Linken-Spitzenkandidatur Wagenknecht und Bartsch stellen die Machtfrage

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch wollen Spitzenkandidaten der Linken werden - und zwar nur als Duo. Damit überrumpeln die Fraktionschefs die Parteiführung.

Wagenknecht und Bartsch
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In der Linkspartei ist ein Machtkampf über die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im kommenden Jahr ausgebrochen. Eigentlich wollte die Partei sich bis zum Januar Zeit lassen, um eine Lösung zu präsentieren. Doch nun haben Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch eine Entscheidung forciert.

Am Montagnachmittag tauchten die beiden Fraktionsvorsitzenden überraschend bei einem Treffen der Landeschefs und des geschäftsführenden Bundesvorstands in der Parteizentrale in Berlin-Mitte auf. Es ging um die vergangenen Landtagswahlen und eine mögliche Wahlkampfstrategie für die Bundestagswahl 2017 - und irgendwann tauchte die Frage auf: Wer wird Spitzenkandidat?

Seit Monaten werden in der Linkspartei hierfür verschiedene Optionen diskutiert. Eine Variante lautet: Ein Quartett tritt an, zusammengesetzt aus den Fraktionschefs Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht, dazu die beiden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger. Damit wären alle relevanten Strömungen in der Partei berücksichtigt.

In der Sitzung am Montag machten Wagenknecht und Bartsch nun aber deutlich, dass sie für ein Quartett nicht zur Verfügung stehen - sondern gemeinsam als Duo antreten wollen. So berichten es mehrere Teilnehmer der Runde.

Bernd Riexinger und Katja Kipping
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Bernd Riexinger und Katja Kipping

Tatsächlich hat die Linke in der Vergangenheit mit einem Viererteam schlechte Erfahrungen gemacht. Bei der Bundestagswahl 2002 trat die Partei, die damals noch PDS hieß, mit einem Quartett an - und scheiterte an der Fünfprozenthürde.

Gleichwohl kam das Vorpreschen der beiden Fraktionschefs in der Partei nicht bei allen gut an. In der Sitzung in der Parteizentrale soll das Wort "Erpressung" gefallen sein.

Insbesondere Parteichefin Katja Kipping wird nachgesagt, dass sie gerne eine Spitzenkandidatin ihrer Partei wäre, sei es als Teil eines Quartetts oder als Teil eines Duos mit Wagenknecht. Letztere Variante hatte die Thüringer Landeschefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, kürzlich ins Gespräch gebracht.

Nun haben Wagenknecht und Bartsch versucht, Fakten zu schaffen - und ihre Parteiführung damit überrumpelt. Denn eigentlich hätte die das Vorschlagsrecht.



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