Sachsen-Anhalt Polizei beendet Sonnenwendfeiern von Rechtsextremisten

Die Polizei war vorbereitet: Mit einem massiven Aufgebot sind Sicherheitskräfte in Sachsen-Anhalt landesweit gegen Sonnenwendfeiern von Rechtsextremisten vorgegangen. In Thüringen griffen Neonazis Ausländer mit Baseballschlägern an.


Magdeburg - Mit massiver Polizeipräsenz sind die Sicherheitsbehörden in Sachsen-Anhalt am Wochenende gegen Sonnenwendfeier von Rechtsextremisten vorgegangen. Die Beamten hatten sich mit einem speziellen Einsatzkonzept auf eventuelle Veranstaltungen der rechtsextremen Szene anlässlich der Sommersonnenwende vorbereitet, wie das Innenministerium mitgeteilt hatte.

Das größte Treffen der Rechtsextremisten fand im Landkreis Stendal mit 85 Personen statt. Nachdem Neonazis Polizisten angriffen, löste ein verstärktes Polizeiaufgebot die Zusammenkunft auf. Die Rechtsradikalen hatten das Gelände mit Baumstämmen und Nagelbrettern verbarrikadiert. Die Polizei stellte die Identität der Störer fest und sprach Platzverweise aus. Gegen 19 Anwesende wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgenommen.

Auch im Harzkreis, im Bördekreis und im Jerichower Land registrierten und beendeten Polizisten am Samstag solche Treffen. Bereits am Freitagabend wurden in Halberstadt 26 Rechtsextremisten auf einem Parkplatz angetroffen, die laut Musik abspielten und Flaschen zerbrachen. Die alkoholisierten Neonazis widersetzten sich den Anweisungen der Polizei. Bei der Feststellung der Identität der Personen wurden Polizisten beleidigt und körperlich angegriffen.

In den zurückliegenden Jahren war der Sommerbeginn wiederholt von Mitgliedern der rechten Szene für Propagandadelikte missbraucht worden. Vor zwei Jahren sorgte die Verbrennung einer Ausgabe des Anne-Frank-Tagebuchs in Pretzien bundesweit für Entsetzen.

Attacke mit Baseballschlägern

Im thüringischen Nordhausen attackierten zwei rechtsextreme Jugendliche in der Nacht zum Sonntag drei Ausländer mit einem Baseballschläger. Die Ausländer marokkanischer, russischer und pakistanischer Abstammung seien auf dem Weg zu einer Moschee gewesen, als die beiden Jugendlichen sie plötzlich beschimpften und angriffen, teilte die Polizei mit. Ein 23-Jähriger wurde am Arm verletzt.

Im bayerischen Rosenheim nahm die Polizei am Samstag bei Protesten gegen einen Kongress der rechtsextremen Republikaner zehn Menschen fest, 57 Demonstranten wurden Platzverweise erteilt. Alle Festgenommenen gehörten der linken Szene an, berichtete ein Polizeisprecher. Größere Ausschreitungen seien aber ausgeblieben. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden setzten sich am Samstag etwa 300 Rechtsextreme über ein Versammlungsverbot hinweg und demonstrierten spontan an mehreren Plätzen.

phw/AP/dpa



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