AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 14/2014

Von Deutschland in den Dschihad Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Salafisten aus Bremen

Die Staatsanwaltschaft startet nach SPIEGEL-Informationen Ermittlungen gegen vier Salafisten aus Bremen. Derweil warnt der Verfassungsschutz davor, mit welchen Methoden die Islamisten Rekruten für den Dschihad in Syrien werben. Als Aufnahmeritual dient dort offenbar das "Schlachten" von Gefangenen.


Hamburg - Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt nach SPIEGEL-Informationen gegen vier Salafisten wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat". Die jungen Männer sind in den ersten Monaten des Jahres aus der Hansestadt in Richtung Syrien ausgereist.

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Das Bremer Landesamt für Verfassungsschutz warnt in diesem Zusammenhang vor dem als extremistisch eingestuften "Kultur- und Familienverein", der im Stadtteil Gröpelingen die Masjidu-I-Furqan-Moschee betreibt. Der von den ausgereisten Salafisten frequentierte Verein werbe gezielt junge Leute an. "Oft sind es orientierungslose Jugendliche und Außenseiter, die in der Gröpelinger Moschee Halt finden", sagt Verfassungsschutzchef Hans-Joachim von Wachter.

Der Verein biete Freizeitaktivitäten wie Fußball und Boxen an. Das mache den Salafismus attraktiv. Wachter: "Die Aktivisten des Moscheenvereins sind sehr gut vernetzt und verhalten sich extrem konspirativ."

Im März hatten Eltern der nach Syrien gereisten jungen Männer vor der Moschee demonstriert. Sie werfen dem Verein vor, ihre Söhne radikalisiert zu haben.

Grausame Aufnahmerituale

Der im 19. Jahrhundert als fundamentalistisch-konservative, rein religiöse Strömung begründete Salafismus ist heute eng mit dem Islamismus verbunden, der Übergang ist oft fließend. Die Bewegung wirkt stark missionierend, mehrere salafistische Gemeinden in Deutschland stehen im Verdacht, gezielt Dischadisten unter anderem für den Einsatz in Syrien zu werben.

Immer wieder gelingt es ihnen auch, junge Deutsche als Konvertiten zu gewinnen. Rund 300 Islamisten sollen sich bislang von Deutschland aus auf den Weg nach Syrien begeben haben. Zu den wenigsten liegen den Behörden gesicherte Erkenntnisse vor.

In Syrien werden ausländische Kämpfer offenbar dazu genötigt, Gefangenen die Kehle durchzuschneiden, um sich als vollwertige Dschihadisten zu beweisen. Darüber hat das Bundesamt für Verfassungsschutz nach SPIEGEL-Informationen vergangene Woche die 16 Landesämter in Köln informiert.

Einzelne islamistische Gruppen unterhielten im syrischen Bürgerkrieg sogenannte Schlachthäuser, in denen die Gefangenen feindlicher Kriegsparteien untergebracht seien. Dorthin sollen wiederholt aus dem Ausland stammende Kampfwillige geführt worden sein, um sie an das Töten zu gewöhnen. Sogar 17- und 18-Jährige seien dazu angehalten worden, den Insassen die Kehle durchzuschneiden. Der Inlandsgeheimdienst fürchtet, dass auf diese Weise verrohte Jugendliche früher oder später auch nach Deutschland zurückkehren könnten.

Es sei möglich, dass auch der Fall Mustafa K. im Zusammenhang mit den "Schlachthaus"-Ritualen stehe, heißt es in Verfassungsschutzkreisen. Der aus Dinslaken stammende K. war Mitte Februar auf einem im Internet kursierenden Foto aufgetaucht. Es wurde offenbar in der syrischen Stadt Azaz aufgenommen und zeigt den Islamisten, wie er grinsend mit zwei abgeschlagenen Köpfen posiert.



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