Zugriff vom Sächsischen Verwaltungsnetz Rassismus-Passagen bei Wikipedia geändert - Landesverwaltung gesperrt

Ein Unbekannter hat heikle Passagen im Wikipedia-Eintrag zu Sachsen geändert, etwa zu Pegida. Die IP-Adresse des Nutzers gehört zum Verwaltungsnetzwerk des Freistaats. Das hat nun Konsequenzen.

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"Im Bundesvergleich finden in Sachsen mit Abstand die meisten Neonazi-Konzerte statt" - so steht es im Wikipedia-Eintrag zu Sachsen in der Rubrik "Rechtspopulismus und Rechtsextremismus". In dem kurzen Abschnitt geht es auch um Pegida und die Alternative für Deutschland (AfD). An dem Eintrag störte sich ein Nutzer allerdings so sehr, dass er ihn schönte - offenbar von einem Rechner aus, der laut IP-Adresse zum Sächsischen Verwaltungsnetzwerk gehört.

Der unbekannte Nutzer hatte dort die Bezeichnung für Pegida von "fremdenfeindlich" in "islamkritisch" geändert. Für die Zuschreibung "fremdenfeindlich" gebe es keine Belege, merkte er laut dem Sperr-Logbuch der Wikipedia an. Aktuell sind beide Bezeichnungen in dem Eintrag gelöscht. Auch eine weiterer Abschnitt soll geändert worden sein: Bei einem AfD-Landtagsabgeordneten sei die Information gelöscht worden, dass dieser die Verfolgung von Homosexuellen als Asylgrund ablehne, schreibt der MDR auf seiner Internetseite.

Der Vorgang hat nun Konsequenzen: Ein Administrator der Online-Enzyklopädie reagierte - und ließ alle Nutzer aus dem sächsischen Verwaltungsnetz für die anonyme Bearbeitung von Einträge vorübergehend sperren.

Der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Andreas Kunze-Gubsch, bestätigte dem MDR gegenüber, dass der Zugriff aus dem Sächsischen Verwaltungsnetz kam. "Das heißt, alle Ministerien, alle nachgeordneten Behörden und der sächsische Landtag könnten theoretisch an Rechnern darauf zugegriffen haben. Wir sind dabei zu recherchieren, ob man das eingrenzen kann, aus welchem Haus oder von welchem Rechner genau das passiert ist." Es habe in jedem Fall keine dienstlichen Anweisungen gegeben, die Änderungen vorzunehmen.

In einem Tweet verweist das Innenministerium darauf, dass etwa 62.000 Arbeitsplätze der Landesverwaltung, der Kommunen und der Schulen am Sächsischen Verwaltungsnetz angeschlossen seien. Eine weitere Rückverfolgung sei "unverhältnismäßig".

vks

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