317 Fälle im vergangenen Jahr Deutlich mehr rechtsmotivierte Angriffe in Sachsen

Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung: 2018 hat es in Sachsen deutlich mehr Fälle rechtsmotivierter oder rassistischer Angriffe gegeben als im Jahr zuvor. Das geht auch auf die Krawalle in Chemnitz zurück.

Krawalle in Chemnitz
DPA

Krawalle in Chemnitz


Die Zahl der rechtsmotivierten oder rassistischen Angriffe in Sachsen hat im vergangenen Jahr um 38 Prozent zugenommen. Es habe insgesamt 317 Fälle mit mindestens 481 Betroffenen gegeben, teilte der Opferberatungsverein RAA Sachsen mit. Erklären lässt sich der Anstieg der Taten unter anderem durch die rechtsgerichteten Übergriffe in Chemnitz nach einem Tötungsdelikt im vorigen Sommer.

Zu den Taten zählt RAA Sachsen auch den Mord an einem 27 Jahre alten Mann. Christopher W. sei im April von drei Tätern aus der rechten Szene getötet worden, die ihn zuvor bereits wegen seiner Homosexualität beschimpft und attackiert hatten. W. sei damit das 17. Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen seit 1990.

Der Auswertung zufolge gab es 2018 in Chemnitz insgesamt 79 rechtsmotivierte Angriffe, dies sei eine Vervierfachung im Vergleich zum Jahr 2017. Der größte Teil der Chemnitzer Taten ereignete sich demnach während oder im Nachgang der Ausschreitungen im Sommer. Weitere Schwerpunktorte rechter Angriffe blieben die Städte Dresden und Leipzig (je 60 Fälle).

Männergruppe verprügelt 22-Jährigen in Leipzig

Die meisten Taten - 208 von 317 - seien rassistisch motiviert gewesen, erklärte der RAA Sachsen. Nach Straftaten unterschieden, seien Körperverletzungen mit 223 Fällen die häufigsten Delikte gewesen. Hinzugekommen seien Nötigung, Bedrohung und Brandstiftung.

In einem jüngeren Fall soll eine Gruppe von Männern in Leipzig gerade erst einen aus Westafrika stammenden 22-Jährigen beleidigt und verprügelt haben. Das sächsische Landeskriminalamt teilte mit, die betrunkenen Männer im Alter von 23 bis 40 Jahren sollen ihr Opfer am Samstag zunächst in einer Straßenbahn ausländerfeindlich beleidigt, anschließend aus der Bahn gedrängt und geschlagen haben.

Polizisten beendeten die Attacke, das verletzte Opfer wurde in ein Krankenhaus gebracht. Tatverdächtig sind insgesamt acht namentlich bekannte Angreifer. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung ermittelt. Atemalkoholtests ergaben Werte zwischen 1,1 und 1,7 Promille. Das polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum übernahm die Ermittlungen und bat mögliche Zeugen, sich zu melden.

aev/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.