Sachsens Vizeministerpräsident Dulig "Geflüchtete durch die Stadt getrieben"

Laut Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat es in Chemnitz "keine Hetzjagd" gegeben. Sein Stellvertreter Martin Dulig hat darauf eine andere Sicht: In einer TV-Sendung sprach er nun über die Krawalle in der Stadt.

Martin Dulig
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Sachsens Vizeministerpräsident Martin Dulig (SPD) hat mit Blick auf die gewalttätigen Ausschreitungen von Chemnitz bekräftigt, dass "Geflüchtete durch die Stadt getrieben" wurden. "Das ist passiert, das ist real. Und es ist beklemmend, weil man wirklich sieht, wie viel Hetze dabei ist und wie aus Hass auch Gewalt wird", sagte Dulig am Mittwochabend in der Sendung "Stern TV".

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor Kanzlerin Angela Merkel widersprochen und im Landtag gesagt, das Geschehen in Chemnitz müsse richtig beschrieben werden. "Klar ist: Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome."

Sein Stellvertreter Dulig sagte in der TV-Sendung weiter: "Man spürt richtig die Gewalt, die dort von den Leuten ausgegangen ist. Das betrifft Journalisten und Polizisten, aber auch viele, die als Fremde wahrgenommen oder so gesehen werden." Es gebe in Sachsen ein Problem mit Rassismus und Rechtsextremismus. Es müsse aber fair umgegangen werden mit dem Bundesland, es sei vielfältig.

Auch Merkel hatte am Mittwoch ihre Verurteilung der Ausschreitungen bekräftigt. Es habe Bilder gegeben, die "sehr klar Hass und damit auch die Verfolgung unschuldiger Menschen" gezeigt hätten. Davon müsse man sich distanzieren.

Nach der tödlichen Attacke auf einen 35-Jährigen in Chemnitz hatte es dort in den vergangenen Tagen mehrfach Kundgebungen und Aufmärsche gegeben, an denen sich unter anderem rechte Gruppen beteiligten. Es kam dabei auch zu Angriffen auf Ausländer und Journalisten. Zwei mutmaßlich aus Syrien und dem Irak stammende Männer sitzen wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird seit Dienstag gefahndet.

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Chemnitz: Chronologie der Ausschreitungen

Innenminister Horst Seehofer bezeichnete am Mittwochabend Medienberichten zufolge die Migration als "Mutter aller Probleme". Er habe Verständnis, wenn sich Leute empörten, sagte Seehofer nach Angaben der "Welt" am Rande der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im brandenburgischen Neuhardenberg. Das mache sie noch lange nicht zu Nazis.

Video: Die Hintermänner der Chemnitz-Krawalle

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Der afghanische Präsident Aschraf Ghani warnte die Deutschen angesichts der Ereignisse in Chemnitz vor übertriebener Angst vor Flüchtlingen. Man solle auf die Afghanen schauen, die einen Beitrag zur deutschen Gesellschaft geleistet haben, sagte er der "Bild"-Zeitung. "Bitte verurteilen Sie nicht die gesamte Nation für ein, zwei oder drei Leute."

Seine eigenen Landsleute warnte Ghani vor Illusionen über vermeintlich leicht zu erlangenden Wohlstand in Deutschland. Es gebe den "Irrglauben, die Straßen in Deutschland seien mit Gold gepflastert."

aar/dpa

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