Sachsen-Anhalt Rechtsextreme prügeln zwölfjährigen Schwarzen krankenhausreif

Sie drückten ihrem Opfer eine glühende Zigarette ins Gesicht und zwangen ihn, ihre Stiefel zu lecken. In einem Dorf in Sachsen-Anhalt haben Rechtsextremisten einen zwölfjährigen Schwarzen gequält und gedemütigt. Der Junge wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.


Magdeburg - Bei den fünf Tatverdächtigen handele es sich um rechtsextreme Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, teilte Sachsen-Anhalts Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) mit. Sie wurden vorläufig festgenommen. Gegen sie werde ermittelt.

Das Verbrechen ereignete sich laut Jeziorsky bereits am Montag in Pömmelte im Landkreis Schönebeck und wurde am Dienstag bekannt. Der Junge äthiopischer Herkunft sei geschlagen, getreten, gequält und gedemütigt und dabei mit einem Fotohandy gefilmt worden. Die Täter drückten ihrem Opfer eine glühende Zigarette ins Gesicht und zwangen es unter anderem, ihre Springerstiefel zu lecken.

Bei dem Angriff auf offener Straße trug das Opfer Verletzungen an Kopf und Gesicht sowie Blutergüsse am ganzen Körper davon. Der Junge wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Die Jugendlichen aus der rechtextremen Szene seien vorläufig festgenommen worden, gegen sie werde ermittelt. Die Staatsanwaltschaft stellte Haftantrag gegen drei der fünf Angreifer. Sie traten teils schon mehrfach wegen Gewalttaten in Erscheinung und sind einschlägig vorbestraft.

Jeziorsky verurteilte "Brutalität und Unmenschlichkeit" der mutmaßlichen Täter. Der Fall zeige, "zu welchen schrecklichen Taten rechtes Gedankengut führt". Der Politiker sprach dem Opfer sein Mitgefühl aus und versicherte, dass die Polizei dem Zwölfjährigen zur Seite stehen werde.

Auch die Grünen äußerten sich bestürzt über die Gewalttat und warfen zugleich der Landesregierung "schwere Versäumnisse" im Kampf gegen den Rechtsextremismus vor. Wenn Jeziorsky "erst jetzt" die Gefahren rechten Gedankengutes erkenne, "dann war er in den vergangenen Jahren offensichtlich fehl am Platz", sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Landesregierung sei es nicht gelungen, rechte Gewalt einzudämmen, sagte die Landesvorsitzende Ines Brock.



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