder.

Einen persönlichen Abschied hatte sich Christiansen für ihre Weggefährten, Talk-Gäste und Freude ausgedacht. Hoch über den Dächern Berlins feierte sie zusammen mit rund 500 Gästen. Mit dabei unter anderem Köhler mit seiner Ehefrau Eva Luise, SPD-Chef Kurt Beck und FDP-Chef Guido Westerwelle. Auch ihr Lebenspartner Norbert Medus, mit dem sie seit eineinhalb Jahren zusammen ist, war aus Frankreich angereist.

Auch für Christiansen wird ein freier Sonntagabend ungewohnt sein, wie sie selbst zugab. Angst vor Langeweile habe sie aber trotzdem nicht. "Es wird ein neues Gefühl sein, ein Wochenende zu haben", gab die 49-Jährige in der "Bild am Sonntag" zu. Am häufigsten wolle sie ihre freien Wochenenden in Frankreich verbringen - zusammen mit ihrem französischen Partner.

An die meisten ihrer 447 Talk-Shows denkt Christiansen mit Freude zurück. Höhepunkte waren sicherlich die Interviews mit US-Präsident George W. Bush im Weißen Haus, Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Nachfolgerin Angela Merkel.

In weniger guter Erinnerung ist der Moderatorin ihr Auftritt am 9. September 2001: "Eine private Trennung am Wochenende ist nicht hilfreich, am Sonntagabend eine Sendung diszipliniert zu moderieren", sagt die damals durcheinander wirkende Moderatorin heute dazu. Was an dem Tag kein Zuschauer wusste: Christiansen hatte kurz zuvor erfahren, dass ihr damaliger Ehemann und Geschäftspartner, Theo Baltz, ein Verhältnis mit ihrer Freundin Ulla Kock am Brink hatte.

Am häufigsten - 31 Mal - war FDP-Chef Westerwelle zu Gast bei Sabine Christiansen, gefolgt vom Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit - 15 Mal. Beide Politiker gelten als Freunde der Moderatorin.

Glückwünsche von der Kanzlerin

Schon vor ihrer Abschiedssendung gab es zahlreiche Glückwünsche und viel Lob für die scheidende Quotenqueen. Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Gastbeitrag für die "B.Z. am Sonntag": "Sie hat politische Ereignisse nicht nur begleitet, sie hat in ihrer Sendung Themen gesetzt und Diskussionen angestoßen. Auch wenn mancher es nicht so gern zugeben möchte, aber wer mitreden und informiert sein wollte, der musste am Sonntagabend ganz einfach mal bei 'Christiansen' reinschalten", schrieb Merkel.

Ex-Finanzminister Hans Eichel erzählte der Zeitung, er erinnere sich besonders gern daran, wie zahm Oskar Lafontaine war, als er mit zwei Vorgängern und seinem Nachfolger als Finanzminister diskutieren musste. Der frühere FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sagte, er erinnere sich besonders gern an Christiansens kleinen Hund, der immer dabei war und nach der Sendung zusammen mit den Gästen gefüttert wurde: "Wir bekamen Häppchen, der Hund sein Hundefutter. Er war sozusagen Team-Mitglied."

Susann Kreutzmann, AP



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