Hessen Beratungsstelle gegen Radikalisierung suspendiert Mitarbeiter

Sie sollten jungen Menschen beim Ausstieg aus der Salafistenszene helfen. Doch offenbar hatten zwei Mitarbeiter einer Beratungsstelle in Frankfurt dabei zu enge Verbindungen zu Extremisten.

Von Salafisten verteilter Koran (Göppingen, April 2016)
DPA

Von Salafisten verteilter Koran (Göppingen, April 2016)


In Hessen sind zwei Mitarbeiter einer Beratungsstelle gegen salafistische Radikalisierung vom Dienst suspendiert worden, weil sie möglicherweise Kontakte zur extremistischen Szene haben.

Bis die Vorwürfe geklärt seien, dürften die Frau und der Mann nicht mehr im Einsatz sein, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag in Wiesbaden. Zuvor hatte der hr-info über den Fall berichtet. Demnach sollen die Mitarbeiter Kontakte zu Vereinigungen gehabt haben oder noch haben, die vom Landesamt für Verfassungsschutz als extremistisch eingestuft werden.

Naturgemäß seien die Mitarbeiter des Violence Prevention Network (VPN) mit radikalisierten Personen sowie in einem extremistischen oder extremistisch beeinflussten Umfeld tätig, erklärte der Sprecher.

Gerade weil es sich dabei aber um eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe in einem schwierigen Umfeld handele, verlange das Land Hessen die uneingeschränkte Akzeptanz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.

Alle Mitarbeiter der Beratungsstelle sollen nun einer neuerlichen Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden, wie der Sprecher von Innenminister Peter Beuth (CDU) ankündigte.

Keine "ideologische Affinität"

VPN weist die Vorwürfe zurück. Laut Hessischem Rundfunk erklärte die Initiative die nun untersuchten Aktivitäten der beiden Mitarbeiter als ehrenamtliches Engagement außerhalb ihres Dienstes. "Und natürlich bedeutet der eventuelle Kontakt zu Personen mit demokratiedistanzierten Einstellungen nicht, dass es irgendeine ideologische Affinität zu diesen Personen gibt", sagte VPN-Geschäftsführer Thomas Mücke.

Das Präventionsnetzwerk VPN betreut in Frankfurt Menschen, die sich bereits islamistisch radikalisiert haben oder dafür gefährdet sind. VPN verfolgt laut Selbstdarstellung einen "nicht konfrontativen Ansatz". Akzeptanz und der Verzicht auf Demütigung ermöglichten ein Beziehungsangebot an Betroffene.

Das Beziehungsangebot solle letztlich zu einer Verhaltensveränderung führen. "Junge Menschen, die Fehler begangen haben, müssen eine Chance erhalten, ihr Verhalten zu ändern und einen Ausweg aus der Gewalt zu finden", heißt es.

hda/dpa

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