Vorbild Frankreich Wagenknecht wünscht sich stärkere Proteste gegen die Regierung

Die Protestbewegung "Gelbe Westen" hält Frankreich in Aufruhr. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Wagenknecht wünscht sich das auch für Deutschland - bedauert aber die Gewalt im Nachbarland.

Sahra Wagenknecht
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Sahra Wagenknecht


In Frankreich gehen seit Mitte November Hunderttausende Menschen auf die Straße. Die Protestbewegung, die sich unter anderem gegen eine Steuerreform durch Präsident Emmanuel Macron richtet, nennt sich "Gelbe Westen" - und Sahra Wagenknecht sieht sie als Vorbild für Deutschland.

"Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir auch in Deutschland stärkere Proteste hätten gegen eine Regierung, der die Interessen der Wirtschaftslobbyisten wichtiger sind als die Interessen normaler Leute", sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Doch Frankreich ist anders. Frankreich ist immer viel spontaner."

Die französischen Demonstranten wehren sich vor allem gegen hohe Kraftstoffpreise und eine geplante Ökosteuer auf Diesel, an der Macron bisher weiter festhält. "Ich finde es richtig, wenn Menschen sich wehren und protestieren, wenn die Politik ihr Leben verschlechtert - die Benzinpreiserhöhungen sind gerade für Pendler existenziell", sagte sie dem RND. In Deutschland könne man davon lernen. "Wir lassen uns viel zu viel von schlechten Regierungen gefallen."

Wagenknecht bedauert die Gewalt

Die Proteste in Frankreich wurden zuletzt allerdings auch von Gewalt begleitet. Bei einer Demonstration auf der Prachtstraße Champs-Élysées in Paris war es am vergangenen Samstag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Dabei kam eine Frau ums Leben, sie wurde überfahren. Insgesamt gab es bisher zwei Todesopfer und Hunderte Verletzte.

Ausschreitungen in Paris
DPA

Ausschreitungen in Paris

"Dass jetzt rechte Kräfte um Marine Le Pen versuchen, den Protest zu vereinnahmen, und dass der Protest durch Gewalt unterlaufen wurde, bedauere ich, sagte Wagenknecht. Die Demonstrationen im Nachbarland seien weder links noch rechts, sondern "ein Aufbegehren gegen eine Regierung der Reichen". Denn für die Wohlhabenden habe Macron die Steuern gesenkt. "Das Anliegen der 'Gelben Westen' ist absolut gerechtfertigt."

aev/dpa



insgesamt 52 Beiträge
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fshp14 29.11.2018
1. Ditto
Ich würde mir auch viel mehr Protestbereitschafft in Deutschland wünschen, aber dafür ist das Pflichtgefühl manchmal zu groß (bei einigen auch die Faulheit oder der Medienkonsum bzw. der Protest von der Couch aus zu wichtig... ) Die Meinungen der Bürger werden nur ernst und der Politik wahrgenommen, wenn man sie außerhalb der eigenen vier Wände, außerhalb des eigenen Freundeskreis "sichtbar" macht: auf die Straße gehen und zwar friedlich!!
skylarkin 29.11.2018
2.
Sehr richtig Frau Wagenknecht, aber bis Deutsche aus sozialen oder Gerechtigkeitsgründen massenhaft auf die Straße gehen friert eher die Hölle zu. Um sich moralisch besser zu fühlen (Bäume, Flüchtlinge, gegen Rechts, gegen G20) oder wenns im Osten gegen Flüchtlinge geht hat man schnell Zehntausende auf der Straße, aber sonst?
seppfett 29.11.2018
3. Schrecklich
Ein bodenloser Unsinn den Frau Wagenknecht da verzapft. Diese sogenannten Proteste kamen von Anfang an von ultra rechts und richten sich gegen Frankreich und seine Bürger. Jeder von uns, ich wohne in Frankreich, wird durch dieses Chaos in seiner Freiheit behindert. Die, die am wenigsten davon betroffen sind, sind die Regierenden. Das kommt auch daher, dass es keine klaren Forderungen gibt und keine Ziele definiert wurden. Wenn die Gelbwesten noch lange weiter machen werden sie tatsächlich die große Mehrheit der Franzosen gegen sich aufbringen. Außerdem habe ich brennende Reifen und blockierte Straßen bei jeder Regierung um diese Jahreszeit erlebt. Hier gibt es eine latente Angst vor Veränderung.
friedrich_eckard 29.11.2018
4.
Bei aller Wertschätzung für Sahra Wagenknecht: man sollte mit seinen Wünschen vorsichtig sein, sie könnten in Erfüllung gehen... bei meinen Ausflügen in den rechten Sumpf bin ich nämlich schon auf Bestrebungen gestossen, den französischen Protesten auf das Trittbrett zu steigen, und wenn hierzulande in gelben Westen demonstriert wird, dann, so fürchte ich, nicht gegen Lohndrückerei und Wohnungsnot, sondern gegen "Islamisierung" und "Überfremdung" - und das muss ich nicht unbedingt haben.
marioreinsch 29.11.2018
5.
Die Verteuerung der Kraftstoffe ist der beste, schlüssigste, effektivste Weg in eine teilelektrische aber nicht unbedingt teurere Zukunft des Individualverkehrs, davon bin ich schon lange überzeugt, und dann weiß eigentlich auch jeder, der einigermaßen geradeaus denken kann. Nur kann man sie eben politisch nicht umsetzen, eben genau wegen solcher egoistischen, von Populisten gesteuerten Proteste des ungebildeten und besserwisserischen Wutbürgervolks. Macron versucht es trotzdem, das ist sehr löblich. Diese Proteste nun als vorbildlich für Deutschland zu bezeichnen, schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus.
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