Kritik an Salafisten: Druckerei gibt Koran-Auftrag zurück

Am Wochenende verteilten Salafisten wieder bundesweit Koran-Exemplare - jetzt gibt es Probleme für die islamistischen Initiatoren. Das Ulmer Unternehmen, in dem die Bücher gedruckt wurden, hat den Auftrag zurückgegeben, wie ein Sprecher erklärte: "Der öffentliche Druck war zu groß."

Umstrittene Koran-Übersetzung: "Wir sind kritisiert und angegriffen worden" Zur Großansicht
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Umstrittene Koran-Übersetzung: "Wir sind kritisiert und angegriffen worden"

Ulm - Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel hat auf die wachsende Kritik reagiert: Am Montag gab das Unternehmen bekannt, den Auftrag für den Druck von Zehntausenden Koran-Übersetzungen zurückzugeben.

"Im Endeffekt war der öffentliche Druck zu groß, wir wollen uns da raushalten", sagte ein Sprecher der Druckerei am Montag der Nachrichtenagentur dpa. "Die Korane werden nicht über uns produziert."

In der vergangenen Woche war die Verteilaktion von Politik und Verfassungsschutz heftig kritisiert worden. Hinter der Kampagne steckt die Bewegung "Die wahre Religion" um die Laienprediger Ibrahim Abou-Nagie und Pierre Vogel. Beide Männer gelten als führende Köpfe der Salafisten in Deutschland und wollen eine islamische Ordnung in der Bundesrepublik einführen. Kritiker sehen in der Koran-Verteilung den Versuch, Menschen für die salafistische Ideologie zu gewinnen.

Auch am Wochenende hatten Salafisten in mehreren deutschen Städten in kleineren Aktionen Korane kostenlos an Interessierte verteilt. Experten zufolge strebt die Organisation eine Missionierung an und will mit der Kampagne Aufmerksamkeit erregen und neue Kontakte knüpfen.

Unter anderem deshalb sei die Druckerei in Schreiben und E-Mails wegen des Auftrags heftig attackiert worden. "Wir sind ganz offen kritisiert und angegriffen worden", begründete der Sprecher die Entscheidung, den Druckauftrag für etwa 50.000 Koran-Ausgaben nicht zu erfüllen.

Verfahren gegen Abou-Nagie wurde eingestellt

Nach einer rechtlichen Prüfung habe die Ulmer Druckerei am Montagmorgen den Auftraggeber über den Abbruch informiert. Offen sei, ob dieser nun mit rechtlichen Schritten reagiere. "Weil noch keine Erfüllung beiderseitig stattgefunden hat, gehen wir aber davon aus, dass sich die Sache erledigt hat", sagte der Firmensprecher. Der Auftrag war zwar bestätigt, aber weder war Geld geflossen noch war produziert worden.

Die Druckerei hatte schon seit vergangenem Jahr mehr als 300.000 Korane, über sechs Aufträge verteilt, für die Organisation gedruckt. Der Druck war vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen als "unbedenklich" eingeordnet worden, wie Ebner & Spiegel bekanntgab.

Eine folgenschwere Ermittlungspanne hat sich die Staatsanwaltschaft offenbar in einem Strafverfahren gegen den Initiator der Koran-Kampagne, Ibrahim Abou-Nagie, geleistet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd vermengte ein Bearbeiter dabei Beweismittel aus verschiedenen Fällen. Dadurch fand ein angeblicher Tötungsaufruf des islamistischen Predigers Ibrahim Abou-Nagie "fälschlicherweise Eingang in die für das vorliegende Verfahren (...) maßgebliche Bewertung" - so heißt es in einer Verfügung der Staatsanwaltschaft Köln vom Februar.

Gegen Abou-Nagie sollte wegen des vermeintlichen Tötungsaufrufs am 30. Januar vor dem Amtsgericht Köln verhandelt werden. Die Justiz bemerkte ihren Irrtum wenige Tage zuvor. Nun wurde das Verfahren gegen den 47-Jährigen eingestellt. Die Kosten trägt die Staatskasse - und damit der Steuerzahler.

syd/dpa/dapd

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1.
glen13 16.04.2012
Zitat von sysopAm Wochenende verteilten Salafisten wieder bundesweit Koranexemplare - jetzt gibt Probleme für die islamistischen Initiatoren. Das Ulmer Unternehmen, in dem die Bücher gedruckt wurden, hat den Auftrag zurückgegeben, wie ein Sprecher erklärte: "Der öffentliche Druck war zu groß." Kritik an Salafisten: Druckerei gibt Koran-Auftrag zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827856,00.html)
Wer ist jetzt eigentlich gefährlicher für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung? Die den Korandruck in Auftrag gegeben haben oder die solange die Druckerei bedroht haben, bis die nicht mehr druckt? Wo sind wir schon wieder gelandet?
2. Also
spiegel_affäre 16.04.2012
Ich stehe den Salafsiten und dem Islam sehr, sehr kritisch gegenüber. Aber das bloße Verteilen des Korans so aufzubauschen bischen seltsam. Den gibts doch überall zu kaufen. Die Zeugen verteilen den Wachturm doch auch.
3.
Cassandra105 16.04.2012
Zitat von sysopAm Wochenende verteilten Salafisten wieder bundesweit Koranexemplare - jetzt gibt Probleme für die islamistischen Initiatoren. Das Ulmer Unternehmen, in dem die Bücher gedruckt wurden, hat den Auftrag zurückgegeben, wie ein Sprecher erklärte: "Der öffentliche Druck war zu groß." Kritik an Salafisten: Druckerei gibt Koran-Auftrag zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827856,00.html)
Es ist schon ekelhaft und das kann man wohl wirklich als Tyrannei der Masse bezeichnen, wenn der öffentliche Druck etwas derartiges bewirkt. Wie war das Geschrei groß bei Sarrazin, der ja wirklich mit Pseudowissenschaft den Anschein von Seriösität zu erwecken versuchte, um die Leser seines Buches zu manipulieren. Etwas, das man dem Koran wohl schlecht unerstellen kann, einen wissenschaftlichen Anspruch hat der schließlich gar nicht und auch keinerlei aktuellen Bezug. - Aber das muss man jetzt verbieten? Unser Land ist wirklich nur noch krank.
4. Traurig
movfaltin 16.04.2012
Zitat von sysopDas Ulmer Unternehmen, in dem die Bücher gedruckt wurden, hat den Auftrag zurückgegeben, wie ein Sprecher erklärte: "Der öffentliche Druck war zu groß."
Nennt man sowas pränatale Bücherverbrennung? Der fabrizierte Aufruhr gegen Schriftstücke, diese Medienhetze, hätte im Dritten Reich mit Sicherheit auch nicht sehr viel anders ausgesehen. Traurig, dass die Medien nun auch hier immer den Hasspredigern auf den Leim gehen. In diesem Fall christlichen. Wenn die Bücher frei an Minderjährige verteilt würden - meinetwegen Kritik. Wenn sie aber an mündige Bürger übergeben werden: wo ist das Problem? In einigen Köpfen ist die Aufklärung anscheinend immer noch nicht verankert.
5.
Systemrelevanter 16.04.2012
Warum man gg. die Druckerei Druck aufbaut, leuchtet mir nicht ein. Jmd. kauft Druckerzeugnisse ein und bezahlt dafür. Es handelt sich nicht um strafrechtlich relevante Schriften. What's the problem? Sollen die doch ruhig Millionen und Milliarden Korane drucken lassen. Kann doch nur gut für die Wirtschaft sein. Und wenn das mit der Missionierung so schnell gehen würde, wie die Bärtigen sich das wünschen, wären wir wohl alle noch aktive Kirchgänger. Dass sich moderne Menschen aber ungern an Lebensweisheiten und Diktate aus längst vergangenen Lebenswelten halten wollen, sieht man in allen aufgeklärten Gesellschaften. Aufklärung ist der natürliche Feind der Religion.
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