Sachsens braune Wahlkreise Wo es dreimal so viele Nazis wie Sozialdemokraten gibt

Von diesem Schock werden sich die Sozialdemokraten in Sachsen nicht so leicht erholen. Ohne die Stimmen aus den Großstädten Dresden und Leipzig läge die SPD klar hinter der rechtsextremen NPD - selbst die Fünf-Prozent-Hürde würde zum Problem.


In der Summe ist das Ergebnis für die Sozialdemokraten eigentlich schon desaströs genug. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis liegt die SPD in Sachsen landesweit mit 9,8 Prozent nur noch hauchdünn vor der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands die auf 9,2 Prozent der Stimmen kam.

Ein Schock für alle Demokraten sind die Ergebnisse aber, wenn man die ländlichen Wahlkreise des östlichen Bundeslandes im Detail betrachtet. Zum Beispiel den Wahlkreis 17 "Annaberg". Hier machten mehr als doppelt so viele Bürger ihr Kreuz bei den Neonazis als bei der Partei des Bundeskanzlers: 14,0 Prozent kann die NPD hier verbuchen, gerade einmal 6,9 Prozent wählten die SPD. Die SED-Nachfolgepartei PDS brachte es hingegen auf satte 18,9 Prozent.

Aber es geht noch schlimmer: Im Wahlkreis 50 "Sächsische Schweiz 2" kamen die Sozialdemokraten auf jämmerliche 5,6 Prozent. 15,1 Prozent aller Stimmen verbuchten Rechtsextremisten in der idyllischen Landschaft an der deutsch-tschechischen Grenze - die PDS holte hier 20,2 Prozent.

Ihr Spitzenergebnis erzielte die NDP in der Gemeinde Reinhardtsdorf-Schöna mit 23,1 Prozent. Die SPD kam dort auf 5,6 Prozent.

Selbst die Landeshauptstadt hat diesmal braune Flecken bekommen. Etwa der Wahlkreis "Dresden 4". Hier kam die NPD auf 8,5 Prozent, die SPD auf magere 7,7 Prozent.

Doch die Zahlen aus den Wahlkreisen sind nicht nur für die Sozialdemokraten beängstigend: Zusammengerechnet holten die radikalen Parteien am rechten und linken Rand in manchen Regionen Sachsens mehr Stimmen als die regierende CDU von Ministerpräsident Milbradt. Im Wahlkreis 55 "Hoyerswerda" zum Beispiel. Hier kam die CDU auf 34 Prozent, die PDS auf 32,2 und die NPD auf 9,2. Oder der Wahlkreis 56 die "Niederschlesische Oberlausitz 1", wo PDS mit 28,2 und NPD mit 10,1 Prozent zusammengerechnet die CDU mit 38,1 Prozent übertreffen.

Bereits bei den Kommunalwahlen im Frühjahr hatten die Rechtsextremisten stark zugelegt und konnten dort vor allem in der Sächsischen Schweiz Erfolge verbuchen. Ein rechtes Bündnis war auch in Dresden in den Stadtrat gekommen. In Reinhardtsdorf-Schöna kam die NPD bei der Kommunalwahl sogar 25,2 Prozent. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte die NPD 1,4 Prozent der Stimmen erhalten.



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