Sahra Wagenknecht "Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden"

Seit Langem wird bei den Linken über Asylpolitik gestritten. Fraktionschefin Wagenknecht gilt als migrationskritisch - und findet nun deutliche Worte, was sie vom geplanten Einwanderungsgesetz hält.

Sahra Wagenknecht
DPA

Sahra Wagenknecht


Die Fraktionschefin der Linken Sahra Wagenknecht hat sich gegen ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte ausgesprochen. "Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden", sagte Wagenknecht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Hauptgrund des Arbeitskräftemangels sei ein unterfinanziertes Bildungssystem.

Sie halte es für zynisch, junge Leute mit einem Numerus Clausus vom Studium abzuhalten und "dann die qualifizierten Fachkräfte aus armen Ländern zu holen".

In "grenzenloser Welt" regieren die "Multis"

Internationalismus bedeute nicht "Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben", sagte Wagenknecht. "In einer grenzenlosen Welt regieren die Multis." Schon die Freizügigkeit innerhalb der EU habe sich seit der Osterweiterung "in ein Instrument der Lohndrückerei verwandelt". Die globale Migration verschärfe das Problem zusätzlich.

Nach der Sommerpause will die Bundesregierung das Einwanderungsgesetz beschließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte zuletzt die Regelungen für Arbeitsmigranten vom westlichen Balkan als Vorbild für das Projekt.

"Wer in Deutschland einen Arbeitsplatz nachweisen kann, hat die Möglichkeit, legal nach Deutschland zu kommen", sagte sie. Das könne "prototypisch für Vereinbarungen mit anderen Ländern sein".

Seit Längerem gibt es in Wagenknechts Partei einen Konflikt über ein solches Gesetz. Auf dem Bundesparteitag im Juni stritten sich Delegierte und sprachen im Zusammenhang mit dem Einwanderungsgesetz von einem "Nützlichkeitsrassismus".

Andere Teile der Partei fordern hingegen ein "linkes Einwanderungsgesetz". Die Parteivorsitzende Katja Kipping sagte im Juni dem SPIEGEL, offene Grenzen sollten auch für Arbeitsmigranten gelten.

Lafontaine: "Aufstehen" soll Erstarken der AfD verhindern

Der Clinch mit der eigenen Partei dürfte Wagenknecht dieser Tage allerdings wenig ausmachen. Sie verfolgt ein anderes Projekt: Ihre linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" hat in ihren ersten Tagen mehr als 50.000 Anmeldungen von Unterstützern bekommen. Die Internetseite von "Aufstehen" war vor einer Woche online gegangen.

Die neue Sammlungsbewegung soll nach den Worten ihres Mitbegründers Oscar Lafontaine auch das weitere Erstarken der AfD verhindern. "Blicken Sie nach Ostdeutschland: Dort ist die AfD mittlerweile die Partei der Arbeiter und der Arbeitslosen. Da muss man im linken Lager darüber nachdenken, was wir falsch machen", sagte der ehemalige Vorsitzende der Partei Die Linke der "Welt am Sonntag" (WamS). In der Flüchtlings- und Migrationspolitik vertritt Lafontaine die Ansicht, die AfD zu schwächen, wenn man den Zuzug von Migranten einschränkt.

Ein Interview mit Wagenknecht über die Sammlungsbewegung können Sie hier nachlesen.

tin/Reuters



insgesamt 144 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
d.b.licht 11.08.2018
1. Diese Frau hat überhaupt keine Ahnung!!!
was hier eigentlich abgeht. Ich arbeite sowohl an Grund- und Oberschulen, als auch an Gymnasien; ich bin täglich mit vielen Schülern im Gespräch. Es ist aktuell schlicht für viele Berufe niemand da, der ausgebildet werden kann (bzw. will). Sollen deswegen die Firmen dicht machen? Was für ein Zynismus. Ein Einwanderungsgesetz halte ich dagegen für sehr sinnvoll. Es muss für jeden eine legale Möglichkeit geben, nach Europa einreisen zu können statt den illegalen Weg wählen zu müssen. Diese legale Möglichkeit kann dazu führen, dass sich Menschen in den Herkunftsländern bilden, Sprachkurse belegen um ihre Chancen auf eine Einreiseerlaubnis zu erhöhen. Ein solches Gesetz könnte auch die Anforderungen festlegen, die wir an Einreisewillige stellen. Ich sehe nur Sinnvolles daran.
HeisseLuft 11.08.2018
2. Teuerste...
... ein Numerus Clausus ist zunächst einmal eine Prüfung ob jemand die Eingangsvorraussetzungen zum Studium hat. Das kann man auch anders regeln, aber dann wäre es eben nur a n d e r s geregelt. Es würde immer noch gelten, das nicht jeder für ein Studium zu einer begehrten Fachkraft geeignet ist. Was übrigens n i c h t heißt, dass er dämlich ist. Und im Übrigen nützt es weniger hochqualifizierten und weniger gut bezahlten Arbeitnehmern rein gar nichts, wenn Projekte nicht ausgeführt werden weil Spezialisten aussen vor gehalten werden. Sage ich als Arbeitnehmer, der kein SAP-Berater ist.
eckawol 11.08.2018
3. Die Linke weiss es wieder nicht:
Linke sagt :In einer grenzenlosen Welt regieren die Multis ; Folge: Instrument der Lohndrückerei . Somit verschwiegt Die Linke, dass "die Multis" mit ihren weltweit verzweigten Aktivitäten Arbeitsplätze in Ländern ( der 3. Welt ) schaffen, in denen viele kleine dt. Unternehmen trotz Weltführerschaft ihrer Produkte mangels Ressourcen nicht tätig sein könnten. Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben muß also nicht stattfinden, weil die Immigranten arbeitsrechtlich geschützt sind, nur die bestehenden Kontrollen hierzu müssen funktionieren.
Valis 11.08.2018
4. Migrationskritisch?
Frau Wagenknecht ist nicht Migrationskritisch sondern Migrationsrealistisch. Sie ist linker als ein Politiker je sein kann und hat es dennoch verstanden das eine unbegrenzte Einwanderung in Deutschland auf Dauer nicht realistisch ist. Dafür wurde sie von links kritisiert. Aber auch nur von denen die blinde und unrealistische Vorstellungen haben. Für mich zeigt Frau Wagenknecht das die Linke absolut regierungsfähig sein kann!
anaeltym 11.08.2018
5. Totaler Irrsinn in diesem Land
Da werden Altenpfleger mit "Migrationshinertgrund" ausgebildet, dann werden sie abgeschoben. Abgelehnte Flüchtlinge werden abgeschoben, aber weil sie gegen Absage Widerspruch erhoben haben, wieder mit Steuergeldern zurück geholt... Deserteure aus dem Irak bekommen teuere Ausbildung, die deutschen Arbeitslosen verwehrt wird (Beispiel bei mir im Haus: irakische Deserteur und deutsche Langzeitarbeitsloser). Merkel und auch SPD und Grüne treiben immer mehr Menschen in die Arme der AfD.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.