Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Elefantenrunde in Sachsen-Anhalt: "Wir wollten eigentlich konkrete Antworten haben"

Von Maximilian Gerl

Dalbert, Gallert, Budde, Haseloff Zur Großansicht
DPA

Dalbert, Gallert, Budde, Haseloff

Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt versuchen CDU, SPD, Linke und Grüne im TV-Talk zu punkten. Das gelingt ihnen kaum - vor allem Ministerpräsident Haseloff zeigt sich schwach. Die Sendung im Check.

Ausgangslage: Am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Die Talkrunde mit dem Titel "Fakt ist!" bietet die letzte Chance, sich einem größeren Fernsehpublikum zu präsentieren. In den Umfragen führt die CDU von Ministerpräsident Reiner Haseloff mit 31 Prozent. Sein Regierungspartner, die SPD, stürzt dagegen ab: Sie käme aktuell nur noch auf rund 15 Prozent - und liegt damit hinter der AfD mit 19 Prozent. Die Linken würden 21 Prozent erzielen. Die Grünen schafften mit 5,5 Prozent den Einzug in den Landtag, die FDP müsste mit 4,5 Prozent wieder draußen bleiben.

Besetzung: Die Spitzenkandidaten aller im Landtag vertretenen Parteien. Also Haseloff, Wulf Gallert von den Linken, Katrin Budde von der SPD und Claudia Dalbert von den Grünen. Außerdem im Studio: Moderatorin Anja Heyde und Bürgerreporter Stefan Bernschein. Er soll das Publikum befragen und Kommentare aus den sozialen Medien vorlesen. Die AfD, obwohl in den Umfragen drittstärkste Kraft, ist nicht eingeladen: Man wolle Bilanz ziehen über die vergangenen vier Jahre, sagt der MDR, "Ergebnisse aus Vorwahlumfragen sind ein nachrangiges Kriterium mit geringer Aussagekraft".

Themen: Natürlich geht es hauptsächlich um die Flüchtlingskrise und den Vertrauensverlust der etablierten Parteien. Wirtschaftspolitik spielt ebenfalls eine Rolle.

Die Flüchtlingskrise: Haseloff gilt als Befürworter von Flüchtlings-Obergrenzen, auch in der TV-Runde spricht er sich wieder dafür aus. "Wir haben es mit Mühe geschafft, vor Weihnachten die Zelte leer zu kriegen", sagt er. Noch mehr Asylsuchende könne das Land nicht unterbringen. Nur mit einer Obergrenze ließe sich die Zuwanderung stoppen. Alle drei Kontrahenten protestieren. Gallert wirft Haseloff vor, die Debatte um Obergrenzen stärke bloß die AfD.

Der Vertrauensverlust der Parteien: Eine These der Sendung lautet, Bürger und Politiker redeten zu wenig miteinander. Wähler würden sich deshalb von den etablierten Parteien abwenden. Ein Studiogast berichtet, wie er zwölf Landtagsabgeordneten eine E-Mail schrieb und nur von dreien eine Antwort erhielt. Auch nicht eingelöste Wahlversprechen werden als Problem ausgemacht. Budde gibt zu: "Im Zweifel müssen wir einfach ehrlicher sein und sagen: Das schaffen wir nicht."

Wer mit wem: Es ist kompliziert. Haseloff will die schwarz-rote Regierung fortsetzen. Budde geht vorsichtig auf Distanz, könnte sich eine Zusammenarbeit mit allen demokratischen Parteien vorstellen. Für Dalbert wäre eine Kenia-Koalition - also schwarz, rot, grün - nur denkbar, "wenn es nicht anders ginge". Gallert sagt: "Wir kämpfen hier für Rot-Rot-Grün", natürlich dann unter seiner Leitung. Nur mit der AfD will niemand koalieren.

Spruch des Abends: Stammt von Dalbert, die laut Umfrage vielen Wählern unbekannt sein soll. "Ich finde es einen großartigen Wert, dass mich 27 Prozent der Sachsen-Anhalter kennen." Verglichen mit den knapp sieben Prozent, die ihre Grünen bei der letzten Landtagswahl holten, kann man das tatsächlich fast schon als Erfolg werten.

Verlierer des Abends: Haseloff. Zeitweise wirkt er gehetzt. Mehrmals geht er nicht richtig auf Fragen ein, antwortet lieber allgemein, zitiert Gesetze und Kennzahlen. "Eigenartigerweise kennt niemand außer Ihnen diese Statistik", sagt Gallert an einem Punkt. Sogar Moderatorin Heyde rügt: "Herr Haseloff, wir wollten eigentlich konkrete Antworten haben." Nach der TV-Runde erklärt der CDU-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt, Thomas Webel, Haseloff zum Sieger. Doch bei Twitter ist der Spott groß, vor allem bei der politischen Konkurrenz.

Sieger des Abends: Gallert schlägt sich ordentlich, immer wieder attackiert er Haseloff und wirft ihm Versagen vor. Noch besser schlagen sich die Zuschauer, die bis zum Ende durchhalten. Schon nach 20 Minuten schauen die Ersten im Publikum auf die Uhr. Da dauert die Sendung noch weitere 40 Minuten.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: