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Sachsen: Zeuge aus TV-Doku über Mügeln verprügelt

Mügeln war vor einem Jahr Schauplatz einer Hetzjagd auf Inder. Jetzt ist in dem sächsischen Ort wieder ein Mann überfallen worden: Er hatte als Zeuge bei der Aufklärung der fremdenfeindlichen Vorfälle geholfen und in einer TV-Dokumentation ausgesagt. Der Täter wurde gefasst.

Hamburg/Leipzig - Wieder ist Mügeln der Tatort: Ein 35-jähriger Mann wurde dort überfallen und zusammengeschlagen. Er hatte zuvor in einer TV-Dokumentation zu den fremdenfeindlichen Vorfällen vor einem Jahr ausgesagt. Der Täter habe den Mann von hinten angegriffen, zu Boden gestoßen, geschlagen und getreten, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz, zu SPIEGEL ONLINE.

Hetzjagd auf Inder in Mügeln (Archivaufnahme): Ein TV-Zeuge der Vorfälle wurde in der Nacht zum Sonntag zusammengeschlagen
DPA

Hetzjagd auf Inder in Mügeln (Archivaufnahme): Ein TV-Zeuge der Vorfälle wurde in der Nacht zum Sonntag zusammengeschlagen

Der 35-jährige Deutsche, der mit einer Begleitung in der Nacht unterwegs war, musste mit schweren Verletzungen ambulant behandelt werden. Er erlitt eine Platzwunde am Kopf, mehrere Hämatome und Prellungen. Nach der polizeilichen Vernehmung habe er den 20-jährigen mutmaßlichen Täter identifiziert. Gegen ihn laufen nun Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Mügelner Marktplatz war in der Nacht zum 19. August 2007 Schauplatz einer ausländerfeindlichen Hatz. Mehrere Deutsche jagten acht Inder durch die Innenstadt und warfen Flaschen nach ihnen. Die Inder flohen in eine von Landsleuten betriebene Pizzeria. Bei den Auseinandersetzungen wurden acht Inder und vier Deutsche schwer verletzt, auch zwei Polizisten erlitten Verletzungen.

Der Grund für den Angriff auf den 35-Jährigen könnte dessen Rolle während der Aufklärung der fremdenfeindlichen Vorfälle in Mügeln im August 2007 sein, wie Schulz bestätigte. Der 35-Jährige wurde damals als Zeuge gehört. Außerdem machte er Aussagen in der Dokumentation "Der Tag, als der Mob die Inder hetzte", die am 17. September in der ARD gesendet wurde. In dem Film ging es um die ausländerfeindlichen Gewalttaten Deutscher auf indische Mitbürger beim Mügelner Stadtfest.

Ein Zusammenhang zwischen den Zeugenaussagen und dem Angriff werde allerdings noch geprüft. Der 20-Jährige sei der Staatsanwaltschaft "in gewissem Maß bekannt", allerdings werde eine mögliche rechtsradikale Gesinnung des Täters noch überprüft. Er sei weder im Zusammenhang mit extremistischen Straftaten noch mit den Vorfällen in Mügeln vernommen worden, so Schulz.

Die "Leipziger Volkszeitung" zitiert in ihrer Dienstagsausgabe den Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP): "Das ist scheußlich und feige, wenn man jemanden zusammenschlägt, der auch im Fernsehen zu seiner Meinung steht. Den Täter soll die ganze Härte des Gesetzes treffen." Nach Angaben der Zeitung sei in Mügeln Angst verbreitet, sich weiter öffentlich zu äußern. Ein Einwohner habe gefragt: "Wie sicher sind wir denn in Mügeln noch?"

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